Sie sind hier: Startseite » Blog-Texte

Blog-Texte



Hier gibt es Blog-Texte - nach Jahren und Themen angeordnet...

Blogs 2018
Blogs 2017
Blogs 2016
Blogs 2015

sowie den aktuellen Rundbrief...

Und zentrale Texte zum Hintergrund unserer Arbeit:

  • Lebendige Linie...
  • Brücken der Religionen...
  • Phasen des Weges...

Lebendige Linie aus dem Herzen der Menschheit


Die "Linie" - eine lebendige Tradition aus dem Herzen der Menschheit

Das ist etwas, das wir in der modernen Entwicklung, Psychologie
und vielen spirituellen Angeboten meist vergessen haben:
Wir stehen nicht allein da, wir sind nicht die ersten, die diese Wege gehen, diese Fragen stellen.

Neu und einzigartig bleibt unsere ganz persönliche Art des Suchens, unsere unverwechselbare Erfahrung -
klar, das gehört wesentlich zu authentischer Spritiualität dazu, immer schon.

Hinter uns allerdings stehen die Menschen, die uns ganz konkret im Leben auf die Spur gebracht haben,
die uns insprieren,
wir können sie LehrerInnen nennen, vielleicht nennen wir sie auch ganz anders.

Und das geht weiter wie ein sich ausdehnender Kreis... in die verschiedenen Religionen und Traditionen,
mit denen wir eine Herz-Verbindung haben.

Vielleicht sind wir auch mit einer besonders verbunden.

Für uns hier, die wir Meditation leben und lehren und diese Kurse und Retreats anbieten,
ist da eine starke Verbindung

zu indigenen LehrerInnen aus Afrika, aus Australien,
es ist da die Verbindung zum Buddhismus, zur christlichen Mystik und Philosophie, nach Indien zu Osho und zu anderen machtvollen Wegen moderner Arbeit an sich selbst.

Und es ist da zentral die tiefe und wesentliche Verbindung zu einer Linie, die aus Indien herkommt, wo Frauen und Männer in großer Einfachheit und mit einem Leben im Alltag,
das dem unsrigen recht ähnlich ist, meditiert haben, immer wieder auch sich trafen in Retreats in den Wäldern und Bergen und ihre Erfahrungen teilten.
Das sind die Siddhas im alten Indien.
Von da ging es nach Tibet und der tibetische Buddhismus
war das Gefäß für diese im Grunde rein menschliche, trans-kulturelle Kraft.
Saraha - Tilopa - Milarepa - Genpopa sind Namen auf diesem Weg.

In dieser Linie steht dann auch Chögyam Trungpa.
Die Vision des Meditations-Meisters Chögyam Trungpa Rinpoche, als er nach seiner schwierigen Flucht aus Tibet schließlich 1970 in die Vereinigten Staaten kam, war eine "erleuchtete Gesellschaft". Im Unterschied zu manchen anderen buddhistischen Lehrern, die in den Westen kamen, lehrte er die Praktiken der Meditation als Schlüssel zum ursprünglichen, offenen und unverstellten Menschsein - jenseits aller Kulturen und Religionen. Er gründete diese westliche Linie, zurückgreifend auf viele Generationen von Praktizierenden in Tibet und Indien, im Grunde bis in die Urströme der Menschheitsgeschichte.
Sein Schüler Dr. Reginald A. Ray, der bei Mircea Eliade promovierte und Jahrzehntelang den Buddhismus, sowie besonders körperzentrierte Meditations-Traditionen in der ganzen Welt studierte, formte diese Linie weiter, insbesondere durch seine umfassenden religionswissenschaftlichen und philosophischen Einsichten. Er verbindet die Praxis der Meditation immer mit unserem menschlichen Körper, mit den Erkenntnissen westlicher Psychologie und Therapie, sowie mit den neuesten Forschungen der Neurobiologie, Molekularbiologie, Quantenphysik und Astrophysik. Zu seinen Lehrern gehören auch indigene Lehrerinnen und Lehrer aus Nord- und Südamerika, Australien und Afrika.
Mit ihm und seinen SchülerInnen öffnet sich der Raum in eine transkulturelle und religionsübergreifende Sicht, die die von dieser Linie gelehrte Meditations-Praxis zu einem der fundiertesten Schlüssel heutiger authentischer Spiritualität für uns moderne Menschen werden lässt.

Aber gehen wir noch weiter:
Es geht letztlich um das, was ich "Die große Linie der Menschheit" nennen möchte.

Die Suche nach dem, wer wir wirklich sind, was das Mysterium unseres Lebens und der Wirklichkeit als Ganzes ist - diese "heilig" zu nennende Suche ist alt wie wir Menschen!
So geht es über alle großen Religionen hinaus in die Geschichte zurück,
es geht über alle religiösen Institutionen hinaus hin zu den Menschen,
die keiner Linie oder Religion angehörten und angehören.

Das innere Feuer der Wirklichkeit, das Erwachen des Herzens, das Göttliche Licht in uns -
das ist es, was uns mit all den anderen verbindet.
Wir sind in diesem Sinne "Liebes-Geschwister des Seins".

Linie meint, dass wir in diesem großen Strom von Menschen stehen,
die ganz und gar verwirklichen wollten, was Menschsein bedeutet, das Geheimnis des Lebens in seiner Fülle zu erfahren.

Gerade in der heute nicht einfachen Zeitstunde
ist es wesentlich, uns diese machtvolle Unterstützung aus der Menschheitsgeschichte, aus der Geschichte der Spiritualität, aus den Religionen (mit all ihren Schatten...), aus der Evolution des Lebens bewusst zu machen.

Brücken aus dem Herzen der Religionen


Die heutige Zeit ist von vielen Krisen Unsicherheiten und unlösbaren Situationen geprägt.


Sie zeichnet sich aber ebenso aus durch eine sehr breite Suche vieler Menschen nach authentischem Leben, nach echter Menschlichkeit, und so auch nach genuiner Spiritualität.
Vermutlich haben noch nie so viele Menschen auf dieser Erde explizit meditiert. Zudem hatten wir sicherlich in der modernen Welt noch nie einen so privilegierten und in gewisser Weise leichten Zugang zu den Weisheitslehren der großen Religionen, zu den LehrerInnen der spirituellen Wege, deren Einsichten und Begleitung.

Hinter uns liegt eine Zeit – und sie scheint langsam zu Ende zu gehen – in der viele von uns sich identifizierten mit einer einzelnen religiösen Tradition, je nach kulturellem Raum, in den hinein wir geboren wurden. Dies gab ein Erleben von Geborgensein in einer „Religions-Gemeinschaft“ und die Möglichkeit mit jener Religion auch spirituell in die Tiefe zu gehen.

Dies bricht mehr und mehr um – auch schon innerhalb der Religionen. Wir können das hier in Mitteleuropa an den christlichen Religions-gemeinschaften (den Kirchen) studieren.
Diese Wandlung hat vor allem zwei Gesichter: Zum einen, dass alte Formen und Lehrsätze zu eng sind, nicht mehr der sich öffnenden geistigen Weite und Frage des heutigen Menschen entsprechen. Und zum anderen, dass jene Menschen, die tief hineingehen in die erfahrene Spiritualität - im Christlichen ist das oft die Mystik -, genau darin eine Weite, Radikalität und Unverfügbarkeit der Erfahrung des Göttlichen erleben, die über alle Grenzen von Denken, Systemen und auch über die jeweilige Religionen hinausgeht. Die Menschen, die dies erleben und bezeugen, werden immer mehr – und sei es auch nur im Modus der Sehnsucht nach genau dieser Existenzialität und Weite religiöser Erfahrung und Weltsicht.
Zudem verlassen viele Menschen die traditionellen Gemeinschaften der Religion – bleiben auf der Suche, suchen lebendige Spiritualität, nicht aber eine neue religiöse Organisation.

Es vollzieht sich aus meiner Sicht in unserer Zeit heute eine tiefe Wandlung im Herzen der Religionen:
Dass in uns Menschen der Impuls erwacht, nicht die Traditionen abzuwerten, wohl aber über die kulturellen und sozialen, wie auch philosophischen (theologischen) Formungen der Hochreligionen hinausgerufen zu werden. Tradition hieße so - mit dem bekannten Wort - nicht Asche zu bewahren, sondern Feuer weiterzureichen. Im Herzen der Religionen begegnen wir der Gotteserfahrung, der Seinserfahrung, dem Berührtwerden oder auch Erschüttertwerden von der Tiefe der letzten Wirklichkeit. Dies haben genau de Gründungsgestalten erfahren, danach haben viele Menschen im Laufe der Geschichte jeder Religion und auch außerhalb davon gesucht – und auch gefunden. Dies inspirierte Jesus, Buddha, die erwachten Frauen und Männer der Menschheits-Geschichte.

Die hier gemeinte Tiefe und Weite lässt uns Menschen in das Zeitlose blicken –
und darin die Zeit mit all dem darin geschehenden Werden als geborgen erfahren. Im unendlichen Jetzt der grundlegenden und radikalen Erfahrung menschlicher Fülle zeigen sich die Religionen als geschichtliche Ausformungen einer alles Verstehen umfassenden Liebe und Gegenwart. Diese tiefste göttliche Wirklichkeit mag sich zeigen wie ein spiritueller Begleiter, der zeitweise eine bestimmte Kommunikation gebraucht, um die ihm anvertrauten Menschen recht zu geleiten.
Dies sind die Religionen unserer Menschheitsgeschichte, in denen allen das göttliche Eine spricht.

Wenn dem so ist, dann stehen die großen Inkarnations-Gestalten, die Erleuchteten aller Religionen weiterhin hinter uns und begleiten unsere Pfade.
Im zeitlosen Raum loten sie mit uns zusammen hinein in den Ursprung des Menschseins – auch zurück in die Menschengeschichte noch vor die Geburt der Religionen im heutigen Sinne. Wir finden so eine Schönheit, Weite und Heiligkeit ursprünglichen Menschseins durch die Jahrhunderttausende, wovon nicht nur das Mysterium unseres Körperseins, sondern auch so manche alte Weisheits-Tradition Zeugnis ablegt.
Die „Vollkommenen“ verstehen sich auf vollkommene Weise. Buddha versteht Christus vermutlich umfassender als alle Christen...

Wir sind so nicht allein auf diesem Weg in das Morgen von Spiritualität –
die Menschheits-Geschichte steht sozusagen hinter uns. Die Hochreligionen stehen mit uns auf dem Weg und rufen uns mit ihren ureigensten Herz-Tönen über sich selbst hinaus in jene Offenheit und Weite ursprünglichen Menschseins, in dem Spiritualität und „Gottes-Berührtheit“ keine Grenzen mehr setzt und keine Unterschiede mehr manifestiert. Solche authentische Spiritualität ist eigentlich nichts anderes als radikal ungeschützt und wach gelebtes Menschsein. Es durchdringt in einer ganz „weltlich“ zu nennenden Konkretheit den sog. Alltag. Dieser erwiese sich dann nicht mehr nur als das mühselig kleine Reale, das es zu leisten gilt, sondern ebenso als „der große Tag“, in den wir letztlich beseligt, reifend und liebend mit allen Schmerzen und Freuden der Wandlungen im All des Seins erwachen.

Satnam Paulus-Thomas Weber

Phasen menschlicher Reifung


Heimkehr in das eigene Menschsein...

Als Menschen in der Alltagswelt der modernen Gesellschaft beginnen wir zunächst und meistens in einer Art Entfremdung vom Körper,
in einer Anstrengung aus unserem Leben "etwas zu machen", weil uns beigebracht wurde, oder wir es uns auch selbst sagen, dass wir nicht ausreichen, nicht gut genug seien.
Damit entfernen wir uns von der grundlegenden Fülle, Wärme und Kraft unseres Menschseins,
die präsent sind in unserem Körper.
So ist der erste Schritt heimzukommen in unseren Körper als Erfahrung, als unmittelbares Erleben und Gegenwärtigkeit,
wie auch unser persönliches Leben als einzigartig und kostbar zu erkennen und zu fühlen (und nicht nur zu wissen).
Ankommen, bei unserem ganz eigenen Leben - das ist die 1. Phase.


Freundschaft mit uns selbst kultivieren...
Je mehr wir so ankommen bei uns selbst und das Gefühl bekommen, dass wir uns selbst leben und erleben, desto mehr wächst in uns der Anruf,
damit präsent zu sein, kraftvoll, wach, klar und ohne uns dem Diktat des Denkens zu unterwerfen, vielmehr frei zu werden zu der genuinen Menschlichkeit,
die aus unserer Seele, unserem tieferen Körpersein sich in uns entfalten und in den Alltag übersetzen will.
Wir kommen so zur 2. Phase, zur Freundschaft mit uns selbst,
wo wir lernen, mit allem, was unser Personsein ausmacht, gut umzugehen, ohne uns zu puschen, ohne uns zu kritisieren, aber auch ohne uns schleifen zu lassen.
Hier lernen wir die uralte powervolle Technik der Meditation.


Der Spur des eigenen Lebens trauen lernen...
Die Forschungs-Reise in unseren Körper - in unsere somatische Erfahrung - könnten wir sagen, ist reich und weit und berührt das Erinnerungs-Wissen der eigenen Biographie, das Lebens-Wissen ganzer Generationen und letztlich des Menschlichen schlechthin, und wir kommen in Kontakt mit dem unbestechlichen Wissen unseres Körpers für Situationen, für Menschen, für unseren eigenen Lebensweg.
Der Einsicht, dem Wissen und dem Sinn-Gespür des eigenen Körpers mehr zu trauen als äußeren Autoritäten, das ist der Mut und die Befreiung der 3. Phase.


Vom Herzen, das nicht schläft...
Lernen wir im Körper präsent zu sein, kraftvoll unsere Erfahrungen zu halten aus der Verwurzelung in eine tiefe, wesensgemäße Gelassenheit, lernen wir uns selbst zu vertrauen in unserer Verkörperung, im Sinn-Gespür von innen her, dann kann sich unser Herz-Raum sicher und geschützt fühlen und sich öffnen, als das Zentrum von Menschsein und als Zentrum unserer Persönlichkeit.
Wir erfahren unser Herz-Zentrum - energetisch in der Mitte des Brustraums, so dass unser physisches Herz davon ein Aspekt ist - wir erfahren unser Herz-Zentrum als ein geradezu unermessliches und letztlich auch "unbesiegbares" Tor für das Strömen der Liebe, des Mitfühlens, der Sympathie für die ganze Symphonie des Lebens, für alle Wesen - seien sie noch so bizzar, eigen oder herausfordernd - ja sogar für uns selbst.
Der mutige Pfad des Herzens ist die 4. Phase.
Von da an gehen wir unseren Weg der Individuation, der persönlichen Reifung nicht mehr nur für uns selbst, wir erleben ihn auch als ein Geben, ein Schenken, ein Teilen, ja Dienen - für alle anderen, diese unsere Weltstunde heute, für etwas Größeres.


Alte Lasten sich lösen lassen...
Aus dieser Erfarhrung finden wir den Mut und die Leidenschaft unsere schwierigen Blockaden und eingespurten Muster zu entdecken, zu verstehen und sich lösen zu lassen.
Damit sind wir natürlich nie fertig - und wir haben es sicher bisher auch schon getan, aber hier haben wir nochmal eine besondere Gunst "der Stunde". Wir haben ja schon eine tiefe Ahnung und Gewissheit von der Schönheit des Lebens und der Tiefe und Offenheit unserer authentischen Persönlichkeit. Dafür lohnt es sich zu gehen - auch durch wuchtige und nicht so einfache Erlebnisse hindurch.
Die Blockaden in uns, sind nicht gegen uns. Sie haben uns mal beschützt. Jetzt können wir sie loslassen, sonst blockieren wir mit ihnen den weiteren Werde-Weg unseres Lebens.
Das ist die 5. Phase - die alten Blockaden gehen zu lassen.


Uns selbst und diese Welt neu sehen...
In dem Moment, wo sich alte Konzepte und Muster unserer Vorstellung von uns und der Welt auflösen, wird der innere Blick unseres Geistes neu und frei. Wir sehen - vielleicht das erste Mal im Leben - uns selbst, die anderen Menschen um uns, die Erde, die Welt, wie sie wirklich sind. Dieser Blick ist tiefer als erwartet und beschenkt uns mit einer umfassenden Dankbarkeit zu existieren. Wir lernen buchstäblich uns selbst und diese unsere Welt neu zu sehen.
In der Tradition ist das die Frucht tiefer Kontemplation, oder wie es aus dem Buddhismus zu uns kommt, von Mahamudra, "der großen Geste des Daseins", "der ganzen Erfahrung" - so könnten wir es übersetzen. Hier soll nichts mehr ausgeschlossen sein. Alles ist ein Aspekt von "Spiritualität", von Menschwerdung, ist ein Tor zu unserem Leben.
Die 6. Phase - uns selbst und diese unsere Welt neu sehen lernen.


Ursprüngliches Menschsein verwirklichen...
Wir werden ganz einfach - menschlich. Unerkennbar für viele, und doch inmitten eines oft kleinen unscheinbaren Alltags, mit der Präsenz des Unermesslichen beschenkt. Fühlbar für jene, die es brauchen.
Dies wird als die 7. Phase beschrieben - einfach menschlich zu sein.


Es ist die Reise in die Tiefe und Fülle dessen, was unser Menschsein für uns bereit hält.

Und - dies alles hier ist nur eine "Landkarte"!