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Blog-Texte 2019


  • Das Alte gehen lassen...

Vom Raum für das Neue...


Für Januar 2019...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...ihr Menschen seid sehr begeistert von der Zukunft
oder in Angst darüber.
Wie einseitig das ist.
Ihr verliert den Blick für das Heute und für das Kostbare und Wandelbare des Gestern.
Auch das sogenannte Vergangene ist nicht einfach fertig -
und es liegt an dir, wie du es heute ansiehst, wertest, ordnest, ob es dich trägt,
oder dir zur Last wird.
Hab den Mut dich damit zu befassen - erfülle dein Heute mit einer Dankbarkeit an dein Gewordensein.
Dann wird das Morgen dich besuchen wie ein Frühlingswind..."


Als lebendige Wesen, die wir Menschen sind - leben wir in einer "Werde-Welt", wie Ruth C. Cohn es nennt.
Unsere Gestaltung ordnet sich in einem Geschehen, das wir gewohnt sind im Vergehenden, im Gegenwärtigen und im Noch-Nicht des Möglichen anzusehen.
Diesen Lauf nennen wir Zeit, Lebenszeit, Gesetz des Werdens.
Dies aber hängt zusammen - unser Werden ist ein Fluss, eine Geste des Daseins, ist wie ein Tanz - ein Flow.
Die Einteilung in Vergangen - Heute - Zukunft ist etwas willkürlich und keineswegs war das immer so.

Wenn wir in die Menschengeschichte von uns schauen -
ich meine über die Jahrhunderte oder gar Jahrtausende hinweg -
so finden wir mit dem Wandel unserer Sicht von uns selbst, von der Welt, vom Leben insgesamt, eben auch einen Wandel unseres Zugangs zu diesem Werden.
Es haben sich viele Deutungen von "Zeit" etabliert im Laufe der Geschichte.
So finden wir relative Zeitlosigkeit - wo das kaum eine Rolle spielt - wie auch eine mythische polare Zeitlichkeit, die vor allem an den Rhytmen von Nacht und Tag, von Winter und Sommer,
von Geburt und Sterben, von Aussaat und Ernte etc. interessiert ist. Wir entdecken eine mehrdimensionale Zeit-Sicht, wo das Ewige der Grund ist von allem und das Werden darüberläuft wie ein oberflächliches Rinnsal.
So finden wir auch das Hervorkommen der linearen und sog. messbaren Zeit - wie wir es heute zumeist benutzen.

In alle dem wird klar - dass das Vergangene nicht einfach weg, das Kommende nicht nur Phantasie ist
und wir weit mehr zur Verfügung haben als ein kleines Jetzt, in dem wir hier sitzen und schreiben oder diese Zeilen lesen!
Unser Heute und Jetzt bemisst sich sehr wesentlich an unserem Umgang mit dem Gewesenen, das ja auch unser Gewordensein ist. Haben wir unsere Lebensgeschichte geklärt, auch Schwerwiegendes liebevoll und oft schmerzvoll zugelassen und heimgebeten in unser Ganzsein - so ist unser Jetzt weitaus größer, offener und erwachter, als wenn wir uns ins Heute und in die Idee vom Morgen vor dem Gewesenen verstecken.

Geben wir dem Alten seinen Ort -
so kann es wie ein alter Diener unsere Wertschätzung spüren, weiß sich recht gesehen und bedankt und kann den Raum freigeben für unser neues Werden.
Und erst da - wenn wir bereit sind uns dem Gewordensein von uns Menschen - unserer Welt um uns - zuzuwenden, in Respekt, Anerkennung und auch ordnender Liebe und Klarheit,
erst da wird Raum für Neues, das als Unverfügbares und dennoch von uns mit-Ermöglichtes in unser Leben tritt,
vielleicht schon lange "auf uns gewartet" hat.

Nutzen wir die Atemzüge des Lebens, das Alte würdevoll zu integrieren, zu verstehen, und so zu lassen - auf dass sich gegenwärtiger Raum öffnet für das sich entfaltende Leben in uns und um uns,
das wir "Zukunft" nennen.


Satnam Paulus-Thomas Weber