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Und hier ist unser aktueller Rundbrief:


Herzlich Willkommen zu unserem Rundbrief im März 2020!


Euch allen gute Wünsche in Euren gelebten Lebens-Alltag!

Keine so einfachen Zeiten - im Moment... empfindet Ihr das auch so?
Nun - die "Alten", ich meine damit ehrfurchtsvoll die Erfahrenen der großen Traditionen, die Weisen der Menschengeschichte,
sagen uns immer wieder, wie auch schwierige Situationen uns lehren können, uns reifen und werden lassen
und wir gut tun, sie nicht sogleich zu verdammen oder daran zu verzweifeln.

Dazu gibt es den Weisheitssatz, der erst etwas krass auf mich immer gewirkt hat, den ich aber nun mehr und mehr verstehen lerne:
"Lerne zu leben ohne Angst und Hoffnung."

Hm - gemeint ist, so verstehe ich dies, dass wir dazu neigen schwierige Situationen in unserem Inneren, oder auch in Familie, Beziehungen, Arbeitswelt, in unserer Biographie oder auch global
durch zweierlei Abwehr wegzuschieben:

Entweder wir geraten in Panik und werden dadurch unklar, unbewusst und von starken Emotionen allein gesteuert, was so nicht hilfreich ist und oft zu Handlungen führt, die wir nachher bereuen.
Oder wir vertrösten uns auf eine Phantasie, eine Idee, also eine mentale Konstruktion, die wir uns zusammenzimmern - dass es schon alles gut werden wird. Das ist hier mit "Hoffnung" gemeint.
Und damit ist nicht tiefe menschliche Hoffnung kritisiert, die eine Herz-Qualität ist, wohl aber diese Projektion in die Zukunft, die uns am Handeln hindert.

Beide Haltungen, Angst wie Hoffnung (in diesem Sinne), ziehen uns von der Gegenwart weg, vom Hier und Heute, und damit von der Wirklichkeit.
Sie verhindern, dass wir der Situation so, wie sie ist begegnen. - Nur indem wir uns aber für das Jetzt und Hier öffnen, können wir mit einer Lebens-Situation hilfreich umgehen, auf diese Situation antworten und - ihr eine Chance lassen, was wir darin erlernen können.

Nun können wir das auf persönliche Krisen übertragen, wir können das als eine Sichtweise nutzen für unsere globale Situation als Menschen heute auf unserer lebendigen Erde, wie wir miteinander und mit den anderen Lebewesen umgehen, wir können es auch auf die aktuell viele von uns beschäftigende Lage einer sich ausbreitenden Erkrankung - Corona-Virus - anwenden.

Dazu mag ich ein paar Takte sagen, da es mich auch in der Begegnung und in der Arbeit für Menschen in der Einzeltherapie, Supervision und auch in unseren Gruppen beschäftigt und ich versuche damit gut und verantwortlich zu sein und entsprechend zu handeln.
An dieser Stelle mag ich klar machen, dass wir sehr aufmerksam die Entwicklung der Ausbreitung des Corona-Virus verfolgen.
Wir haben im Moment noch nicht den Eindruck, dass wir Kurse oder Retreats deswegen absagen müssen, das kann sich natürlich ändern.
So wird - auch von medizinischem Fachpersonal, die unsere Kursarbeit kennen - unser Kurs-Setting mit im Vergleich doch sehr kleinen Gruppen und lauter achtsamen Menschen, als ziemlich risikoarm eingeschätzt.
Die Wochenenden Holotropes Atmen setzen wir im Moment aus - wobei das nächste erst wieder im Mai ist, bis dahin kann sich einiges ändern.
Leben geschieht eben immer auch in unsicheren und unplanbaren Situationen, die oft alles andere als "privilegiert" sich anfühlen. Das gilt auch für unsere Arbeit.

Fragen wir hinter die Situation - mit der wir natürlich achtsam umgehen wollen zum Schutz für uns selbst und die anderen um uns.
Da werden wir erst mal konfrontiert mit einem Phänomen, mit dem wir so nicht gerechnet haben. Das war nicht in unserer Zukunfts-Idee drin. Es konfrontiert uns mit dem Unkontrollierbaren, mit dem, was wir nicht so leicht in den Griff bekommen. Und hier nützt uns erst mal auch Digitalisierung nicht viel. Es ist kein technisches Problem allein, es ist auch ein medizinisches, biologisches und zunehmend gesellschaftliches Thema.
Solch eine Epidemie zeigt uns die Unkontrollierbarkeit von Leben - was Generationen vor uns viel mehr für sich erlebt haben.

Wir werden darin mit einer Art Ohnmacht - vor allem aber - und das ist ein zweiter wichtiger Aspekt - mit der Zerbrechlichkeit von Leben, von Menschsein, von unseren globalen Strukturen konfrontiert.
Wir sind nicht die sicheren "Herren" der Schöpfung - ganz und gar nicht!

Dahinter aber steckt vielleicht der eigentliche "Schatz" solcher und ähnlicher Situationen: Wir erleben neu die Kostbarkeit unseres Lebens.
In der Sorge, Angst, Suche nach Lösungen - zeigt sich letztlich unsere Liebe zum Leben, für uns und für andere, für unsere Gemeinschaften und darüber hinaus.
Wir spüren den unverbrüchlichen Wert eines lebendigen Augenblicks, wo wir einander sehen und lieben, wo ein Vogel singt, wo die Sonne hinter den Wolken hervorkommt, wo wir in unserem Innen das Ganze berühren...

Braucht es einen Virus dazu, dass wir eine neue Ahnung vom Sinn unseres Menschseins bekommen - gleichsam an der Schwelle der Bedrohung?
Manchmal kann das so sein.

So mag ich Euch einladen, dass wir hinter allem Sorgen und achtsamen intelligenten Umgang mit der Situation
unseren Geist und unser Herz offen halten für die Geschenke, die in nicht nur in dieser, sondern vielleicht allen schwierigen Situationen, in die wir Menschen geraten können, aufleuchten.
Wir begegnen darin oft einer neuen Wärme unseres Herzens für das Leben, für uns und für jene, die wir lieben.
Wir begegnen in dem Geschmack der Vergänglichkeit der Kostbarkeit von Leben, die uns einen Hauch von Ewigem fühlen lässt, das sich in allem Vorübergehenden ausdrückt.
Und wir erfahren etwas von der Tiefe unseres eigenen Menschseins - gleichsam vom schauenden Raum der "Seele", unseres tiefen Wesens, das alles zu halten, zu umfassen vermag - größer als alle Situationen, viel viel größer als all unser Hoffen und unsere Angst.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen die innere Weite und Freiheit, die es heute, wie immer braucht, wünsche uns die Leidenschaft für das Leben in allen Situationen, in denen es sich uns zeigt und anruft.

Mit besten Wünschen für Euch alle

Satnam Paulus-Thomas Weber





Worte für unterwegs...

"Finden, das ist das völlig Neue.
Das Neue auch in der Bewegung.
Alle Wege sind offen, und was gefunden wird, ist unbekannt.

Es ist ein Wagnis - ein heiliges Abenteuer.
Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen,
die sich im Ungeborgenen geborgen wissen,
die in der Ungewissheit geführt werden.

Die sich im Dunkeln einem unsichtbaren Stern überlassen,
die sich vom Ziel ziehen lassen und nicht menschlich beschränkt und eingeengt
das Ziel bestimmen.

Dieses Offensein für jede neue Erkenntnis im Außen und Innen
das ist das Wesenhafte des modernen Menschen,
der in aller Angst des Loslassens
doch die Gnade des Gehaltenseins im Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt."

(Pablo Picasso)