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Rundbrief für Dezember 2020

Herzliche Grüße Euch in diese Vorweihnachtszeit hinein in unserer gerade nicht einfachen Zeit

"Was nicht erst morgen geschieht..."

Unsere Tage sind nicht so leicht, vermutlich für die meisten von uns, bisweilen ist es zur Zeit auch richtig heftig und herausfordernd - das ist zumindest meine Erfahrung.

So ist das Verlangen da, dass sich die Zeiten ändern, dass die Lebenssituationen sich endlich wieder normalisieren, dass etwas geschehen möge, das uns hilft freier und leicht da zu sein.
Wir Menschen neigen dazu einen Wandel des Heute vom Morgen zu erwarten. Wir alle haben tief in uns diesen Optimismus des Zukünftigen, dessen, was kommen möge.

Nun, daran ist nichts Falsches, es hat ja sogar ein "adventliches" Thema, ein Warten, ein Hoffen, ein Sich-Ausstrecken auf Befreiung, Heilung, Erlösung, Ganzwerdung.
Dem begegnen wir in vielen großen Traditionen, so im Christlichen, gerade auch in der westlichen Philosophie, in der Dynamik unseres menschlichen Geistes.

Von dem Schweizer Kultur-Anthropologen Jean Gebser gibt es den markanten Satz: "Das Zukünftige ist die Latenz der Gegenwart."
Dies meint: Das, was morgen geschehen kann in unserem linearen Zeitverständnis, in unserem Erwarten und Hoffen, wir ersehnen es, weil es schon in uns gegenwärtig ist. Wir strecken uns nur danach aus, weil wir schon den Samen davon in unseren Herzen verspüren. Ja mehr noch - Die Zukunft ist ein bestimmtes Zeit-Verständis, nicht unbedingt das tiefste, und es galt auch nicht immer in der Menschheitsgeschichte.

Tiefer als die lineare Empfindung unserer Zeit als gestern - heute - morgen, tiefer als die verrinnende Zeit, ist alles stets gegenwärtig. Wenn wir den Raum des Innen erfahren, wenn wir unser wahres Wesen berühren, wenn wir in unserem authentischen Selbst zu wohnen wagen - dann ist Zeit relativ. Ich sage nicht, dass Zeit nicht ist, aber sie ist nicht alles. Zeit ist frei in uns, ist ein "Spiel" des Werdens, wie die Dinge kommen und gehen, sich unsere Welt entfaltet...

Die Erfahrung zeigt, dass wir alle ein machtvolles Tor genau dazu in uns haben:
Es ist der Moment, der Augenblick, die Kraft des Jetzt.
Ich meine das nicht in dem Sinne, dass wir nur schön achtsam im Augenblick ruhen sollten und die Welt vergessen - ganz im Gegenteil. Das Jetzt, dieser Augenblick ist lediglich ein Tor - hin zu dem großen Jetzt, dem zeitlosen Raum, der in uns zugänglich ist, in dem die Zeit in ihrem Stömen ruht, in dem das Gewesene ebenso beheimatet ist, wie das Kommende, und auch das Heute.

Das bedeutet, dass wir unter allen möglichen Umständen auch heute schon die Fülle des Lebens berühren können.
Wenn Zeiten sind wie diese jetzt, wo wir uns wünschen, dass es endet, wie es ist,
wenn wir wünschen, dass es endlich wieder keine Viren und Lockdowns gibt, die den Alltag bestimmen,
wenn wir uns wünschen, dass viele - möglichst alle - Menschen hinfinden zu einer neuen und uralten Offenheit des Herzens,
wenn wir (auch schon vor Corona-Zeiten) erwarten und erhoffen, dass wir als Menschenfamilie auf dieser Erde endlich einen Shift tun, wo wir anders erkennen, verstehen und lieben können, wo wir erwachen,

wenn solche Zeiten sind ...
dann tun wir gut daran uns im Heute,
im Jetzt dieses Spürens gerade, in dieser Inspiration hier zu verwurzeln.
Sonst warten wir uns wund und blutig, wenn wir nur auf das Morgen starren!
Mag es kommen, mögen wir alle daran mitwirken - ja.

Und zugleich ist das Wichtigste immer schon da:
In uns, im einfachen uns hingeben in die Gegenwart dessen, was jetzt da ist - rührt uns die Fülle an.
Hier ist der Geburtsort auch für das Kommende, für alle unsere Erwartungen und das, was ganz ganz anders ist, weil wir es uns nicht vorstellen können.

Die große Botschaft aller existenziellen Traditionen ist, uns nicht narren zu lassen von unseren Ideen, wie die Welt oder wir werden könnten.
Sondern uns jetzt der schon auf uns wartenden Fülle des Seins, der Gegenwart des unverbrüchlich Göttlichen im Heute anzuvertrauen.
Darin und daraus kann unsere Erde neu werden.

Lasst uns in diesem Sinne gemeinsam unterwegs sein in dieser Weltstunde, in der neben allem schwierigen sich ebenso innere Chancen öffnen.


Worte für unterwegs:

"Dieses Jahr 2020 - dieses so unerwartete, absehbare, schwierige Jahr -
halte es in den Händen,
lass es ausruhen bei Dir und mir und uns,
lass es ruhen in sieben Milliarden Paaren Menschenhänden,
denn uns alle hat es bewegt, so oder so, dafür oder dagegen, oder neutral, oder...

Leg diese Zeit Deines Lebens
in die Schale Deiner Wärme und Deines Greifens, Haltens -
diese verwirrende Zeit,
diese wuchtige, schmerzvoll, aufschreiende, innehaltende, stille, verschwindende Zeit.

Halte sie im Großen, das Du bist,
in der Präsenz Deines wachen Herzens für alle Stunden des Lebens.
Halte dieses Jahr im Größeren, das wir alle gemeinsam sind, wenn wir mit allem und trotz allem verbunden sind,
wir Menschen, die wir wenn wir wollen immun sein können gegen das brutalste Virus,
das der Herzenskälte und Trennung voneinander, vom Leben.

Halte diese Lebenszeit von uns allen auf dieser Erde in Deinen Händen
und erfahre, dass im Mut Deines Haltens das ganz Große und Unermessliche Deine Hände hält -
das Große Leben, das keinen Abend kennt,
die göttliche Weite des atmenden Seins selbst.

Lass Dich und uns gehalten sein im Geheimnis!"

(Satnam Paulus-Thomas Weber)


Euch die besten Wünsche zu Weihnachten und einen lebendigen und inspirierten Start in das Neue Jahr 2021!
Satnam Paulus-Thomas Weber