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Rundbrief für November 2022

Liebe Leserin - lieber Leser

Wünsche Euch allen, dass das Leben für Euch gut und erfüllend ist!



...den Mut haben, ein einfaches Leben zu führen.

In Zeiten, wo vieles nicht unbedingt einfacher, eher etwas komplizierter und oft auch schwieriger wird - taucht in mir ein Satz auf, der mich schon lange begleitet und immer wieder inspiriert:

"Wer das erfahren hat, hat den Mut ein einfaches Leben zu führen."
Er stammt von dem verstorbenen Zen-Meister Willigis Jäger, mit dem mich über eine Zeit hin ein warmer freundschaftlicher Kontakt verband - und wir hatten eine Reihe für mich sehr inspirierender Gespräche miteinander.

Willigis Jäger beschreibt, wie wir die Dinge in ihrer wahren Ordnung verstehen, wie wir den Symbolwert der materiallen Welt erkennen anstatt sie für die letzte Wirklichkeit zu halten. Er skizziert die tiefe wachrüttelnde Erkenntnis wer wir wirklich sind und vor allem das Wunder zu existieren in einer sich wandelnden Wirklichkeit - die unermesslich größer ist als unsere Gedanken sie zu beschreiben vermögen.
Wer das erfahren hat... hat den Mut ein einfaches Leben zu führen.

Wenn wir in die großen Traditionen schauen, so finden wir entgegen unserem oberflächlichen Verständnis davon, dass erst mal alles rundum gut und sicher sein sollte, bevor wir Zeit und Kraft für einen spirituellen Weg aufwenden, wir finden entgegen dieser Sichtweise, dass die Weisen und Erwachten, die Heiligen und HeilerInnen oft in sehr einfachen Verhältnissen lebten und leben. Genau darin - ohne dass daraus eine Ideologie gemacht werden muss - genau darin entfaltet sich ein immenser innerer und zwischenmenschlicher Reichtum.

Einfach zu leben bedeutet für mich nicht im Elend zu existieren oder arm zu sein. Das kann sehr belasten. Es bedeutet für mich eher eine Geistes-Haltung, ein "Wie" mit dem ich dem Leben begegne.
Ein einfaches Leben zu führen ist ein tiefes Erkennen des Wertes und der Schönheit der einfachen Dinge, der kleinen Situationen, der Natur - verbunden mit einer innigen Dankbarkeit für das sonst als alltäglich und als "selbstverständlich" hingenommene, dem wir keine besondere Bedeutung mehr schenken.
Auch in der Tradition der Achtsamkeits-Praxis verschiedener Ausformung ist dies eine zentrale Ausrichtung. Im achtsamen Tun und Erleben wird das Leben von innen her reich. Kinder können uns da bisweilen lehren. In extremen oder auch sehr tief-offenen Situationen kennen wir es vermutlich selbst. Ich erinnere mich, wie ich in den Jahren meiner Wildniswanderungen in Kanada oder Australien oder Norwegen - oft mit einer ganz ganz einfachen Mahlzeit in der Wildnis, in einer großen Naturlandschaft vor meinem Zelt auf dem Kocher sehr erfüllt war und zutiefst dankbar für das empfangene Leben.

So geht es nicht darum unsere technischen Errungenschaften oder unser Wissen auf die Seite zu stellen. Wohl aber, darin nicht unsere Erfüllung zu suchen.
Diese liegt in der Intensität unseres Erlebens - Bewusstheit - Achtsamkeit - Wachheit für jedes Detail.
Das bedeutet, dass unser Glücklichsein, dass unsere seelische Erfülltheit und Liebe zum Leben nicht davon abhängt, was wir haben - wie sicher wir uns in der Welt fühlen, welchen Job wir ausüben, mit welch extravaganten Erlebnissen wir gerade unterwegs sind...
Es zeigt sich die tiefe Lebens-Freude eher in der wachen Bewusstheit dafür, wie unser Geist arbeitet, wie wir tiefer zu schauen vermögen, wie die Dinge wirklich zusammenhängen -
bis dahin, dass wir verstehen, wie wir ganz einzigartige Wesen sind, die zugleich ein Ausdruck und damit verbunden sind in die Tiefe und Fülle des Seins, des Göttlichen Urgrundes, der großen Wirklichkeit zu der wir gehören.
Ein einfaches Leben zu führen ist unter Umständen eine unermessliche Befreiung aus dem noch mehr und noch größer und dem inneren Getriebensein immer wieder weiter Leistung bringen zu müssen, oder das Leben kontrollieren zu wollen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch tiefer zu schauen.
Ich wünsche Euch die Dinge und ihre Bedeutung zu verstehen,
vor allem aber die einzigartige Gabe und Qualität des je eigenen Menschseins.
Ich wünsche uns allen, dass wir im Sinne des Eingangs-Satzes immer wieder und neu und umfassender die Tiefe der Wirklichkeit erfahren,
aus der heraus wir den Mut finden ein einfaches Leben zu führen - unter Umständen mitten in einer unsicheren und von vielerlei Nöten geprägten Welt.

Könnte das auch unsere Antwort sein - für "die Welt", für viele andere um uns her?
Könnten wir damit In-Bild sein von einem morgigen Menschsein, wo es um andere Werte geht als zur Zeit so oft....?

Satnam Paulus-Thomas Weber





Worte für unterwegs:

"Vereinfache die Dinge

und das Leben wird wirklich."

(Tom Brown - Zitat seines schamanischen Lehrers)