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Rundbrief für Dezember 2021

Liebe Leserin - lieber Leser

Warme Grüße durch die zum Teil winterliche Landschaft an Euch alle!

"Von der Einheit des Lebens..."

Kennt Ihr auch diese Verschiedenheit der Kräfte in Euch selbst - da wünscht sich eine Seite von Dir Begegnung, inspirierende andere Menschen, Zuhören und Erzählen und vieles mehr.
Da ist aber auch die andere Stimmung - die eine tiefes Verlangen nach Alleinsein spürt, in die Natur zu gehen, zu lauschen, nicht sprechen zu müssen, stille zu sein, einzutauchen in die Tiefe der Wahrnehmung in Dir selbst.

Und es ist nicht immer einfach zu sehen, was jetzt gerade dran ist.
Schwieriger machen wir es oft dadurch, dass wir einer Seite "recht" geben und die andere in irgendeiner Form schon im Vorfeld verurteilen - um uns womöglich die Entscheidung zu erleichtern.
Wir sagen uns zum Beispiel: Nun - als Kind, da wollte ich ja auch schon immer allein sein und in die Natur gehen, fand Tiere und Bäume einfacher im Umgang als Menschen um mich.
Das ist bestimmt ein Muster in mir, das sich nicht weiter entwickelt hat. Ich sollte mich zwingen unter Menschen zu gehen...

Mmh - kann mal dran sein - aber zwingen wirkt eigentlich nie sehr hilfreich. Vielleicht habe ich in unserem Beispiel hier von Kind an einen besonderen Zugang zum Leben, wo ich nur mit mir bin, den Bäumen und dem Regen lausche, die Sonne auf der Haut fühle und den Gesang eines unbekannten Vogels vernehme...
Kann es nicht sein, dass ich - war ich lange genug da allein mit dem Sein - dann freudig aus mir selbst den Impuls finde, zu anderen Menschen zu gehen, offen und freudig in die Begegnung zu finden?

Dann dienen doch beide Kräfte in mir - der Zug zur Begegnung mit anderen und der Ruf ins Alleinsein mit der Welt - dann dienen doch beide der Entfaltung des Lebens, der Sensitivität in mir.
Dann ist keines von beiden "falsch", stehen beide nicht feindlich gegeneinander. Sind sie eher wie zwei Hände, die von beiden ganz verschiedenen Seiten her das Lebendige Erleben umfassen.

Wenn wir tief genug gehen in uns - finden wir aus meiner Erfahrung immer einen gemeinsamen Grund, einen gemeinsamen größeren Ursprung der sonst an der Oberfläche gegenäufig und gar widersprüchlich wirkenden Strömungen in unserem Erleben, Fühlen und Denken.
Wir lernen vielleicht beide Pole dieser Spannung zu nutzen als einen Rhythmus, wie ein- und ausatmen, wie Tag und Nacht, wie Ruhe und Tun, wie Offensein und Sich-sammeln.

Was nun würde geschehen, wenn diese Einsicht nicht nur für uns inner-persönlich gilt, sondern auch im zwischen-menschlichen, gar kollektiven Feld von Menschen miteinander hilfreich wäre?
Kann es sein, dass Menschen verschiedener Traditionen, Geisteshaltungen oder Kulturen - einander auch ergänzen können, wenn sie entdecken, dass sie in der Tiefe verbunden sind, im Grunde dem gleichen Leben und kostbaren Menschsein dienen wollen?
Könnte es sogar sein, dass einander wiederstrebende Richtungen, Gruppen und Bewegungen in unserer Gesellschaft heute - auch wenn sie sich im Alltag gegenseitig völlig krass und unerträglich finden - loten wir tief genug - sich erweisen als verschiedene Ausdrucksformen ein- und derselben Liebe zum Leben, der gleichen Kostbarkeit von Menschsein und Menschlichkeit,
auch wenn wir total verschiedene "Werkzeuge" benutzen...?

Es tut sicher gut sich auch gegenseitig korrigieren und besser verstehen zu helfen. Nur, gelingt das erst dann aus meiner Sicht, wenn wir erkannt haben, dass wir einen gemeinsamen Werte-Grund, eine einzige tiefe Inspiration von der Schönheit und der Einmaligkeit des Lebens miteinander teilen.

Finden wir nicht diese je größere Einheit, Verbundenheit als Menschen auf dieser einen Erde, geraten wir in Gefahr einander zu verteufeln, zu verfolgen, zu pathologisieren.
Heute ist es vielleicht der Konflikt um Corona - morgen ist es ein anderes Thema. Trennungen von uns Menschen sind nicht an ein Thema gebunden - sie sind eine Sache des tieferen Geisteszustandes, letztlich der Weite und auch Klarheit unseres schauenden Herzens.



So mag ich Euch und mich dazu inspirieren - immer wieder nach dem tieferen Grund, dem rauschenden Strom des Verbundenseins unter unseren Verschiedenheiten zu suchen, darauf zu hören.
Mögen wir verschiedener Meinungen, verschiedener Religionen, unterschiedlicher Philosophien vom Leben anhangen - in der Tiefe quellen diese alle ausnahmslos aus der unermesslichen Fülle menschlichen Daseins selbst, das um seinen Urgrund im Unergründlichen, im Geheimnis des Göttlichen gar weiß.

In einer immer wieder zerrissenen, bisweilen zerbrechenden Welt, lasst uns der je größeren Verundenheit aller Wesen vertrauen!

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen eine gute adventliche Zeit, ein erfüllendes Weihnachten und einen lebendigen und frischen Start in das Neue Jahr 2022!

Mit herzlichen Grüßen
Satnam Paulus-Thomas Weber





Worte für unterwegs:

"Anderen Menschen kannst Du erst dann helfen,
sie auf ihrem Weg der Entwicklung unterstützen,
wenn Du klar erkennst,
dass Ihr nicht verschieden seid -
dass Du genau so bist wie sie alle."

(Pema Chödrön)