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  • Das Alte gehen lassen...
  • Von unserer Würde
  • Von Spaltung und Einheit der Welt
  • Vom Hereinwehen der Stille
  • Was Fragen vermögen...
  • Lass Dich nicht ablenken...
  • Was wir unseren Kindern hinterlassen...
  • Fragen, die das Leben klären...
  • Ermächtigende Begegnung
  • Ein anderer Zugang zu unserer Biographie...
  • Vom Behüten des Lebens
  • Ur-Sprung ins Leben...
  • Nie nur für uns...
  • Wohin die Zeit läuft...
  • Kultur des Nicht-Wissens
  • Vom Umgang mit Nachrichten
  • Von der Übung im Alltag...
  • Von der Heimkehr in unser Körpersein
  • Macht...
  • Spiegel...
  • Dunkel...
  • Innere Spur...
  • Herz offen halten...
  • Was wir nicht auf dem Meditations-Platz lernen
  • Was Menschsein kostet...
  • Unser Körper als Tor...
  • Inspiration finden zur Praxis im Alltag...
  • Unsere tiefsten Wünsche verstehen...

Das Alte gehen lassen...vom Raum für das Neue


Für Januar 2019...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...ihr Menschen seid sehr begeistert von der Zukunft
oder in Angst darüber.
Wie einseitig das ist.
Ihr verliert den Blick für das Heute und für das Kostbare und Wandelbare des Gestern.
Auch das sogenannte Vergangene ist nicht einfach fertig -
und es liegt an dir, wie du es heute ansiehst, wertest, ordnest, ob es dich trägt,
oder dir zur Last wird.
Hab den Mut dich damit zu befassen - erfülle dein Heute mit einer Dankbarkeit an dein Gewordensein.
Dann wird das Morgen dich besuchen wie ein Frühlingswind..."


Als lebendige Wesen, die wir Menschen sind - leben wir in einer "Werde-Welt", wie Ruth C. Cohn es nennt.
Unsere Gestaltung ordnet sich in einem Geschehen, das wir gewohnt sind im Vergehenden, im Gegenwärtigen und im Noch-Nicht des Möglichen anzusehen.
Diesen Lauf nennen wir Zeit, Lebenszeit, Gesetz des Werdens.
Dies aber hängt zusammen - unser Werden ist ein Fluss, eine Geste des Daseins, ist wie ein Tanz - ein Flow.
Die Einteilung in Vergangen - Heute - Zukunft ist etwas willkürlich und keineswegs war das immer so.

Wenn wir in die Menschengeschichte von uns schauen -
ich meine über die Jahrhunderte oder gar Jahrtausende hinweg -
so finden wir mit dem Wandel unserer Sicht von uns selbst, von der Welt, vom Leben insgesamt, eben auch einen Wandel unseres Zugangs zu diesem Werden.
Es haben sich viele Deutungen von "Zeit" etabliert im Laufe der Geschichte.
So finden wir relative Zeitlosigkeit - wo das kaum eine Rolle spielt - wie auch eine mythische polare Zeitlichkeit, die vor allem an den Rhytmen von Nacht und Tag, von Winter und Sommer,
von Geburt und Sterben, von Aussaat und Ernte etc. interessiert ist. Wir entdecken eine mehrdimensionale Zeit-Sicht, wo das Ewige der Grund ist von allem und das Werden darüberläuft wie ein oberflächliches Rinnsal.
So finden wir auch das Hervorkommen der linearen und sog. messbaren Zeit - wie wir es heute zumeist benutzen.

In alle dem wird klar - dass das Vergangene nicht einfach weg, das Kommende nicht nur Phantasie ist
und wir weit mehr zur Verfügung haben als ein kleines Jetzt, in dem wir hier sitzen und schreiben oder diese Zeilen lesen!
Unser Heute und Jetzt bemisst sich sehr wesentlich an unserem Umgang mit dem Gewesenen, das ja auch unser Gewordensein ist. Haben wir unsere Lebensgeschichte geklärt, auch Schwerwiegendes liebevoll und oft schmerzvoll zugelassen und heimgebeten in unser Ganzsein - so ist unser Jetzt weitaus größer, offener und erwachter, als wenn wir uns ins Heute und in die Idee vom Morgen vor dem Gewesenen verstecken.

Geben wir dem Alten seinen Ort -
so kann es wie ein alter Diener unsere Wertschätzung spüren, weiß sich recht gesehen und bedankt und kann den Raum freigeben für unser neues Werden.
Und erst da - wenn wir bereit sind uns dem Gewordensein von uns Menschen - unserer Welt um uns - zuzuwenden, in Respekt, Anerkennung und auch ordnender Liebe und Klarheit,
erst da wird Raum für Neues, das als Unverfügbares und dennoch von uns mit-Ermöglichtes in unser Leben tritt,
vielleicht schon lange "auf uns gewartet" hat.

Nutzen wir die Atemzüge des Lebens, das Alte würdevoll zu integrieren, zu verstehen, und so zu lassen - auf dass sich gegenwärtiger Raum öffnet für das sich entfaltende Leben in uns und um uns,
das wir "Zukunft" nennen.


Satnam Paulus-Thomas Weber

Von unserer Würde: Innere Größe er-innern...


Für Februar 2019...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...erkenne mich in dir,
erkenne das große Leben in dir, in deinem kleinen Lebendigsein!
Denke nicht minder von dir, nicht abwertend,
beuge dich nicht durch eigene Ängstlichkeit vor dir selbst.
Wann immer das Große, das nicht zu Beschreibende, das ihr das Leben nennt,
aufleuchtet in euch, fühlt euch erinnert an eure ursprüngliche Würde und Schönheit,
Kraft und Unzähmbarkeit,
die euch niemand nehmen kann.
Nur du selbst kannst das verschatten, verdunkeln und aus dem Blick verlieren.

So lass Dich erinnern!..."



Es ist nicht Stolz, wenn wir uns erheben und aufrichten und in die Weite unseres Lebens schauen -

es ist nicht Überheblichkeit, wenn wir dringend hinausgehen wollen über das Mittelmaß der uns angebotenen Werbespots -
es ist nicht Weltfremde, wenn uns die Beruhigungstabletten der westlichen Konsumgesellschaft nicht mehr aufregen -
es ist die Heimkehr zu unserer unrsprünglichen Würde!

Da gibt es dieses innere Empfinden
- es ist sehr somatisch, also im Körper zu spüren -
zugleich erleben wir es wie eine Intuition für uns selbst - von einer gefühlten Leuchtkraft, die alle unsere Zellen durchdringt,
unsere Seele weit werden lässt. Es ist da diese innere Evidenz, die nicht gelernt ist und nicht anerzogen.
Unser Geburtsrecht - unsere "heilige" Verpflichtung als Mensch-Geborene, die wir sind - wir nennen das Würde.

Es gibt dazu ein sehr lesenswertes Buch von dem Neurobiologen und Gehirnforscher Gerald Hüther: "Würde".
Seine Einsichten und seine Folgerungen führen sehr genau zu dem hin, was auch mir und uns in unserer Arbeit an uns selbst und mit anderen Menschen in den letzten Jahren sehr kostbar und eben auch evident - unmittelbar sehbar - geworden ist. In uns Menschen existiert eine Qualität von innerer Leuchtkraft, Schönheit und Unwiedersprechlichkeit, die nicht zu löschen ist, die auch nicht erzogen wurde.
Sie zeigt uns unsere Autonomie im Verbundensein - und unser grundlgendes mit allen Wesen Vernetztsein und darum in unsere eigene Gestaltungskraft entlassen.

In meiner Sicht ist es ein Aufleuchten des Großen Lebens in uns,
wo dies sich aussagen will. Makrokosmos erscheint im Mikrokosmos - so hätten es die alten Traditionen gesagt.
Dies bedarf, dass wir diesem Leuchten in uns Raum geben - es eben nicht unter den selbstgemachten Decken und Töpfen und Ideen verstecken.
Es bedarf, dass wir uns angstlos einlassen auf ein inneres Wachsen - auch um den Preis von anderen missverstanden zu werden.
Die Authentizität, die Echtheit, die "Wahrheit" unseres Menschseins, dieser einzigartigen Person, die jede und jeder von uns ist,
das ist absolut überzeugend, berührend und in gewissem Sinne "attraktiv". Und das alles ohne eine Kopie des Mainstream zu bedienen.

Hier in unserer Menschseins-Würde flammt echte Originarität auf - Unmittelbarkeit aus dem Ursprung von Leben.

Lasst uns einander so begegnen!


Satnam Paulus-Thomas Weber

Von Spaltung und Einheit - für schwierige Zeiten


Für Mai 2019...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...klar, dass dich andere in ihrer Macht erschrecken,
klar dass du gehst für das, was dir kostbar ist,
verstehbar, dass du dabei oft zwischen Wut und Inspiration und Ohnmacht floatest!
Aber übersieh nicht die diversen Kräfte in deinem eigenen Leben,
die Archetypen deiner Seele,
das Hin und Her in deinem Geist...

nichts anderes geschieht in der Welt.

Lerne beides zu leben:
Die wache und manchmal schockierende, aber auch wunderbare Arbeit mit dir selbst,
und das geschickte Wirken in die Welt -
dass du das Leiden linderst und nicht neues Leiden hinzufügst.
Leiden entsteht immer aus Trennung von dir und den anderen..."



Unsere heutige Welt lebt eher vom Geist der Trennung als vom Geist des Verbundenseins.

Klar haben wir weltweite Vernetzungen via digitaler Medien und anderer Technologien. Aber wir verbinden uns als Getrennte, was deutlich wird daran, wie sehr wir unsere Privatspähre schützen müssen, wie gefährlich bisweilen diese globale Vernetzung sich auswirken kann. Wir sind leider weit davon entfernt aneinander wirklich anteil zu nehmen, wie es Ruth C. Cohn, eine der großen Gründerinnen der humanistischen Psychologie, formuliert hat immer wieder. Wir haben nicht bemerkt, dass wir einander angehören.

Natürlich kümmern wir uns um das Schicksal der uns nahen Menschen, derer, die wir lieben - und das ist ja auch wunderbar und ein wesentlicher Raum von In-Beziehung-sein.
Aber der Geist oder Ungeist des sich Schützen-müssens dominiert doch unsere derzeitige moderne Welt. Mit unserem analysierenden Verstand kommen wir dabei nur ein Stück des Weges weiter.
Wir brauchen auch noch andere Zugänge.

So ist der zentrale und alte Weg - und auch der moderne Weg - des Verbundenseins, unsere Herz-Intelligenz,
unser Fühlen und Spüren, Schauen und Lieben, unser Erkennen, dass wir Verbindung zur Menschenfamilie, zur Erde nicht herstellen müssen, dass wir sie lediglich wahrnehmen müssen. So gesehen ist der Weg aus der Isolation und Spaltung heraus viel einfacher, als gedacht! Es ist ja schon immer. Wir sind verbunden, wir sind ein Fühlkörper der Menschheit und letztlich aller lebenden Wesen. Darum aber auch betrifft uns ein globales Desaster auch alle - nicht nur die, die als erste darunter leiden! Unser Herz weiß um dieses Verbundensein und wir tun gut, dem Raum zu geben. Es ist alles andere als eine Kuschel-Liebe für Millionen von Menschen, es ist eine wirkliche Macht. Wir könnten es auch "kollektive Intelligenz" nennen.

Kollektive Intelligenz meint,
dass wir als Menschen, aus dem Herzwissen genau das tun, was wir in technischer und auf Verstandes-Ebene dauernd versuchen: Nämlich uns alle zu vernetzen zu einem gemeinsam wirkenden und wissenden Lebensfeld. Wenn dies aus der Weisheit und dem Wissen des Herzens kommt, das viel umfassender und auch älter ist als unser Denken (so hilfreich dieses junge Werkzeug ja auch ist), dann ist es wirklich ein miteinander wachsen und einander angehören im Sinne der Liebe des Lebens selbst - kein Feld, das dann als Bühne für einige beziehungslose Machthaber missbraucht werden kann, wie es zeitweise mit dem Internet zu geschehen scheint...

Noch eine andere Instanz sollten wir nutzen: Die Weisheit unseres schauenden Geistes -
der nicht nur das kleine diskursive Denken ist, sondern auch das große und unermessliche Schauen aus der Tiefe unseres Wesens. Die großen kontemplativen Traditionen legen davon Zeugnis ab seit Jahrtausenden. Hier schauen wir Einheit, das Ganze, den großen Kontext des Seins. In diesem erscheint dann unser kleines Leben, unsere Themen und Fragen, unser Miteinander und Gegeneinander des Alltags dieser Welt eher wie ein liebenswertes "Spiel" der Kräfte, eine Freiheit, die uns die Weite gewährt, in der sie ihre Kreativität in uns entfaltet.

Wollen wir gut unser Leben fortsetzen auf unserer lebendigen Erde, werden wir diese Zugänge brauchen, aus der Spaltung auszusteigen und die Unterschiede und Verschiedenheit lieben zu lernen aus der großen Erfahrung des lebendigen Zusammenspiels aller Wesen - und wir mitten darin.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen neuen Blick auf unsere Welt!



Satnam Paulus-Thomas Weber

Vom Hereinwehen der Stille - Was zutiefst nährt...


Für Juni 2019...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...glaubt nicht, dass alles, was ihr seht und haben wollt euch nährt
meint nicht, dass die Angebote der Bewerbung aufgehen,
sich die Versprechungen erfüllen.

Was euch wahrhaft nährt ist anders.
Es ist nicht in der Ding-Welt zu finden,
ist kein Etwas und ist nicht zu kaufen.
Es hat etwas zu tun mit Weite und Stille, ein Wehen,
ein Duft aus der Tiefe des Lebens selbst.

Manchmal verbirgt es sich in etwas Aufregendem,
oft aber in etwas scheinbar Alltäglichem -
und wartet darauf, dass Du es erkennst,
dass Dein Blick pur ist und hindurchzuschauen vermag.

Dann begegnest Du der Fülle - dem unermesslichen Sinn von Dasein
zwischen den Augenblicken - genau da wo Du gerade stehst..."


Unser Leben in der modernen Welt wirkt vollgestopft mit Dingen.
Und auch wenn wir daran hängen und sie lieb gewonnen haben - so spüren wir immer deutlicher, dass das Haben und Anhäufen uns letztlich nicht ernährt.
Ist erst mal für unsere Grundbedürfnisse einigermaßen gesorgt, so wird in uns etwas frei zu noch anderen Fragen, zu einem tieferen Suchen.
Wir halten Ausschau nach dem, wonach unser Herz verlangt, nach dem, was uns wahrhaft nährt, nach dem, wofür wir unterwegs sind
und wofür wir versuchen das oft auch mühevolle Menschsein so gut wie möglich zu machen...

Bisweilen haucht es uns an - da - zwischen den Zeilen, wenn uns etwas überrascht, wenn ein Duft uns ereilt, wenn ein Ton uns meint,
wenn der Gesang einer Amsel unser Herz anrührt in einer Abendstimmung.
Es gibt diesen wunderbaren Zen-Ausspruch "Komm nach Hause - ruft der Kuckuck". Ich mag die Variation davon: "Komm nach Hause ruft die Amsel".
Weil wir mehr Chancen haben diese zu hören als den Kuckuck. Zudem, die leise Melancholie des Amsel-Gesangs vermag unser Herz noch tiefer anzurühren.

Komm nach Hause! - Aber wo sind wir sonst?
Sind wir in unseren Gedanken und Plänen und Sorgen um das Gestern und Morgen?
Sind wir in den Hoffnungen und Ängsten, von denen frei zu werden uns alle großen Weisen nahe legen?
Zu leben ohne Angst und Hoffnung - das meint ja nicht, ein graues fades Leben mit stoischer Ruhe zu wählen.
Es meint doch eher uns selbst frei werden zu lassen für ein Leben, das nicht mehr von allen möglichen Bedingungen abhängt.
Vor allem sich zu befreien von den Bedingungen, die wir er-denken, so wie Sorgen und Bangen ja oft Inhalte haben, die so nie waren und auch nie sein werden.

Komm nach Hause - das meint doch heimzukehren in die direkte so gesehen nackte Erfahrung. Jetzt - in diesem Moment.
Ich meine nicht die etwas zu simple Reduktion unseres Lebens auf ein Mini-Jetzt.
ich meine hier, dass wir in der Direktheit mit dem Erleben, mit einem gefühlten Wind, einer anrührenden Liebe, auch einem betreffenden Schmerz - immer schon zu Hause sind.
Das geschieht im Jetzt, in der Gegenwart des gelebten Augenblicks, ist weder eine Erinnerung, noch auf Vorrat für morgen zu erleben.

Darin haucht uns etwas an von dem gedankenfreien Raum der Wirklichkeit
- da ist eine Stille von unseren Ideen und Konzepten, unseren Mustern und Vorstellungen darin.
Da ist Stille, Direktheit, Hereinwehen des unmittelbaren Lebens selbst.
Und dazu braucht es nichts Zusätzliches.
Wir können das nirgendwo kaufen. Das kann auch kein Computer und wird es definitiv nie können.
Das kann nur ein lebendes Wesen, so wie Du und ich und wir....

Lasst uns auf die Stille zwischen den Dingen lauschen, im Sommerwind, im Geräusch des Gehens, im Rauschen einer Stadt....
lasst uns dem lauschen, was uns wahrhaft nährt!


In diesem Sinne Euch allen einen guten Sommer!


Satnam Paulus-Thomas Weber

Was Fragen vermögen und nicht die Antworten...


Für September 2019...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...ihr meint immer, alles wissen zu müssen,
aber das führt euch oft in eine enorme Verblendung,
in eine erlernte Dummheit.
Wer sich trainiert, stets eine Antwort parat zu haben,
findet auch dann eine, wenn er oder sie keine hat,
erfindet einen passenden Satz zu jeder Situation,
und verfehlt damit die wirklichen Fragen des Lebens.

Menschen um euch, sie wollen nicht eure Arroganz,
auf alles eine Antwort zu wissen.
Menschen um euch, sie atmen auf, wenn ihr so echt seid,
ratlos und wortlos dazustehen
- mit einem suchenden Geist.

Gönnt euch den Luxus nicht alles zu wissen,
nicht über alles informiert zu sein,
eure eigenen Worte und Ant-Worte zu finden,
auf das, was wirklich wesentlich ist.

Habt wieder den Mut Fragen zu stellen,
die nicht von eurem Unwissen künden,
sondern ihren Ursprung in etwas anderem haben in euch.

Wollt ihr wissen, was das ist?..."



Wir Menschen werden eher mit dem Fragen geboren - als mit Antworten dazu.
Kinder können einem ja wirklich "Löcher in den Bauch fragen"...
Kinder fragen oft aus einer Echtheit und Offenheit, die uns Erwachsene plättet.
Sie fragen nicht aus einer Dummheit - denn diese ist das Gegenteil von der fragenden Offenheit.
Das, was wir dumm nennen, ist nicht mangelndes Wissen - vielleicht ist es mangelnde Herzens-Bildung.
Das, was wir dumm nennen - und das kann ja auch in uns selbst sein -, ist eine Art des Verschlossenseins, des Zumachens,
ist eine Weise fertig zu sein mit sich und der Welt und den anderen und dem Sinn des Lebens.
Es ist eine Art Antwort - dieses, was wir Dummheit nennen - eine festgezurrte Naivität, die nicht nur nicht weiß,
sondern, die wirklich nicht wissen will.

Warum machen wir das? - Ist nicht Neugier und Lernfreude immer in uns?
Schon, aber nicht immer geben sie den Ton an.
Es gibt eine Art "angelernte Unwissenheit". Dies meint, dass wir durch die Weise, wie wir zu wissen meinen, wie wir zu wissen gewohnt sind, genau uns dem Neuen verschließen.
Dort stellen wir keine Fragen mehr, reagieren ärgerlich auf Kinder und andere wache Wesen, die es noch wagen, Fragen zu stellen,
vor allem, wenn sie uns und unsere fixe Weltsicht in-Frage stellen!

Fragen kommt aus einer Offenheit - alles bisher Gewusste wieder in-Frage zu stellen, zur Debatte zu stellen, um neu zu beginnen.
Fragen verkörpert den Mut zum vollkommenen Beginn, zum radikalen Anfangen.
Fragen lebt aus dem Wagnis, sich dem Unbekannten zu stellen.
Jedes echte Fragen wurzelt in der Offenheit unseres Geistes - der offen ist, nicht, weil wir nichts wissen oder nicht gelernt haben,
der aber offen ist, weil das Gelernte nie wirklich tief genug und klar genug gewusst werden kann.

Es braucht eine andere Art von Wissen, eine Einsicht, im Grunde ein Schauen und Staunen und Lauschen.
Das ist der Kern des Fragens.
Es will keine Antworten als Stöpsel, dass wieder alles okay erscheint...!
Fragen und Kinder und Weise - suchen nie Antworten, sie suchen die radikale im leuchtenden Jetzt geborene Frische des Lebens,
sehbar, fühlbar und hochintelligent - wie das Leben eben ist.

In unserem Fragen liegt eine umfassende Offenheit für das Leben - ein großes Ja zum Dasein.

Bitte lasst uns das wieder entdecken in einer Zeit der Überflutung mit viel zu billigen Antworten und Infos!

In diesem Sinne Euch allen noch einen guten Spät-Sommer!

Satnam Paulus-Thomas Weber

Lass Dich nicht ablenken...


Im Januar 2018...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...am Ende - wenn Du Atem holst nach dem Tag,
wenn Du entspannst nach dem Tun,
wenn Du zu Dir und nur zu Dir kommst,
was Dir bleibt sind nicht Deine Kompromisse,
nicht wo Du andere geschohnt, Dich angepasst, Dich verfügbar gemacht hast.
Diese anderen - zusammen mit Deiner Anpassung - sind alle weg!
Das was Dir am Ende bleibt ist die Echtheit und Klarheit Deiner Liebe zum Leben,
zu Deinem Leben, zum Großen Leben in uns allen,
Dein Blick für das Wesentliche!"


Wir leben heute in einer Vielfalt von Gesellschaften und Subgesellschaften, von denen die meisten eine gemeinsame Eigenschaft haben,
die Paul-Michael Zulehner, der Innsbrugger Theologe und Soziologe "Zuvielisation" nennt.
Das Zuviel ist nicht nur im Materiellen sichtbar, sondern eher noch in der Informationsflut, wie wir das zu nennen gewohnt sind.
Dies ist mir zu neutral formuliert.
In den sogenannten Informationen stecken verborgene "Willen", Absichten, da will etwas etwas mit uns.
Mag sein von gar niemandem intendiert - und doch ist dies die innere Struktur so vieler Infos und Daten und Bilder und Nachrichten und Angebote....

Da formt sich, wenn wir zurücktreten vom Vielerlei und auf unsere innere Reaktion darauf lauschen, da formt sich ein Erleben von Weggezogen werden
von uns selbst, von unserem Selbstkontakt, von der aus uns auftauchenden Absicht und Inspiration.
Es ist wie eine Dusche der Ablenkungen, in die wir da geraten sind.
Die können wir mit mehr duschen oder heisser Duschen oder kälter Duschen nicht abstellen,
nur mit dem Wechsel der Ebene.

Es braucht dieses tief verwurzelte Gespür für uns selbst und unseren Wert, die einzigartige Kostbarkeit unseres Lebens zwischen Geburt und Sterben und darüber hinaus.
Mehr denn je, sind wir genau in der Informations-Gesellschaft auf ein Erwachen des Herzens geworfen,
sind wir auf Leben und Tod unseres inneren, reifenden Lebens, hinverwiesen auf das unbestechliche innere Wissen um das, was zählt!

Was wir leben wollen, auf dass wir eines Tages in Frieden (!) sterben können - dies ist die alte und neue und aktuelle Frage.

Und dies sind keine Projekte! Dies ist eher die Entwicklung einer Haltung von Menschsein, aus der heraus es sich reich uns sinnerfüllt anfühlt lebendig zu sein.
Es sind dies dann die Dinge, die daraus als Wesentlich aufleuchten, wo wir durchaus Ideen und Inspirationen auch von außen, von dem was wir sehen und lesen und hören, aufnehmen können.
Nur - wir leben wesentlich aus dem Zentrum, aus unserem Personsein, aus unserem inneren Wert, unserem Wesentlichsein.
Hier ist die Führung, ist gleichsam der innere Lehrer, die innere Lehrerin in uns geboren.

Dies macht oft klare Absagen an die Ablenkungen, die wir alle gerne darüberlegen, dass wir nicht fühlen, was wir fühlen...
Das wäre schon in Richtung "Sucht-Qualität".

Können wir in diesem be-herzten Sinne für das Wesentliche im Leben gehen, nicht nur in unserem, auch in dem der anderen?
Sind wir bereit das Unwichtige, das nicht in sich schlecht sein muss deswegen, aber eben zuviel, sind wir bereit dies ins Feuer zu geben, auf dass es das Wesentliche unseres Lebens wärme,
dem Kraft und Leuchten verleiht?

Es ist den Versuch mehr als wert aus meiner Sicht.
Das Wesentliche zu leben, sich nicht ablenken zu lassen, hat auch etwas mit der Freude eines vereinfachten Lebens zu tun.
Es ist eine Ur-Geste spirituellen Menschseins in allen Religionen auch heute.

Satnam Paulus-Thomas Weber

Was wir unseren Kindern hinterlassen...


Im Februar 2018...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...am Ende müsst ihr eure Kinder vielleicht um Vergebung bitten,
nicht für Luxus oder Wohlstand, in dem sie aufwuchsen,
aber für die fehlende Spur des Lebens,
für die Verwirrung, die durch das Überangebot der Medien
in ihnen geschehen ist,
für den Leistungsdruck, der dazu geführt hat,
dass sie sich im Körper nicht mehr zu Hause fühlen,
für Probleme globaler Aubeutung, mit denen sie nicht umgehen können.
Wacht auf - noch ist es vielleicht nicht zu spät!"


Viele von uns sorgen mit Liebe und Echtheit, mit täglicher Hingabe und innerer Freiheit für ihre Kinder - das steht außer Frage.
Nur, es gibt eben auch das andere Feld, ich meine weniger die Familien und Situationen zu Hause, sondern das größere Feld,
auf das wir nur indirekt Einfluss haben.
Und da sehe ich eine große Not auf uns alle zukommen:
Es ist die Not von Kindern und Jugendlichen, die mit digitalen Medien viel cooler und leichter umgehen als wir.
Aber zugleich geschieht eine Art Verwicklung dort, wo sie sich von den in den Medien und Programmen und Infos dieser Art gegebenen Sichtweisen
gar nicht mehr distanzieren können.
Die Allgegenwart von Smartphones koppelt junge Menschen so oft ab von einer wirklich sensitiven, ganzheitlichen und auch neuen Wahrnehmung
der Welt um sich. Beziehungen werden auf diesen Austausch von Mini-Infos oft reduziert.

Ich kann das in meiner Praxis erleben - in der Begleitung von Menschen und auch im Wahrnehmen der jungen Leute hier in unserer Stadt und anderswo.
Was tun wir ihnen damit an?
Wer daran verdient sind ja große Konzerne.
Aber ist das die Seelennahrung, die sie fähig macht, sich zu finden, den Schmerz von Menschsein zu halten,
die Freude die frei sein lässt in ihrer Menschlichkeit zu erfahren?
Wie viel Lebenszeit geht dahinein...

In Workshops erlebe ich Jugendliche, wo zu spüren ist, wie sie sich danach sehnen, endlich nichts leisten, denken, kontrollieren zu müssen.
Ihre Körper dürsten geradezu nach Stille, nach sich-Spüren, nach Selbst-Wahrnehmung, nach Loslassen.
Nur aus solch einem Freiwerden, aus diesem Loslassen kann ja in uns Menschen das Eigene geboren werden.
Nur wenn wir uns auch schützen können vor dem Zuviel der Außen-Einflüsse,
können wir nach innen Lauschen und uns selbst er-hören, unsere innere Stimme, unsere Weisheit finden und uns selbst vertrauen.

Von Herzen wünsche ich diesen Zugang den jungen Menschen von heute.
Dies ist ein zeitloser Wert - eine geschichtsübergreifende Weise von uns Menschen, Mensch zu sein und zu werden.

Wenn es schlimm kommt wird - bevor das Eigene in unseren Kindern geboren ist - das Fremde all der Infos und Meinungen
schon übergeschüttet - eingeflößt im wahrsten Sinne des Wortes.

Mögen die jungen Menschen heute aufwachen und dies nicht mit sich machen lassen,
mögen sie aufwachen für ihr eigenes Leben - anstatt der digitalen Verlängerung von unserem...

Mögen weise Eltern und BegleiterInnen heute dafür einstehen und Räume wirklichen Wachstums schaffen,
aus dem heraus dann erst ein reifer Umgang auch mit technischen Errungenschaften der modernen Welt möglich ist.


Satnam Paulus-Thomas Weber

Fragen, die das Leben klären...


Im Mai 2018...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...setz dich hin und wieder hin,
nimm dir die Zeit
und schau dein Leben an -
ob du noch auf Kurs bist.
Stell dir die richtigen Fragen,
dass du verstehst
deinen Weg zu korrigieren falls nötig
und nicht Jahre brauchst bis du merkst,
dass du garnicht dein Leben lebst,
sondern das
eines anderen,
der Wünsche der anderen,
der Ideen der Gesellschaft..."


Es ist eine alte Kunst durch die Menschengeschichte,
uns selbst oder anderen, oder in eine verzwickte Situation hinein, die richtige Frage zu stellen.

Ein Klassiker ist Parzifal, der als junger wacher "Krieger" des Herzens in den Palast des alten Königs kommt,
wo nur Schmerz und Verwirrung herrscht - und keiner es wagt die eine und wesentliche Frage zu stellen:
"König, was ist Dein Leiden?"
Dies bricht den Bann! Das ist eine beherzte Frage in Mitgefühl und in Unerschrockenheit gegenüber dem Tabu.

Wir könnnen uns selbst hin und wieder fragen:

"Lebst Du, was Du leben willst - oder gehen Deine Träume und Wünsche, Deine Sehnsüchte spazieren auf den Dächern
unter denen Du schuftest, um nur noch zu überleben - und Du weißt nicht wofür...?"

Wir können uns fragen wie Parzifal den König:
"Was ist wund in meinem Leben, in mir, was bedarf der Heilung?
Ist es Stolz oder ein überhöhtes Selbstbild, das mich davon abhält, mir in Respekt und Liebe zu mir selbst, Unterstützung zu suchen, oder eine Heilungs-Zeit zu gönnen?"

Wir können auch fragen:
"Was ist der Ort meiner Zuflucht, wo ist meine Quelle - wo schöpfe ich Kraft und bin ganz eins mit dem Strom des Lebens...?"
Wir alle brauchen dies im Inneren und auch in der äußeren Welt unserer Biographie.

Und wir können schließlich schauen und fragen:
"Wenn ich jetzt ganz alt wäre und bald sterben würde - schaue ich dankbar und berührt auf mein Leben, oder fehlt da noch etwas Wesentliches?
Das sollte ich versuchen zu leben - wenigstens als Ausrichtung, auch wenn ich es nicht erreiche, darum geht es vielleicht garnicht.
Die Ausrichtung auf das Wesentliche genügt oft schon.

Lasst uns unser Leben als kostbar erkennen!

Satnam Paulus-Thomas Weber

Ermächtigende Begegnung - Einander Spiegel sein...


Im Juli 2018...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...nutze die kostbare Zeit,
wo du einem dir nahen Menschen begegnest.
Gebt einander Raum Euch Wesentliches zu sagen,
oder Seelen-tiefes auch wortlos zwischen Euch schwingen zu lassen.
Es ist ein Privileg solchen Menschen zu begegnen,
gar miteinander befreundet oder in einer Beziehung zu sein.
Lasst das Leben diese kostbaren Stunden füllen!..."


Wir haben die Fähigkeit
einander zu verwirren, abzulenken oder gar mit allem möglichen Unfug die Lebenszeit zu vergeuden.
Wir haben aber auch die Möglichkeit, ja Freiheit, Zeiten und Momente menschlicher Begegnung ernst zu nehmen,
Beziehungen in ihrem inneren Reichtum sich entfalten zu lassen und daran zu wachsen.

So ergeht die Einladung des Lebens an uns das zu erspüren, wo ein anderer Mensch uns Gegenüber sein kann,
uns ermutigen, ermächtigen, oder auch kritisch-unterstützend Spiegel zu sein.
Ein Alltag gelebter Partnerschaft, eine tiefe Freundschaft sind voll von solchen Chancen.

Bisweilen sprechen wir nicht die selbe "Sprache" - wir brauchen andere Worte um uns auszudrücken.
Es lohnt das Übersetzen...
Oder es braucht auch andere Ebenen, nicht immer ist das Wort die Sprache, es kann auch die Stille sein,
die körperliche Nähe, das Schauen, das Zuhören, das Hineinlauschen in des anderen Stille und Weite...

Finden wir Wege dieser wunderbaren Begegnungs-Fähigkeit von uns Menschen Raum zu geben.
Wir können in der Verbindung von Schauen und Lieben einander den bestmöglichen Raum geben uns zu entwickeln.
Denn immer ist es diese tiefe Wertschätzung, die wir brauchen, um dem anderen wirklich adäquat zu begegnen.
Und immer ist es zugleich, dass wir den anderen Menschen überhaupt zu sehen vermögen - anders wir ihm oder ihr garnichts Sinnvolles zu sagen vermögen.
Dann wäre auch ein "lieben" lediglich ein verzweifelter Versuch.

Lasst uns die Heiligkeit unserer wahren Begegnungen erkennen und kultivieren!

Satnam Paulus-Thomas Weber

Ein anderer Zugang zu unserer Biographie


Im September 2018...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...nimm das Leben wahr
nimm es als wahres, echtes, einmaliges,
gestrickt aus einzigartigen Momenten und Begegnungen.
Aber nimm es nicht als ernstes!
Es ist nicht Traum, nicht Spiel nur -
aber es tut gut, so damit umzugehen,
dass du hindurchschauen kannst,
dass es dir Sinnbild wird für Weisung, Weg und innere Führung.
Lerne das Spiel voll Liebe und Respekt, mit Weisheit und Humor
zu spielen!..."


Lege dein lauschendes Ohr an die innere Spur deines Lebens!

Wir können einen anderen Zugang zu unserem Leben finden - indem wir die Situationen und Erfahrungen entkoppeln von der fixen Bedeutung für uns Personsein.
Die Lebensspur kann etwas bekommen wie eine Reise durch Landschaften, die uns etwas zeigen, lehren, erfahren lassen, unser Menschsein reicher machen.
Wir verlieren nicht das Gesamt, den großen Bogen, die Sinnspur unseres Lebens aus dem Blick. Wir gehen durch viele Formen und Stunden,
durch Schweres und Schönes, durch Schmerz und durch Jubel.
Wir entdecken darin die ganze Bandbreite von Menschsein - von Menschlichkeit.
Willst Du nicht alles kennen lernen?
Hast Du Dich nicht aufgemacht ganz Mensch zu werden, zu sein, zu erfahren?

Jede Stufe der Reifung bekommt so etwas von einem Symbol, das aus dem Heute und Hier in ein Tieferes lotet.
Ja gerade die schwierigen Situationen können uns Arbeitsfeld werden, dass wir üben und arbeiten und uns oft auch mühen,
hindurchzusehen - in das tiefere Wissen unserer Lebens-Reise, die eingeborene Weisheit unserer Biographie.

Oft erst im Nachhinein erkennen wir Sinn und Stimmigkeit auch in verwundenen und verwundeten Wegen.
Aber es ist da und wartet immer auf uns entdeckt, erlauscht zu werden.

Kannst Du den Klang aus der Tiefe des Seins - Deines wahren Wesens hören
- der heraufklingt, gerade auch in den ungewöhnlichsten Stunden?

Lass Dich nicht bannen von der Wucht des Jetzt!
Lass Dein Leben das sein, was es ist - ein lebendiges Strömen durch viele Formen und Momente, Erlebnisse und Begegnungen,
die wir alle nicht festhalten können, die sich wandeln und wandeln und wandeln.

Nutze die Schönheit und Flüchtigkeit Deines Lebens,
den Tiefensinn zu er-hören und das eigentliche Geheimnis und die unverwundbare Kostbarkeit Deines Personseins reifen zu lassen.

Satnam Paulus-Thomas Weber

Vom Behüten des Lebens...


Im November 2018...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...trügerisch sind Schutz und Grenze,
woher weißt du denn, dass innen das Kostbare
und draußen das andere wohnt?
Vielleicht seid ihr ja verwandt - du und das da draußen.
könntet ihr einander beraten?
Der Schutz steht dazwischen -
die Ausgeburt deiner Angst!
Schau genau hin, wo du Grenzen ziehst!..."



Es ist menschlich und dient unserem Leben, dass wir das Kostbare unseres Daseins beschützen und das der anderen ebenso.

Es ist wie eine Referenz an unser Endlichsein. Wir haben nicht grenzenlos Kraft, Zeit oder materielle Ressourcen, psychische Belastbarkeit und geistige Kapazität.
Zu realisieren, dass wir endliche Wesen sind als Menschen - ja das täte heute in diesem Sinne sehr Not und würde uns bescheidener und vor allem realistischer machen, als wir uns zur Zeit global und oft auch individuell aufführen.

Nur - wie geht es gut Grenzen zu setzen, ohne uns zu isolieren, ohne Kriege zu implizieren, ohne in einen Dualismus von wir-die-Guten und sie-die-Bösen zu geraten?
Es kommen mir 3 Aspekte von gutem Grenzensetzen, wenn wir das Kostbare behüten:

1 - Dieser Schutz ist raumgebend und ermöglicht Freisein.
Vielfach neigen wir als Menschen dazu uns anfangs zu behüten, dann aber wendet sich gleichsam die Härte (und Angst) des Schutzes gegen uns selbst, gegen die Angehörigen der eigenen Gruppe und die gleiche Spaltung, die jede Grenzsetzung in sich haben kann, setzt sich im Innern fort. Diktaturen zeigen uns das in brutaler Weise. Da mag etwas beginnen mit dem Aufkommen einer nationalen Identität, eines völkischen Bewusstseins, woran ein Regime anknüpft. Dann aber wendet sich die Schärfe nach innen und Menschen verschwinden in Lagern...
Schutzraum muss Leben in seiner auch unplanbaren Entfaltung wertschätzen und verehren - Freiheit unterstützen, sonst wendet es sich gegen das Leben!

2 - Dieses Beschützen muss "warm" sein, da braucht es eine Herzqualität darin.
Klingt erstaunlich aber ist ganz ganz wesentlich. Ohne die Weisheit des Herzens verkommt jede Grenzziehung zu einer egomanen Burg, zu einer Festung der Angst, oder gar zu einer Spaltung der Welt.
Es braucht ja den Blick des Herzens um überhaupt zu erkennen die Kostbarkeit des Lebens, der Menschen, der Erde, dessen, was wir beschützen wollen. Es braucht die Wurzel der Liebe - sonst ist Behüten unsinnig und von Anfang an nichts als eine Panik-Reaktion. Es braucht dann allerdings diesen Blick des Herzens nicht nur nach innen - sondern auch nach außen. Letztlich sind wir immer und immer mit allen und allem verwandt, wovor wir uns beschützen! Es gibt keine abgekoppelten Daseins-Wohnungen! Die Wirklichkeit ist ein Wirkgefüge von Ganzheit. Jede Grenze, zeitweiliges Beschützen, ist relativ, ist eine Übergangslösung für eine bestimmte Phase der Entwicklung.
So brauchen Menschen in besonderen inneren Prozessen einen behüteten und achtsam begleiteten Raum. So brauchen Kinder in jungen Jahren mehr Schutz als Erwachsene.
Nur mit dieser Wärme des Herzens, die eine tiefe grenzüberschreitende Liebe zum Leben in allen seinen Formen ist, macht das hier gesagte menschlich Sinn.

3 - Und, dieses sich und andere Hüten, es muss elastisch, antwortend sein.
Das ist gerade schon angeklungen. Wie oft erleben wir in der Welt im Großen oder auch im Kleinen von Familien und Gruppen, dass wir an einst sinnvollen Regelungen festhalten, und die Situation hat sich völlig geändert. Aber niemand kann daran rütteln. Da wo einst Schutz für Leben war, ist nun ein kratziges Hindernis...
Es braucht also dieses responsorische, dass jede Grenze, die wir setzen auch wieder lösbar ist, ein dialogisches Geschehen eigentlich ist. Grenzen, die wir als Menschen setzen werden so zu einem Ausdruck von Beziehungen. Nur dann kippen sie nicht in Diskriminierung. Wenn ich klar sage, dass ich diesen Nachmittag Zeit für mich und mein Spüren, Schreiben oder Lesen brauche, und damit eine zeitliche Grenze setze Freunden gegenüber, die mit mir etwas unternehmen wollen, dann ist dies ein Ausdruck von wacher Beziehung. Es ist weder ein Abbruch der Freundschaft, noch eine Kriegserklärung, aber auch nicht eine willenlose Anpassung und Verfügbarkeit, wo ich über mich und meine Sicht von Leben hinweggehen würde.

Lasst uns das konkret versuchen im alltäglichen Leben. Lasst uns eine Kultur von Form und Flow, von Schutz und Offenheit, von eigenem Freiraum und Raum der Begegnungen bilden!

Satnam Paulus-Thomas Weber

Ur-Sprung ins Leben


Im Januar 2017...


Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...wenn die Dinge auseinanderfallen,
lass dich gelassen schauen.
Spüre das Zerlegtwerden - es ist eine Erfahrung.
Was glaubst du denn - dass hinter dem Schleier deiner kleinen Welt
nichts mehr kommt?
Dahinter - da fängt es erst an - das schöpferische Leben.
Nur was durch den Nullpunkt geht - kann wirklich neu werden!"


Wie geschieht wirkliche Veränderung?
Diese Frage kann einen schon beschäftigen - nicht nur angesichts des Jahreswechsels von Silvester und Neujahr,
sondern auch mit Blick auf unsere derzeitige globale Lage, die vielen Versuche von Neubeginn, gutem Wandel,
wie auch die Versuche das Alte zu restaurieren - koste es, was es wolle.

Wenn ich in die Geschichte schaue und mich belehren lasse aus der Geschichte von uns Menschen,
wenn ich mich nicht auf den hohen Thron des Wissenden setze,
sondern der Geschichte zuhöre, wie einer Lehrerin,
dann erkenne ich, dass diese nicht linear, sondern jäh, abbrüchig, epochal verläuft - neben den ruhigeren Phasen des Erhalts einer bestimmten Struktur von Menschsein.

Die Geschichtsforschung, Kulturanthropologie u.a. zeigen uns dies immer wieder.
Es ist der ähnliche Phasenverlauf.
Nach einer Hochphase - kommt ein Kippen der Grundwerte einer jeweiligen Kultur. Sie tritt in eine Art Übermaß und damit in eine innere Sinn-Entleerung ein.
Man "kopiert" die Dinge endlos - aber sie werden dadurch nicht sinnvoller. Eher ist es ein Zeichen des Gegenteils.
Gegen den Untergang einer menschlichen Gesamtstruktur, zu der unser Selbst- Welt- Menschen- Verständins gehört,
können wir eigentlich gar nichts tun.
Am ehesten sind wir geladen, dem Leben hier nichts entgegenzustellen.

So nimmt uns die Dynamik mit in einen Zerfall, einen Untergang - der keineswegs immer "schlimm" oder furchtbar sein muss.
Bisweilen - und auch das lehrt der Blick in die Geschichte - ist es wirklich eine Befreiung von alten Mustern, alten Lasten, die sinnlos und unmenschlich geworden sind.
Wir tauchen gleichsam mit dem Leben ein in einen Schwellenraum. Wie bei einer Initiation.
Erst aus dem "nicht", aus der Offenheit und Unverstelltheit des Ursprungs, das eine Art schöpferische Leere ist -
kann dann eine neue Art von Menschsein, von Geschichte, von Kulturen wieder entspringen.

Derzeit sträuben wir uns noch "gewaltig" und oft auch "gewalttätig" gegen diese Geste des Lebens selbst...

Mögen wir der Weisheit unserer eigenen Menschengeschichte mehr lauschen!

Satnam Paulus-Thomas Weber

Nie nur für uns allein...


Im Februar 2017...


Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...denk bloß nicht, dass dir alles nur für dich gegeben ist!
Dass du heute nicht fliehen musst, heute nicht Krieg ist in deinem Land,
dass du heute gesund bist - das ist ein großes Geschenk.
Es ist ein Privileg sozusagen.
Natürlich nicht, um dich deshalb schlecht zu fühlen - ganz und gar nicht.
Sondern um deine Erfahrung zu öffnen, deine menschliche Reise der Reifung auch mit allen anderen zu verbinden,
um zu schauen, wo andere nicht sehen wollen,
um mit offenem Herzen präsent zu sein, für alle Menschen, die ähnliches erleben wie du."


Was wir wirklich einander schulden...
Wir schulden einander nicht dauernd nett zu sein oder leicht zu händeln.
Wir schulden einander nicht stets emotional leidenschaftliche Zuwendung.
Was wir einander aber schulden - ist die erlebte und in uns verwurzelte Wirklichkeit unseres menschlichen Verbundenseins.
Und dies ist zunächst kein Anspruch - es ist eine große Entspannung.
Stell dir vor, du bist in einem ziemlich krassen und abgründigen Zustand, du kommst in Hass oder Wut oder tiefste Verzweiflung oder ähnliches.
Und ein Teil dieses Schmerzes darin, oder der Wucht der Emotion ist - dass wir uns damit so einsam erleben.
Wie wenn wir allein gegen den Rest der Welt kämpfen sollten - oder in der Verzweiflung niemand uns überhaupt nur wahrnimmt.

Im selben Augenblick - sind einige, vielleicht hunderte, möglicherweise tausende von Menschen auf dieser Erde im genau selben inneren Zustand - durchaus aufgrund verschiedener äußerer Anlässe.
Wir können dieses Verbundensein, selbst in abgründigsten Emotionen und Zuständen unseres menschlichen Geistes erleben!
Dies macht uns so menschlich und holt uns zurück in diese Menschheitsfamilie, die oft alles andere als vertraut wirkt. Und dennoch - wir gehören dazu.

Wir können es aber auch umkehren - wenn wir in einem Überfließen von Dank und Lebensfreude, Leidenschaft für das Dasein oder Offenheit und Weite sind,
dann laden wir alle anderen auch ein, öffnen unser Fühlen und Gewahrsein für viele und viele und noch mehr und für alle möglicherweise,
für die Menschen-Geschwister rund um den Globus - all ihre Not, ihre Suche, ihre Freude, unser aller "es gut machen wollen", unser aller Lieben des Lebens...

Das "schulden" wir einander - denn es entspricht der grundlegenden Wirklichkeit unseres Menschseins.
Wir gehen den Weg der Reifung, der Entwicklung,
schon gar des existenziellen Aufwachens - nie allein und nie nur für uns.
Ab einem bestimmten Punkt kommen wir nicht weiter - wenn wir nicht mit allen anderen gehen.

Ach - das wünsche ich uns allen, gerade in dieser Zeit!

Satnam Paulus-Thomas Weber

Wohin die Zeit läuft...


Im März 2017...


Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...wenn du nicht präsent bist,
zerrinnen dir die Tage, wie Sand in den Händen.
Wenn du nicht wertschätzt den Moment, in dem du jetzt lebst,
atmest, diese Zeilen schreibst oder liest,
verkommen dir die Jahre deines Lebens wie ein Greifen nach Luft.
Wenn du gegenwärtig sein kannst, in diesem Augenblick -
erfährst du das Geheimnis der verrinnenden Zeit."


Wohin sind die Jahre veschwunden...?
Als wenn die Tage schnell dahin laufen, so empfinden wir es oft.
Werden wir älter, scheinen sie noch schneller zu rennen - zu vergehen - wie ein Windhauch.
Termine, die sich treiben, Kalender die uns zeigen Monat, Tag und Jahr, sie alle wirken noch verstärkend auf diesen Trend der Zeit.

Doch - halt, da war doch dieser schöne Moment, als gerade die Sonne unterging und ich den Gesang eines unbekannten Vogels hörte...
da war doch diese Stunde, wo ich der Frau, die ich liebe, in die Augen sah und das Leuchten ihrer Seele, ihrer Intelligenz, ihrer Empfindung für mich sich in ihrem Blick spiegelte...
da war doch diese besondere Stille, als ich tief in mich spürte und leise Traurigkeit vernahm, die mein Herz berührte, am Ende dieser Musik, die ich schon oft gehört hatte...

Solche Momente sind dann plötzlich weit, sind wie aus der Zeit herausgestellt, herausgenommen aus dem Vergehen.
Wenn wir das rennende Denken für ein paar Momente lassen können,
dann entdecken wir mitunter, dass unser körperlich und sinnlich verankertes Empfinden nicht diesen Rann der Zeit verspürt, dieses Muster von vergangen, jetzt und morgen.
Wir vernehmen in unserem direkten Erleben, dass die Zeit wie still zu stehen scheint,
aber das wirkt nicht angehalten, nicht gebremst,
eher wie ein großes Jetzt, ein weiter Raum, in dem Vergangenheit, Heute und Zukunft lediglich ein Echo sind.

Ja, da ist wirklich diese große Zeitlosigkeit, die wir wahrnehmen können, wenn wir in das Wissen unseres Körpers lauschen, in der alle Geschichte ruht.
Fließende Zeit, so real sie uns auch erscheint, ist sekundär, sie kommt aus dem, was ursprünglicher ist,
dem großen Nun, dem ruhenden Jetzt, das gemäß den meditativen Traditionen alle Zeiten umfasst.
Das ist das Geheimnis der verrinnenden Zeit - dass wir diesen Klang darunter vernehmen.

In unserem Getriebensein heute wünsche ich uns das sehr, damit wir uns nicht verlieren....!

Satnam Paulus-Thomas Weber

Kultur des Nicht-Wissens


Im April 2017...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...du musst nicht immer wissen, was du willst.
Trau dem Nicht-Wissen in dir, trau der Offenheit in dir.
Der Wille ist ein blindes Pferd.
Dein Herz sieht und deine Seele weiß.
Dein Geist schaut und dein Körper weiß es immer schon...
Lass dir keinen Druck machen - in dieser (verrückten ?) Gesellschaft zu funktionieren!"

Es braucht Mut, nicht zu wissen, was ich will...
Wir haben so oft den Druck von außen, aber wir machen ihn uns auch selbst:
Ich muss mich entscheiden - muss wissen, wo es lang geht, sonst kann ich nicht mithalten.
Dies ist oft sehr unfruchtbar.
Wir gehen über etwas in uns hinweg, gehen über uns selbst hinweg.
Wir rumpeln über unser Zögern, unser Warten, über den uns eingeschriebenen Prozess des Spürens und Abklärens einfach hinweg.
Dies lässt sich nicht antreiben.
So bekommen wir das innere oft somatische (verkörperte) Wissen in uns nicht mit.
Wir entscheiden dann flach, unzufrieden, einfach nur, damit entschieden ist - aus dem Denken.

Gutes sich entscheiden braucht Raum - braucht Geduld. Wir können die Weg-Gesetze nicht überspringen.
Oft gilt es für eine Weile beide Strömungen, beide Wünsche, beide Möglichkeiten in uns wie in beiden Händen zu halten und zu wägen und zu fühlen.
Manchmal ist die tiefste erreichbare Klarheit eben diese, dass wir beides lieben, beides für möglich halten,
oder dass wir einfach noch Zeit brauchen.

Mut braucht es und hier auch die Kraft des Willens uns nicht überrumpeln zu lassen.
"Lass unsere Zeit ein Garten sein, in dem wir wachsen können." So sagt es ein alter Text.

Erlauben wir uns eine Kultur der reifenden Entscheidungen - des Abwägens - des heiligen Nicht-Wissens.
Könnte dann manches in uns und um uns und auch global besser aussehen, wenn wir das täten....?

Satnam Paulus-Thomas Weber

Vom Umgang mit Nachrichten...


Im Juni 2017...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...Du kannst nicht alles brandneu und heiß aufnehmen -
Dich mit der letzten Information vollstopfen!
Kein Wunder, dass Dir das zu viel wird,
dass Du einen Prass auf Gesellschaft, Politik, Globalisierung und Digitalisierung bekommst.
Nicht die Augen zu verschließen vor Zeitereignissen,
wohl aber zurücktreten zu können in das Größere und Weitere von Leben, Dasein, Sein, Dir-Selbst
das ist die Kunst.
Übe es!"

Die Kunst zurückzutreten und aus der weiteren Sicht schauen können...

Die Vielfalt, Brisanz und Menge an Infos - überflutet uns regelrecht heute, wenn wir nicht gut damit umgehen lernen.
Niemand hat uns vorbereitet auf solch eine Flut von Inhalten, wie sie uns seit nur wenigen Jahrzehnten auf einmal zugemutet wird!
Wir haben uns selbst zu trainieren!
Wir können nicht erwarten von Medien oder von Netzwerken, dass sie das tun. Wir selbst haben da eine große Verantwortung für uns selbst und unsere Weltsicht.
Es ist etwas wie mit dem Einkauf von Lebensmitteln - ich kann die Billigware kaufen, die mit Niedriglöhnen und fragwürdiger Tierhaltung bzw. Gentechnik einhergehen kann,
oder ich kann als "VerbraucherIn" Zeichen setzen, so dass Fair-Trade-Markt und ökologisch sinnvolle Nahrungsmittel-Herstellung entstehen.

Also - welche Nachrichten brauche ich um wach in dieser Welt mitzuleben,
und welche alle brauche ich genau nicht.
Ich brauche sie genau nicht - weil ich damit abstumpfe, mein Herz verschließe, nicht mehr hinhöre oder hinsehe, oder mich das ganze nur noch nervt, frustriert oder gar verzweifelt macht.
Mit diesen zum Teil selbstgestrickten inneren Zuständen diene ich niemandem,
weder den Leidenden auf dieser Erde, noch den Menschen um mich, noch und am allerwenigsten mir selbst - und eben nicht dem Leben.

Lasst uns wach sein und wach mit den vielen kognitiven Infos heute umgehen!
Damit wir auch noch offen bleiben für die tieferen und mindestens ebenso wichtigen Nachrichten aus unserem Körperwissen, unserem menschlichen Herzwissen,
aus dem Mund der nächsten Menschen um uns, den Nachrichten aus der Tiefe des Lebens, die uns buchstäblich auf der Spur des Lebens ermächtigen.

Lasst uns aufgeweckt mit den aufweckenden Nachrichten umgehen.

Satnam Paulus-Thomas Weber

Von der Übung im Alltag...


Im September 2017...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...wenn Dir an Dir gelegen ist,
nimmst Du Dir Zeit das zu kultivieren.
Du kultivierst Deine Zuneigung und Wertschätzung für Dich selbst,
indem Du Dich spürst, indem Du dies spürst.
Wenn Du das willst, aber nicht umsetzt,
bist Du nicht wirklich in Kontakt mit Dir selbst.
Vergiss es nicht:
Du bist das wichtigste Wesen in Deinem Leben.
Das ist kein Egoismus!"


Die Spirituelle Übung im Alltag, ist wie ein gutes Frühstück oder eine erfrischende Dusche...

Dies ist alt wie die Religionen, alt wie unser Menschsein,
dass wir erkennen, was gut wäre zu tun,
dass wir lieben, was wir gerne tun möchten,
und dass wir uns entdecken, es genau nicht zu machen.
Woran liegt es - was passiert da mit uns?

Nun - aus meiner Sicht haben wir eben verschiedene Kräfte, Spuren und Aspekte in uns als Persönlichkeit,
das macht uns ja auch farbig und menschlich. Letztlich haben wir alles in uns, so auch das hin und her des Wollens und Verhinderns.
Es gilt im Kern - unsere Meditations-verhindernde Seite mit ins Boot zu nehmen und nicht frontal zu bekämpfen.

Einige Spuren dazu aus meiner Erfahrung mit mir selbst und in der Begleitung von Menschen:
Wenn wir erst mal merken, dass uns das gut tut, uns morgens für 30 Minuten hinzusetzen oder so ähnlich,
dann haben wir schon viel gewonnen.
Wenn wir spüren, wie gut uns das tut, wie sehr wir heimkommen in das Wesentlichste unseres Erlebens, wenn wir uns in die Stille setzen - dann ist ein erster Schritt getan.
Damit sollten wir uns immer wieder verbinden - wie mit dem Duft von gutem Kaffee oder Tee oder Brötchen am Morgen...
Nehmen wir unsere Sinnlichkeit mit ins Boot - unseren Meditationsplatz zu finden!

Dann haben wir bisweilen eine eigentümliche, oft nicht bewusst bemerkte Angst vor uns selbst.
Klingt verrückt - ist aber so, wenn wir tiefer hinschauen.
Es ist die "Angst" - wir könnten es auch Respekt nennen, das Erschrecken vor der Wucht unserer Selbstbegegnung -
es ist eben wie ein Buch, das wir nicht umblättern können.
Wenn wir hingegen Interesse an uns finden - uns selbst auch mit Humor sehen können, ohne über uns hinweg zu gehen,
wenn wir lernen alles in uns zuzulassen, was wir entdecken - und das wird vermutlich die ganze Bandbreite von Menschsein sein -
dann bekommen wir Geschmack an der Selbsterforschung und Einsicht in der Meditations-Praxis.
Das ist es nämlich, was es ist. Es ist keine "Stille-werd-Übung"! Es ist die aufregendste und herausforderndste Reise zu uns selbst,
die wir machen können. (Hier meine ich natürlich Meditation in der ganzen Breite möglicher Praktiken und Methoden.)

Und ein dritter praktischer Punkt kann noch helfen:
Wir bereiten uns einen schönen Platz in der Wohnung, im Haus, im Garten, wo auch immer, der uns gleichsam einlädt uns da niederzulassen.
Wir finden die Zeit am Tag, wo wir am fittesten sind dafür, kann ganz morgens sein, aber auch abends oder sonst wann.
Und wir meditieren am besten immer zur gleichen Zeit - meint nicht immer um 6.00 Uhr, sondern eher im Sinne von "vor dem Frühstück" oder "abends nach dem Duschen"...

Gehen wir lebendig und in diesem Sinne schon bewusst mit unseren Hindernissen zur Praxis um!
Das Hinfinden zur regelmäßigen Meditations-Praxis im Alltag ist Teil der Praxis.
Es ist eine radikale Begegnung mit Dir selbst.

Viel Mut und Humor, aber auch Freude und Entschlossenheit bei dieser Selbsterforschung!

Satnam Paulus-Thomas Weber

Von der Heimkehr in unser Körpersein


Im November 2017...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...beginne da wo du bist,
beginne mit dem Tor, das dein Menschsein ist -
in diesem Körper mit diesem Atem jetzt in der Gegenwart.
Wenn du eintauchst in die Tiefe des scheinbar Begrenzten,
wenn du dich einlässt auf die Demut dieses kleinen Lebens,
erwacht in dir etwas, das größer ist, als du geahnt hast..."


Wir sind im Westen gewohnt unser Menschsein in dieser Triade zu buchstabieren,
von Körper - Seele (oder Psyche) und Geist zu sprechen.
Dabei geht uns oft verloren, wie sehr wir dreimal vom selben sprechen: Von unserem verkörperten Menschsein,
das sich nicht in Teile zerlegen lässt, das vielmehr immer etwas ist, das allem Denken voraus und davon nicht letztlich begreifbar ist.

Was geschähe, wenn wir nicht diskursiv-analytisch quasi von außen kommend unser Menschsein zu denken versuchen,
sondern statt dessen unser Menschsein von innen her erfahren, erforschen würden, wie es sich selbst wahrnimmt.
Dies wäre eine erfahrungsorientierte Fortsetzung und Vertiefung dessen, was die philosophische Sicht der Phänomenologie in die Welt gebracht hat.
Ihr Anliegen ist ja - vereinfacht gesagt - dass wir zurücktreten lernen von unserem Außenzugriff auf uns selbst und die Dinge....
dass wir vielmehr lernen, wie die Dinge, unser eigenes Menschsein (also die Phänomene) sich selbst schauen, sich selbst verstehen.

Diese Innenwahrnehmung führt uns unmittelbar in die somatische Erfahrung.
Die Innen- und damit Selbstwahrnehmung von uns Menschen als Menschen ist verkörperte Erfahrung, Wahrnehmung, Gewahrsein.
Das diskursive Denken ist dabei lediglich ein Aspekt - und hat nicht die Führung und nicht das letzte Wort.
Das Wesentliche lässt sich im Falle von lebenden Wesen die wir sind, von Menschsein, eben nur von innen, also aus dem Erleben selbst erforschen.

Diese tiefe Selbst-Erfahrung haben sich viele Wege der Körpertherapie, der Atemarbeit, der transpersonalen Psychotherapie und seit Jahrtausenden der Meditation und Kontemplation
zu eigen gemacht - ja lehren diesen Zugang zu uns selbst.
Die analytisch-diskursive Sicht hat ihr Recht, kommt danach, um Einsichten zu klären.
Neues aber erforschen wir nur in der Intro-Spektive in uns selbst.

Dies hat etwas enorm Befreiendes - hängen wir doch in den wesentlichen Fragen unseres Lebens eben nicht von Außeninstanzen ab,
sondern verfügen im tiefen Hineinschauen und uns von innen her selbst erfahren über den Zugang zu dem, was sich als nächster Lebensschritt uns zeigt.
Wir lernen in alter Sprache - die innere Lehrerin, den inneren Lehrer - zu entdecken und zu befreien.
Dies geschieht erst und in dem Maße, wie wir nicht mehr nur im Außen suchen nach den "neuesten Forschungen", nach dem "Mainstream", der uns vorgaukelt zu wissen, was sinnvoll für uns ist.

So wäre der Weg in unsere Verkörperung, der Mut uns selbst zuzuhören, das Vertrauen in unsere eigene innere Weisheit,
der Zugang zu unserer Selbst-Wahrnehmung im wahrsten Sinne des Wortes -
so wäre das ein riesiger Schritt in unser Geburtsrecht der Freiheit:
Eben die Wesen zu werden, die zutiefst in uns möglich sind.

Satnam Paulus-Thomas Weber

Macht... Wer hat sie denn ?


Im November 2016...


Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...hör nicht denen zu, die laut schreien,
schau auf das, was dahinter steht.
Glaube nicht den Worten der Mächtigen -
versuche zu fühlen, wohin ihr Herz geht, woran ihr Wille hängt,
und wer sie beeinflusst.
Geschichte wird nicht von Einzelnen gemacht -
lerne den Strom des Werdens zu verstehen!"


Wer ist es, der die Macht hat und Geschichte macht damit?
Diese Frage bewegt in diesen Zeiten. Aber es hat uns Menschen immer schon umgetrieben.
Blicken wir auf die Tagesgeschichte, so wirkt es sehr wohl so, dass einzelne Menschen, einzelne Entscheidungen
weitreichende Folgen haben - oft für viele Betroffene, die nie gefragt wurden.
Das ist es, wie sich Unrecht, aber auch Unruhe, gar Unfriede nährt...

Blicken wir tiefer mit einem eher geschichtlichen Zugang,
so entdecken wir, dass einzelne Machthaber eher auch ein Ausdruck einer bestimmten Bewegung der Menschen sind,
ein oft in beißender Helle und Blendung erscheinendes Aufblitzen jener Grundstimmungen in den Köpfen und Gemütern Vieler,
die sich allein gelassen oder nicht gehört fühlen.

Das rechtfertigt nichts - macht aber deutlich, wie sehr auch Faktengeschichte Spiegel unserer eigenen inneren Bewegungen sein kann.
Nicht von allen, aber sehr wohl von Menschen mit uns - manchmal auch von uns selbst.

Mit noch tieferer Sicht - die wir geschichtsphilosophisch nennen könnten - wird klar, dass ganze Kulturen, Bewegungen und Paradigmen-Wechsel
Ausdruck einer tieferen geistesgeschichtlichen Dynmaik sind.
In alter Weise könnten wir es nennen die Bewegung menschlichen Seins oder menschlichen Geistes selbst im Sinne einer Tiefengeschichte, die den Fakten zugrundeliegt.
In modernerer Form nennen wir es eher Bewusstseins-Geschichte.

Wie auch immer - das entschärft nicht diktatorische Machthaber, das nimmt uns nicht die Angst vor den Folgen...
Aber es lässt uns den größeren und großen Kontext verstehen.
Auch in schwierigen politischen Konstellationen kann sich etwas ausdrücken von der Dynamik unserer menschlichen Geistesgeschichte,
die als Ganze eben auch Boden und zugleich Teil unseres Menschseins, unserer Reise als die Menschen der heutigen Weltstunde ist.

Können wir darin nach der Frucht suchen - so ist es vielleicht die Einsicht, dass Macht nicht Macht ist.
Diese "Macht - über" ist nur ein Blendwerk, ist ein Ausdruck von etwas Tieferem.

Die eigentliche Macht - so eigenartig es immer wieder klingt - ist unser Menschsein selbst, ist das Verhältnis, das wir zu unserem Menschsein einnehmen.
Wo immer wir alles, was auftaucht, auch in der schwierigen Zeit heute, als Chance und Erfahrung zu nehmen versuchen - bleiben wir in der lebendigen Elastizität des Seins.
Wo wir hart werden dagegen, uns abschotten oder die Situation brechen wollen - geraten wir in den selben Strudel der sogenannten Machthaber.

Satnam Paulus-Thomas Weber

Den richtigen Spiegel finden


Im September 2016...


Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...leg diesen Spiegel aus der Hand,
der dein Gesicht verzerrt!
Das ist der Spiegel der Selbst-Kritik, der ist kalt
und kann nicht lieben.
Wer nicht liebt, sieht nicht, wer nicht sieht,
hat kein Recht auf "Kritik" - egal in welchem Kleid sie daherkommt!
Lerne dich selbst wirklich zu sehen!"


Nicht jeder Spiegel zeigt uns unverzerrt,
nicht jedes Gegenüber kann uns sehen,
nicht jedes Feed-Back hat etwas mit uns zu tun.

Je nachdem in welchen Spiegel wir schauen kann sich die Wahrnehmung verändern. Dies gilt auch für unseren Blick auf uns selbst und unser Leben.

Aus dem gewohnten Denken, das konditioniert ist von Zielen, Erfolgen, Misserfolgen, richtig und falsch - auf uns selbst zu blicken, kann fatal sein.
Die Fähigkeit zur Selbst-Reflexion, die ja eine wesentliche Entwicklung ist, hat sich hier oft verselbstständigt, ist zu einem "Inneren Kritiker" einer "Inneren Kritikerin" geworden. Diese Instanz mag wohl stets eine kleine Nuss an Wahrheit enthalten, aber sie ist stark vom Denken dominiert, abgetrennt von der grundlegenden Wärme und Wertschätzung unseres Herzens auch für uns selbst.

Zurecht fühlen wir uns von dieser kritischen Stimme in uns (oder auch von anderen) "nicht gesehen".

Was wir brauchen, um uns weiter zu entwickeln, ist der Blick, der unser Personsein schaut, unsere Einzigartigkeit, unsere Kostbarkeit, die von keinem "richtig-falsch" jemals infrage gestellt wird.

Nur ein tiefes umfassendes Sehen kann ernsthaft Korrektur geben auf dem Weg der Menschwerdung.
Das ist das Sehen aus der Offenheit des Herzens - das erkennen von Seele zu Seele, um es in anderer Sprache zu sagen.
Dieses Sehen ist warm, ist Raum-gebend, eröffnet für uns Möglichkeiten der Reifung.

Lernen wir für uns selbst, den richtigen Spiegel zu benutzen.
Alles, was kalt ist und recht haben will - hat uns nicht wirklich verstanden!

Satnam Paulus-Thomas Weber

Dem Dunkel vertrauen


Im Juli 2016...


Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...warum traust du dem Dunkel nicht, dem Nicht-Wissen?
warum erwartest du von der Tageshelle zerdachter Stunden
Einsicht, Wissen und Geleit?
Traue dem Unfassbaren, der Dämmerung des Seins,
vertraue dem Schauen, das nicht aus der Sicherheit kommt,
vertraue der Nacht!"


Wir erwarten in der Regel von der Helle und Sichtbarkeit unserer Gedanken
oft all zu schnell eine Lösung - gar eine gute Entscheidung an wichtigen Stellen unseres Lebens. Unser denkender Verstand ist ein hilfreiches und wunderbares Werkzeug - um zum Beispiel diesen Text hier zu schreiben - um unser Leben zu organisieren, zu ordnen, zu verstehen, zu fragen, zu forschen.
Aber die Antowrten, oder sagen wir besser, die Einsichten, die wirklich tragen, oder Sichtweisen, die echt neu sind - da haben wir falsche Erwartungen an unser Denken. Zu denken vermögen wir nur, was wir schon wissen, aus dem Arsenal des Gewussten und Erkannten. Wir können schlussfolgern und sortieren.

Alle wahrhaft kreativen, schöpferischen, gar genialen Menschen wissen das: Die bewegenden Dinge tauchen auf aus einem Raum von Nicht-Wissen, quasi über Nacht, wenn wir nicht mehr damit rechnen ... steht die Orchidee am Wegrand. Große Entdeckungen und Erkenntnisse haben ihren Wurzelpunkt, ihren springenden Kern in einem Loslassen des Wissens.

Auf dem Reifungsweg, in den spirituellen Traditionen, in der Mystik, wie in der ernstgemeinten Meditation - da finden wir es, dass tiefe Wandlung, Neubeginn, Einsicht und Schöpferkraft, aus dem Ozean des Nicht-Wissens, aus der Nacht, aus dem Dunkel des Loslassens, Fühlens und Wartens kommen.

Wir haben die Kontrolle aufzugeben - sonst kann nur auftauchen, was wir schon kennen. Wir haben das Warten und Lauschen wieder zu lernen. Aus dem Dunkel der Erde kommen die Pflanzen im Frühjahr - und wir können nicht daran ziehen, dass sie wachsen.

Das heißt aber, wir können den Phasen der Orientierungslosigkeit in unserem Leben durchaus vertrauen. Die Alten nannten es oft Initiations-Zeit, Reifungszeit. In vielen Mythen und Märchen gehen die Heldinnen und Helden in das Dunkel und lernen vom Geheimnis des Seins - zu warten, zu lauschen, sich anzuvertrauen, und dann zu schauen, zu empfangen.

Wollen wir wirklkich Wandlung und Neubeginn, schöpferischem Aufbruch und Frische Raum geben in unserem Leben - dann ist der Sprung in die Dunkelheit, das Weilen im Nicht-Wissen der Geburtsort, dem wir zutiefst vertrauen können.

Satnam Paulus-Thomas Weber

Der inneren Spur folgen


Im April 2016...


Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...wofür lohnt es, dass du aufstehst jeden Morgen,
wofür lohnt es, dass du den Tag bestehst,
wofür lohnt es, dass du gehst?
Bist du unterwegs für das, was du liebst,
ist dein Leben hier und heute auf der Spur mit deinem tiefsten Wunsch, deinem innersten Verlangen ?
Kannst du eines Tages in Frieden sterben, weil du wirklich für das gegangen bist, was es wert war?"


In uns Menschen wächst oft über Jahre und Jahrzehnte hin eine innere Ausrichtung -
wir erkennen klar, was uns wertvoll ist, was wir leben wollen, ja leben müssen. Dies hat nichts mit einer egoistischen Wunsch-Erfüllung zu tun, noch ist es direkt sichtbar ein selbstloses Dienen für andere - das kann es werden, aber zunächst ist es weder dieses noch jenes.

Es liegt tiefer und wird aus dem Wesens-Gewissen, wie Graf Dürckheim es nennen würde, geboren. Es ist so etwas wie eine Schau, eine Vision des Herzens und dessen unbestechlichen Wissens. Wir spüren, dass wir uns selbst verraten würden, täten wir dies nicht oder würden wir es nicht wenigstens versuchen.
Es ist das Beste, das wir auch anderen Menschen letztlich anbieten können - es hat immer auch eine heilende, unterstützende, ermächtigende, nährende Wirkung auf andere Menschen, andere Lebewesen.
Irgendwo fühlen wir, dass wir gar dem Universum, der Ganzheit des Lebens selbst, dem göttlichen oder erwachten Ursprung, der alles durchdringt, selbst diesen Dank geben wollen - das zu leben, wozu wir geboren sind: hier und heute in dieser Zeit, an diesem Ort, in dieser Familie, mit diesen Gaben und Chancen, Schatten und Hindernissen.

Unser Wesentlichstes zu leben ist wie eine tiefe Liebeserklärung an das Leben. Und andere können sich daran wärmen!

Oft finden wir keine Worte dafür, keine Überschrift, und dennoch zeigt es sich sehr konkret. Es kann sich ausdrücken in einem bestimmten Tun, einer Arbeit, oder einem Lebensort, in einer lebendigen Beziehung, einem Reifungsweg, einer spirituellen Praxis, einer Reise, einem Retreat .... Es kann aber auch eine Haltung werden in uns, die als wir selbst durch diese Welt gehen will - etwa eine besondere Art von Kunst, eine bestimmte Stille, die wir ausstrahlen, eine unbestechliche Klarheit, eine bedingungslose Güte.

Ein großer indischer Lehrer sagte mal: Wenn du ganz und ungeschminkt du selbst bist - genau dann bist du das größte Geschenk für die anderen Menschen, für diese Welt.
Oft kostet das Mut - das ist unser Preis dafür.
Manchmal kostet es einen Abschied von gesellschaftlichen Konventionen - wir sind allein. Auch das kann ein Preis sein.

Was möchtest Du leben - dass Du eines Tages in Frieden sterben kannst?
Ich meine, in Frieden mit Dir und Deinem Weg?
Das ist die Frage.

Wir Menschen haben einander unendlich viel zu schenken - lassen wir unseren inneren Reichtum zu!

Satnam Paulus-Thomas Weber

Dein Herz offen halten in der Nacht


Im März 2016...


Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...wer sagt denn, dass schwierige Situationen in Deinem Leben gegen Dich sind?
Du hast nichts falsch gemacht.
Du wirst auch nicht geprüft, weil Dir da jemand misstrauen würde!
Könnte es sein dass schwierige Lebenslagen ein Erfahrungs-Pool sind,
wo Du wahrnehmen, lernen und durchleben kannst, was am Ende reich und kostbar in Dir sein wird?
Das Leben hat durchaus Humor.
Es ist auf alle Fälle nicht logisch - und lässt manchmal bewusst Dein logisches Weltbild zerbrechen.
...Damit die Wirklichkeit Dir aufgeht."


Schwierige Lebens-Situationen prägen unser menschliches Dasein.
Da gibt es Biopgraphien, wo dies dominiert, es gibt auch Lebensgeschichten, wo es eher im Hintergrund wirkt. Aber immer ist Menschsein auch unvollkommen in dem Sinne, dass es nicht nach unserem oft kleinen Willen geht, nicht nach unserer Maßgabe für Glücklichsein - egal wie laut die Werbegesellschaft davon tönt!

Da sind die kleinen Hindernisse, dass der Kaffee dann umfällt und alles verschmutzt, wenn wir es gerade besonders nicht brauchen können...
Da sind diese mittleren Ereignisse, wie ein Unfall, bei dem es doch noch mit Blechschaden ausgeht, oder ein Wasserrohrbruch mit seinen Folgen...
Und dann die wirklich heftigen, lebenswendenden Widerfahrnisse - dass wir ernsthaft krank werden, dass eine Liebe zuende geht, dass ein Beruf nicht mehr funktioniert, dass ein geliebter Mensch stirbt...

Es hilft uns in alle dem, dass wir wach und liebevoll mit uns selbst umgehen.
Sehr wesentlich ist, falsche Interpretationen zu lassen, die uns nur zusätzlich verletzen:
Wir haben nichts falsch gemacht - auch wenn es vielleicht sogenannte Fehler gab -
wir haben das menschliche Recht auf Fehler.
Niemand testet uns aus, wie wir reagieren, auch wir selbst müssen das nicht tun. Das schafft nämlich eine Atmosphäre von Kälte und Misstrauen.

Wir können es als Lernfeld nehmen - für unsere Reifung.
Das bedeutet, dass wir sehr mit unserem Erleben und Fühlen im Körper gegenwärtig bleiben. Wir gestehen uns unsere wuchtigen Gefühle zu, ohne dass wir sie ausagieren müssen oder uns darin verlieren. Wir dürfen das furchtbar finden oder traurig oder aufschreien!

Diese Erfahrung kann doch zu uns kommen, weil sie menschlich ist - und wir sind menschlich. Alles Menschliche will erfahren werden. Sie ist wie ein heimatloser Gast, der einen Unterschlupf sucht.
Einmal eingekehrt bei uns, wenn es geht dem Erlebnis nicht mehr all zu viele Widerstände entgegenzuschleudern, wandelt sich das Erleben.
Wir können das oft bei Menschsen sehen, die schwere Schicksalssituationen durchleben und ab einem gewissen Punkt von erstaunlicher Ruhe und sogar Stärke sind.

Die schwierige Erfahrung, wenn zugelassen bei uns, wird unsere Lehrerin. Sie kann uns etwas zeigen, was wir sonst nie erfahren würden, kann unser Herz für uns selbst, für die Zerbrechlickeit und Schönheit von Leben öffnen, und auch für andere Menschen in ähnlicher Lage.

Vielleicht - so in unser Haus eingeladen - wird diese einst schwere Erfahrung zu unserer Beschützerin, die uns hütet vor der Oberflächlichkeit, dem Leichtsinn, dem Verplempern unserer kostbaren Lebenszeit als Menschen, die uns hütet vor Urteilen über andere Menschen, uns davor bewahrt zu hassen und zu zerstören.

Könnte sie unser Herz hüten, könnte die Dunkelheit uns berühren und einladen zu einer völlig neuen Sicht von Wirklichkeit - viel weiter und größer als bisher?

Wenn wir mutig sind und dem Leben vertrauen - können wir versuchen so zu lernen und zu wachsen, hin zu jener tiefen authentischen Seele, die sich entfalten will als dieses einmalige Wesen, das wir sind.

Satnam Paulus-Thomas Weber

Was wir nicht auf dem Meditations-Platz lernen


Im Februar 2016...


Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...nurze alles, was Dir begegnet, um zu lernen vom Leben.
Viele von Euch Menschen schreddern nur den Alltag und die Erfahrungen,
um alles irgendwie hinter sich zu bringen.
Aber wie soll ich denn mit Euch reden - wenn Ihr mir nicht zuhört,
meine lebendige Sprache der Begegnungen, Ereignisse, Sonnenuntergänge und Gefühle
nicht versteht?"


Das hingegebene Spüren in den Körper,
in das innere Universum, das wir Menschen sind, dieses Lauschen und Schauen, dass wir aufhören, etwas ändern zu wollen und dem waches Gewahrsein schenken, was ist, was aktuell in uns geschieht und werden will - das nennen wir Meditation. So ließe sich eben somatische, also körperzentrierte Meditations-Praxis beschreiben, in der wir trainiert wurden und werden und die wir so lehren und weitergeben.

Wenn wir Menschen in dieser modernen, heutigen, oft sehr stressigen Welt uns aufmachen, regelmäßig zu meditieren, täglich vielleicht, dann schaffen wir damit so etwas wie einen Zufluchts-Ort in unserem Alltag, für den wir nicht weit wegfahren müssen, der mitten in unserer Wohnung, unserem Zimmer, unserem Haus liegt. Wir schaffen eine Zeit, in der unser Körperwissen, unsere Seele, unser Geist zur Ruhe kommen und tiefer noch als in jedem Schlaf, verarbeiten, verdauen und integrieren können, was wir erleben, was uns gerade in dieser aktuellen Lebens-Phase beschäftigt.

Manches aber können wir nicht auf dem Meditations-Platz lernen. Es ist wichtig das zu sehen. Wir brauchen Begegnungen mit nahen Menschen, die uns ein Spiegel sind, Herausforderung, Korrektur, Provokation und Bestätigung. Wir brauchen die Dynamik des alltäglichen Lebens mit den vielen kleinen Dingen, die wir vielleicht zunehmend exakt und liebevoll tun. Wir brauchen das Erleben, dass unsere Biographie zwar nicht alles ist, was wir sind, aber doch eine wichtige Gestaltungs-Ebene für unsere Kreativität, ein Erfahrungsfeld für die ganze Bandbreite von Menschlichkeit.

Verbunden mit der Meditations-Praxis brauchen wir diese Begegnungen und das konkrete Leben gleichsam wie ein "Schmirgel-Papier", das uns manchmal aufraut, uns neue Impulse und Emotionen erweckt, aber auch uns Entfaltungsraum und Liebe schenkt. In der Meditation ist es dann möglich genau diese Erfahrungen zu vertiefen - einfach durch das Geheimnis der Stille selbst, ohne dass wir daran herumbasteln müssen.

So findet Meditation ihren Ort in unserem Leben und auch unser alltägliches Tun und Begegnen. Diese Verbindung wird in der alten Tradition "Haushälter-Linie" genannt. Diese Verbindung von Alltag und Übung, von unendlicher Tiefung und konkretem Tun - gilt als der wirkungsvollste und machtvollste Pfad zu voll entfaltetem Menschsein.

Es lohnt sich also - es zumindest zu versuchen...!

Satnam Paulus-Thomas Weber

Was Menschsein kostet


Im Dezember 2015...


Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"..du kannst dich nicht drücken vor dem Wert für das Menschsein -
was soll das heißen? sagte ich
nur wenn du die ganze Bandbreite der Erfahrung zulässt,
bereit bist ganz menschlich zu sein, verwundbar, wild, zart und unsterblich,
ist es Erfüllung."


Es scheint in unsere heutige Zeit zu passen, diese Frage,
was denn Menschsein kostet.
Aber - ich muss Euch enttäuschen - diese Frage ist völlig unpassend!

Wie auch Ihr sicher wisst, ist unser Menschsein, unser Leben unbezahlbar, nicht zu verrechnen.
Es braucht allerlei, damit es gut und gelingend werden kann,
aber im Wesen ist es nicht zu vermarkten,
Menschlichkeit ist eine ganz andere Dimension von Wirklichkeit.
Das dürfte klar sein - ist es leider aber nicht.

Menschlichkeit kostet uns ein immer tieferes Öffnen für uns selbst
und für alle Gefühle, für alles Erleben, für unsere Leidenschaft und Liebe,
unsere Enttäuschung und Trauer, unsere Sehnsucht und unsere Unzähmbarkeit,
die darin besteht, dass wir "unheilbar" wir selbst werden wollen.

Menschsein kostet uns das volle Einlassen auf das, was menschlich und erfahrbar ist.
Das bedeutet nun nicht ein Hineinspringen in alle möglichen Abenteuer,
eher ist es ein waches, lauschendes, fühlendes, berührbares und oft auch schauendes Präsentsein
mit dem, was das Leben uns zeigt, wie es uns anruft, wie andere Menschen und die Natur oder Situationen uns begegnen.

Es ist nach außen hin vielleicht stiller,
nach innen hin breiter und mit immer weniger "Nein" zu den Angeboten des Daseins.

Macht das die zwar bisweilen verstaubt wirkende, aber doch sehr aktuelle
Kraft vieler religiöser Traditionen aus - dass in ihrem Ursprung da immer Menschen waren,
die radikal sich genau darauf einließen - vom Menschsein nichts auszuschließen?

Verbinden sich in dieser Geste des Daseins Gautama Buddha und Jesus von Nazareth,
und all die anderen Frauen und Männer der Religionen dieser Erde?
Ken Wilber nennt in seinem Buch "Integrale Spiritualität" die Religionen "das Förderband".
Förderband für die Bandbreite menschlicher Bewusstseins-Geschichte, menschlicher Fülle und Tiefe.

Ich mag bei diesem Förderband der großen Traditionen immer wieder Schüler sein!

Satnam Paulus-Thomas Weber

Unser Körper als Tor zum Unermesslichen


Im Oktober 2015...


Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"wohin aber führt mich die Suche,
die große Suche -
die Suche, die mein Herz nicht ruhen lässt..
wohin ruft mich mein Mut, mich tief zu erkennen
und den Nektar des Lebens selbst zu schmecken...
wo komme ich heim mit meiner Frage nach dem Ganzen, dem Unendlichen
in dieser zerbrechlichen Welt?
...und ich falle in das Nächste - meinen menschlichen Körper!"


Unser Körper als Tor zum Unermesslichen

Es klingt in einer materialistisch orientierten Gesellschaft sicher provokant - aber es ist eine sehr alte Einsicht, und eine moderne zugleich: Wenn wir tief eintauchen in unsere Erfahrung im Körper - kommen wir Schicht für Schicht durch physische Empfindungen, Emotionen, Erleben von somatischen Energien und Strömen etc. hin zu etwas, da fühlt es sich weit offen und unbegrenzt an in uns - sofern wir das zulassen und nicht mit Konzepten des Nicht-Verstehens wieder davonlaufen.

Seit alters her ist unser menschlicher Körper - gerade in all der physischen Zerbrechlichkeit, Sterblichkeit und Begrenzung, das Tor zur Erfahrung der ganzen Bandbreite und Fülle menschlichen Erlebens und in-der-Welt-Seins. Die alten Traditionen sprechen vom Mikrokosmos, der unser Körper ist, er bildet die Totalität ab, ist - so würden wir heute vielleicht eher sagen - Tor zur Erfahurng der Totalität des Lebens, gar des Universums.

Eine somatische Spiritualität, also ein Übungsweg, der im Körper zentriert ist und mit unserer Verkörperung beginnt, geht in das hinein, was da ist, anstatt etwas zu konstruieren, was wir uns wünschen, was wir uns vorstellen, was aber so erst mal nicht existiert. Dies ist der markante Unterschied zwischen allen somaitschen - also im Körper zentrierten - Wegen und den mentalen Methoden, die im Denken und Vorstellen ansetzen. Es ist so gesehen auch der Unterschied zwischen dem linkshemisphärischen Denken und dem eher rechtshemishärischischen und somatischen Erfahren. Denken distanziert uns von der direkten Erfahrung. So hilfreich es oft ist, das Denken.

Zugang zu dem, wer oder was wir sind, gibt uns diskursives Denken nur in nachträglicher Klärungsarbeit. Der direkte Zugang zu unserem eigentlichen Personsein, der Tiefe unseres Menschseins, der Weite und Leuchtkraft der Wirklichkeit selbst, zu dem, was wir auch das Unermessliche, Göttliche, Erwachte nennen können, dieser Zugang geht nur im Spüren und Erfahren unseres Köperseins.

Spiritualität ist eine somatische, so gesehen auch sinnliche Sache - ein Weg der Erfahrung. Wir kommen im Körper heim in das, was immer schon da ist, erfahren jene Totalität und Weite, Liebe und Offenheit, die viele Religionen des Westens gewagt haben "Gott" zu nennen. Die erwachte Weite des Seins, in der wir selbst unentrinnbar gründen - das ist unseren Zellen eingeschrieben.

Ach - welch gute Botschaft in einer Zeit, wo wir alles Sinnvolle erst machen und erarbeiten müssen!
Im Grunde unseres verkörperten Menschseins wartet das Absolute auf uns, dass wir die Demut finden, uns uns selbst hinzugeben im Körper als diese Menschen, in diesem konkreten Leben.

Satnam Paulus-Thomas Weber

Inspiration finden zur Praxis im Alltag


Im September 2015...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:

"was, wenn wir das Feuer nicht nähren?
wenn wir das innere Feuer nicht nähren -
die Flamme unseres Aufschlags, wozu wir hier sind,
die Flamme, die uns erinnert an unser wesentlichstes Geheimnis.
Wird es warten, das Feuer in uns,
wird es Glut sein, bis wir die Ablenkung zur Seite gelegt und ihrer Lüge müde geworden sind,
wird es warten, bis wir aufwachen zu uns selbst hin?"


Es ist wie ein Tor zu diesem tieferen inneren Raum von Genährtsein, es ist wie ein Weg,
der oft durch unwegsames Gelände führt, aber genau darin "führt" und geleitet. Es ist dann oft wie ein Warten - und nichts geschieht scheinbar. Und es ist wie ein Ernten, so eine Notwendigkeit, dass es eintritt, dass wir immer beschenkter erwachen.

Ich spreche von dem, was wir im Westen und in unserer zeitgedrängten Gesellschaft oft so garnicht mögen - und dann doch zutiefst lieben lernen können:

Die Spirituelle Praxis im Alltag, Tag für Tag, Jahr für Jahr, als Hingabe an die Strecke des eigenen Lebens.

Die Fallen, die wir in unserer Gesellschaft sehen müssen - das ist die Erwartung, dass es ganz schnell wirkt, dass wir die Früchte direkt bekommen, dass es nicht weh tut, dass wir es kaufen können oder gar jemand anders dafür zahlt. Dies sind Schwierigkeiten, die sich uns in den Weg stellen, wenn wir täglich meditieren wollen.

Aber es gibt auch das andere, die enormen Chancen, die wir gerade als moderne Menschen haben. Dass wir nämlich Zugang finden zu vielen großartigen Spirituellen Wegen und Praktiken, dass sie uns wirklich gelehrt werden, dass wir in der Regel unseren Alltag so ordnen können, dass zumindest 30 Minuten möglich sind uns ganz nur uns selbst zuzuwenden...

Nie und nimmer funktioniert es, wenn wir uns zu einer Spirituellen Praxis hinpuschen wollen. Wenn wir wirklich nicht wollen, sollten wir auch nicht meditieren!

Wie aber finden wir die Inspiration, wenn wir sehen, dass es uns hilft zu leben und immer mehr als wir selbst, genährt vom Leben, liebend und authentisch zu leben?

Es gilt aus meiner Sicht die Liebe zum Leben zu spüren, ihr Raum zu geben. Nur als "hoffnungslos" in das Leben Verliebte, und damit auch in unseren eigenen Reifungsweg, unsere Möglichkeiten, finden wir den Weg auf das Meditationskissen, ins Retreat, an uns zu arbeiten - wie auch immer. Regeln werden uns nicht lange tragen. Dann aber, wenn wir Feuer gefangen haben, wenn wir die grundlegende Angst, uns selbst in der Stille zu begegnen kleiner werden sehen, wenn wir entdecken, dass uns Meditation nährt, wie ein gutes Frühstück als Start in einen vielleicht herausfordernden Tag, dann braucht es die Ordnung, die dem, was wir lieben gelernt haben, Raum gibt:

Wir brauchen eine Zeit am Tag, wir brauchen einen Platz in unserer Wohnung, unserem Haus, der uns gleichsam ruft, wo wir gerne hingehen.

Wir brauchen auch Aus-Zeiten im Lauf des Jahres, wie Retreats oder Wochen der Einkehr, wo wir uns mit anderen unterstützen lassen zu uns selbst hin.

Diese Reise in die Wirklichkeit ist zu groß, zu weit, zu frei, die kann niemand allein gehen...

Das innere Feuer zu nähren mit dem Atem der Stille in der Meditations-Praxis ist das Herz-Stück, unsere Welt von innen her zu wandeln.

Satnam Paulus-Thomas Weber

Unsere tiefsten Wünsche verstehen


Im August 2015...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:

"alles so heiß unter der Sonne zur Zeit
es wird heiß gekocht, wenn wir dicht dran sind im Leben
wir werden ernst genommen vom Leben mit unseren Wünschen
es könnte sich erfüllen, was wir zutiefst wollen...
mögen wir gesegnet sein mit kostbaren Wünschen und nicht mit Herzens-Enge
Das Leben ruft uns heraus aus dem existenziellen Versteck
wir sind sehr geliebt und herausgefordert !"


Echte Wege lebbarer Spiritualität haben mit einer Bejahung unseres Menschseins, unseres menschlichen Lebens zu tun.

All zu lange waren religiöse Pfade auch gepflastert mit Verneinungen und Verboten, mit Entsagungen und Askese. Das mag nun zu anderen Zeiten und in anderem kulturellem Kontext auch anders geklungen haben als für uns heute, da mag das Grundanliegen sogar seine Berechtigung haben im Sinne einer Entscheidung, was mir wirklich wichtig ist und wofür ich anderes loslassen muss - aber aus meiner Sicht ist eine menschliche Spiritualität heute, egal in welchem religiösen Kontext sie die Einzelnen leben, von einer tiefen Bejahung unserer Menschlichkeit geprägt.

Was sind unsere tiefsten und eigentlichen Wünsche, nicht die Surrogate, die Ablenkungen, die ach zu billigen Vertröstungen?

Unser Herz lässt sich nicht bestechen! Wenn wir tief reisen, den Mut haben, der ganzen Wucht und Schönheit unserer Seele zu begegnen - was entdecken wir dann? Was ist unser tiefes Verlangen, unsere Ausrichtung ? Und das muss ja nun nicht unbedingt etwas sein, dessen wir zu ermangeln glauben, das ein "Haben-wollen" initiiert. Es kann dies ja genau etwas sein, das wir im Modus der Sehnsucht, der Suche, der Leidenschaft für genau dies - schon in uns erfahren, das schon in der Tiefe unseres Wesens weilt und darauf wartet von uns vernommen, enthüllt und gelebt zu werden - genau in diesem unserem Leben, heute.

Das, was wir im Kern erwarten vom Leben, wonach wir uns ausrichten hat eine große Wirkung, eine besondere Macht.

Es ist wie eine Resonanz des großen Lebens in uns, das in uns zu einer Bitte wird.

Aus diesem lebendigen Wunsch des Lebens in uns, gebären wir dann, wenn wir dem Raum geben, es mehr und mehr sich entfalten lassen, konkrete Schritte, Handlungen, sicher auch Entscheidungen. Auf jeden Fall gibt der Kontakt mit unserer tiefsten Liebe zum Leben uns eine Klarheit, dass wir nicht für von außen kommende Versprechungen aller Art verfügbar sind, nicht manipulierbar für die Ideen anderer, der Gesellschaft, der Betriebe, der religiösen Institutionen etc.

Kommen wir in lebendigen Kontakt mit dem, was wir zutiefst in diesem Leben leben, verwirklichen wollen, dann spricht darin sich unser Wesen aus - und so steht dieser "Wunsch" auch immer im Dienste für andere, für das Leben, diese Welt. Er hat eine Verwandtschaft mit unserer tiefsten Begabung als genau diese Menschen, die wir sind.

Authentische Spiritualität hat stets mit dem Ja zum Leben zu tun, dem Ja zu uns Menschen, so wie wir sind. Erst dann ist Wandlung möglich.

Menschliche Spiritualität - das können wir lernen auch aus der Geschichte der Religionen, wo das nicht immer so gesehen wurde - hat ihre Wurzel in der Öffnung hin zur Ganzheit und nicht in der Ausgrenzung oder im Sich-Verschließen in eine Sonderwelt.

Spiritualität meint diese Öffnung für die Totalität des Daseins! -

Dies resoniert wie eine geheime innere Melodie in unseren Herzen als Wesens-Wunsch für genau dieses konkrete menschliche Leben, das wir heute gerade leben.

Satnam Paulus-Thomas Weber