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Und hier unser aktueller Rundbrief:


Willkommen zu unserem Rundbrief Mai 2019!


Ganz herzliche Frühlings-Grüße Euch allen, wo auch immer Ihr das nun lest...

Wir Menschen wollen unser Leben gut leben und es so gut wie möglich machen. In uns atmet eine tiefe Liebe zum Lebendigsein und eine kraftvolle Leidenschaft für das Leben in all seinen Farben und Formen. Das ist etwas Wunderbares und ist gleichsam die Übersetzung unserer seinsmäßigen Leuchtkraft, unseres tiefsten Wesens, unserer göttlichen Natur in uns - in unseren konkreten Lebens-Bezug.

Bisweilen verwickeln wir uns dadurch aber auch mit uns selbst, unseren Eigenschaften, mit denen der anderen, mit den Situationen, in denen wir leben, mit dieser unserer Welt...
Vermutlich starten wir in bester Absicht und aus einer Variation von "Liebe" zum Leben.
Dann kommen Widerstände - Dinge, die uns den Weg zu versperren scheinen, andere Menschen, die völlig kontroverse Ideen von derselben Welt haben, Umstände, die es uns schwer machen.
Wenn wir nicht wirklich weiter kommen und unsere Version der Situationen nicht relaxen können, wird es schwierig.

Wir können dazu neigen zu kämpfen - mitunter bis zum "bitteren Ende" - für die gute Sache, oder wie auch immer wir das nennen. Allzuleicht greifen wir zu überzogenen Mitteln, unsere anfängliche Lebensfreude wendet sich in Engagement und dann in Wut und Rage, gar in Hass auf jene, die das Leben bedrohen!
Irgendwie haben wir ja Recht - ich meine, unsere ursprüngliche Leidenschaft für das Leben hat Recht. - Aber oft ohne es zu bemerken wendet sich unsere mitfühlende Bejahung des Lebens in eine zerstörende Verneinung der anderen, der anderen Menschen oder Umstände, die uns im Wege stehen.

Dies ist eine innere Skizze, wie Kämpfe, Konflikte oder gar Kriege, Kreuzzüge und Religionskriege in die Welt kamen und kommen.
Das für mich erschreckende und zugleich faszinierende ist, dass vermutlich niemand mit der Absicht startet - wirklich "Böses" in die Welt zu bringen. Ursächlich steht da - aus meiner Beobachtung - immer eine Art von Engagement für die Welt, für Menschsein, eine Art Leidenschaft für das Leben.
Diese wird dann allerdings oft schon sehr bald vermischt mit heftigen und abgründigen Tendenzen und Beimischungen, die wir Menschen leider auch in uns haben.
Die Wurzel hingegen ist eine Leidenschaft für das Dasein - und sei es nur für das eigene oder das der eigenen Gruppe.

Wie können wir damit umgehen - in uns und um uns, in dieser unserer gemeinsamen Welt?

Ist es möglich zu sehen, welche Wurzel letztich alles Zerstörerische oder sogar "Böse" hat, dass es, wie auch die großen Philosophien und Religionen uns lehren, letztlich im Seinsgrund, im göttlichen Ursprung wurzelt - wenn auch dessen Qualitäten unsäglich verdrehend, verdrechselnd, verstellend?
Will sagen - es gibt eine Weite und Offenheit, auch in uns, in unserer erwachten Wesens-Weite, wo auch das Dunkelste Ort hat, ohne Macht zu haben, wo auch das Abgründigste gleichsam heimkehrt in den gemeinsamen Ursprung. "Das Eine ohne ein Zweites" - diese mystische Formulierung für das Sein, das Unendliche, den Grund des Göttlichen, meint ja dies, so verstehe ich es zumindest.

In der buddhistischen Tradition finden wir diese Weite in der Rede vom unermesslichen Geist als Ursprung von allem, was ist.
"Betrachte einen Dämon als Dämon, und er wird dir schaden; erkenne den Dämon in deinem eigenen Geist, und du bist frei davon."
Dieses Wort des tibetischen Meisters Milarepa zitiert Lama Tsültrim Allione in ihrem excellenten Buch über die Arbeit mit sog. Dämonen, jenen Kräften in uns, die dem Fluss des Lebens und der Liebe entgegenstehen.

Natürlich ist das nicht alles - es ist aber die Basis.
Es kann dann weiter gehen in unseren konkreten Umgang mit uns selbst, dass wir jene Kräfte in uns erkennen, die eben das Leben hindern, und von denen unterscheiden lernen, die es fördern.
Die Hindernisse zu "erlösen" einzulösen, indem wir ihr Ur-Anliegen schauen, ihre ursprüngliche Leidenschaft für das Leben, die sich dann verirrt hat in Selbstsucht, Wahn und eine Abkoppelung von der Ganzheit des Daseins, vom Urspung und von der Liebe, die alles miteinander verbinden kann.
Ja mehr noch -
Wir geben dem ins Dunkle oder gar ins "Böse" Vewickelten etwas, das es sich selbst nicht mehr zu geben vermag:
Eine Liebe, die zugleich unbestechlich und unerschrocken hindurchzuschauen vermag - bis auf den Grund, in die Essenz: Und dort schauen wir das ursprüngliche Engagement für das Leben - eine Version von Liebe.

Damit sind wir nicht weit weg von der "Feindesliebe" des Jesus von Nazareth, von der Liebe Gottes in der christlichen Tradition zu all den verirrten und ins Dunkel der Boshaftigkeit verwickelten Menschen, sind wir auch in der Nähe der raumgebenden Liebe eines Buddha und der Tradition des Erwachens.

Im Alltag werden wir die klare Unterscheidung brauchen - auch um uns selbst und das uns Kostbare zu schützen - zwischen den erwachten und den noch verschlossenen Kräften unserer Welt, zwischen dem, was aus der Liebe wirkt und dem, was noch dabei ist zu zerstören und zu verletzen. Wir brauchen diese Unterscheidung der Geister!
Hier ist es allerdings wichtig, uns nicht mit Erwartungen, Zielen oder Kampfansagen selbst zu verwickeln. Wir befreien gleichsam die Welt von unseren Erwartungen, von unserem Zugriff.
Aus dieser Freiheit erst können wir dann mit Stimmigkeit antworten auf die tagtäglichen Herausforderungen und auf die großen Fragen. Aus der Freiheit antworten wir in einer Liebe, die auch mit dem Dunkeln und Pervertierten, dem Schwierigen oder dem Zerstörerischen umzugehen vermag...
auf dass wir nicht die Kette der Kämpfe und des Gegeneinander verlängern in unserer Welt.

Dazu braucht es zugleich unsere "Zuflucht" zur Tiefe der Wirklichkeit in uns - dass auch jene zerstörerischen Kräfte in einer unglücklichen Sehnsucht nach letztendlicher Heilung oder gar Heimkehr in die Totalität des Seins leben.





Lassen wir uns von den spaltenden Kräften und Ideen unserer heutigen Welt nicht abbringen von unserer ursprünglichen Schau der Ganzheit!
Mögen wir selbst den Mut, ja die Furchtlosigkeit des Herzens immer wieder finden - letztlich interessiert der unermesslichen Bandbreite der Lebensformen Raum und Freiheit zu geben, nicht den alten mythischen Kampf von "Gut und Böse" fortzusetzen, sondern ein neues "Wie" in diese Welt hineinzubringen - sehr wirkunngsvoll und mit einer völlig neuen Art zu handeln.

In diesem Sinne Euch allen einen lebendigen und erfüllten Frühling.
Satnam Paulus-Thomas Weber




Worte für unterwegs...



"Nur wenn wir unsere Dämonen bewusst wahrnehmen,
wenn wir erkennen, was sie wirklch brauchen,...
lockern wir ihren Griff,
und dann merken wir, dass sie im Grunde gar keine Macht über uns haben.

Dadurch, dass wir die Schatten unseres Wesens mit unendlicher Großherzigkeit nähren,
gewinnen wir Zugang zum Zustand der leuchtenden Bewusstheit
und entziehen dem Ego den Boden unter den Füßen.
Indem wir die Dämonen "füttern",
lösen wir Konflikte und Dualitäten auf
und finden zur Einheit."

(Tsültrim Allione)