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Blog-Texte 2018


  • Lass Dich nicht ablenken...
  • Was wir den Kindern geben...
  • Fragen, die das Leben klären...
  • Ermächtigende Begegnung
  • Das Leben erhören...
  • Vom Behüten des Lebens

...von der Erkenntnis des Wesentlichen


Im Januar 2018...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...am Ende - wenn Du Atem holst nach dem Tag,
wenn Du entspannst nach dem Tun,
wenn Du zu Dir und nur zu Dir kommst,
was Dir bleibt sind nicht Deine Kompromisse,
nicht wo Du andere geschohnt, Dich angepasst, Dich verfügbar gemacht hast.
Diese anderen - zusammen mit Deiner Anpassung - sind alle weg!
Das was Dir am Ende bleibt ist die Echtheit und Klarheit Deiner Liebe zum Leben,
zu Deinem Leben, zum Großen Leben in uns allen,
Dein Blick für das Wesentliche!"


Wir leben heute in einer Vielfalt von Gesellschaften und Subgesellschaften, von denen die meisten eine gemeinsame Eigenschaft haben,
die Paul-Michael Zulehner, der Innsbrugger Theologe und Soziologe "Zuvielisation" nennt.
Das Zuviel ist nicht nur im Materiellen sichtbar, sondern eher noch in der Informationsflut, wie wir das zu nennen gewohnt sind.
Dies ist mir zu neutral formuliert.
In den sogenannten Informationen stecken verborgene "Willen", Absichten, da will etwas etwas mit uns.
Mag sein von gar niemandem intendiert - und doch ist dies die innere Struktur so vieler Infos und Daten und Bilder und Nachrichten und Angebote....

Da formt sich, wenn wir zurücktreten vom Vielerlei und auf unsere innere Reaktion darauf lauschen, da formt sich ein Erleben von Weggezogen werden
von uns selbst, von unserem Selbstkontakt, von der aus uns auftauchenden Absicht und Inspiration.
Es ist wie eine Dusche der Ablenkungen, in die wir da geraten sind.
Die können wir mit mehr duschen oder heisser Duschen oder kälter Duschen nicht abstellen,
nur mit dem Wechsel der Ebene.

Es braucht dieses tief verwurzelte Gespür für uns selbst und unseren Wert, die einzigartige Kostbarkeit unseres Lebens zwischen Geburt und Sterben und darüber hinaus.
Mehr denn je, sind wir genau in der Informations-Gesellschaft auf ein Erwachen des Herzens geworfen,
sind wir auf Leben und Tod unseres inneren, reifenden Lebens, hinverwiesen auf das unbestechliche innere Wissen um das, was zählt!

Was wir leben wollen, auf dass wir eines Tages in Frieden (!) sterben können - dies ist die alte und neue und aktuelle Frage.

Und dies sind keine Projekte! Dies ist eher die Entwicklung einer Haltung von Menschsein, aus der heraus es sich reich uns sinnerfüllt anfühlt lebendig zu sein.
Es sind dies dann die Dinge, die daraus als Wesentlich aufleuchten, wo wir durchaus Ideen und Inspirationen auch von außen, von dem was wir sehen und lesen und hören, aufnehmen können.
Nur - wir leben wesentlich aus dem Zentrum, aus unserem Personsein, aus unserem inneren Wert, unserem Wesentlichsein.
Hier ist die Führung, ist gleichsam der innere Lehrer, die innere Lehrerin in uns geboren.

Dies macht oft klare Absagen an die Ablenkungen, die wir alle gerne darüberlegen, dass wir nicht fühlen, was wir fühlen...
Das wäre schon in Richtung "Sucht-Qualität".

Können wir in diesem be-herzten Sinne für das Wesentliche im Leben gehen, nicht nur in unserem, auch in dem der anderen?
Sind wir bereit das Unwichtige, das nicht in sich schlecht sein muss deswegen, aber eben zuviel, sind wir bereit dies ins Feuer zu geben, auf dass es das Wesentliche unseres Lebens wärme,
dem Kraft und Leuchten verleiht?

Es ist den Versuch mehr als wert aus meiner Sicht.
Das Wesentliche zu leben, sich nicht ablenken zu lassen, hat auch etwas mit der Freude eines vereinfachten Lebens zu tun.
Es ist eine Ur-Geste spirituellen Menschseins in allen Religionen auch heute.

Satnam Paulus-Thomas Weber

Was wir unseren Kindern hinterlassen...


Im Februar 2018...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...am Ende müsst ihr eure Kinder vielleicht um Vergebung bitten,
nicht für Luxus oder Wohlstand, in dem sie aufwuchsen,
aber für die fehlende Spur des Lebens,
für die Verwirrung, die durch das Überangebot der Medien
in ihnen geschehen ist,
für den Leistungsdruck, der dazu geführt hat,
dass sie sich im Körper nicht mehr zu Hause fühlen,
für Probleme globaler Aubeutung, mit denen sie nicht umgehen können.
Wacht auf - noch ist es vielleicht nicht zu spät!"


Viele von uns sorgen mit Liebe und Echtheit, mit täglicher Hingabe und innerer Freiheit für ihre Kinder - das steht außer Frage.
Nur, es gibt eben auch das andere Feld, ich meine weniger die Familien und Situationen zu Hause, sondern das größere Feld,
auf das wir nur indirekt Einfluss haben.
Und da sehe ich eine große Not auf uns alle zukommen:
Es ist die Not von Kindern und Jugendlichen, die mit digitalen Medien viel cooler und leichter umgehen als wir.
Aber zugleich geschieht eine Art Verwicklung dort, wo sie sich von den in den Medien und Programmen und Infos dieser Art gegebenen Sichtweisen
gar nicht mehr distanzieren können.
Die Allgegenwart von Smartphones koppelt junge Menschen so oft ab von einer wirklich sensitiven, ganzheitlichen und auch neuen Wahrnehmung
der Welt um sich. Beziehungen werden auf diesen Austausch von Mini-Infos oft reduziert.

Ich kann das in meiner Praxis erleben - in der Begleitung von Menschen und auch im Wahrnehmen der jungen Leute hier in unserer Stadt und anderswo.
Was tun wir ihnen damit an?
Wer daran verdient sind ja große Konzerne.
Aber ist das die Seelennahrung, die sie fähig macht, sich zu finden, den Schmerz von Menschsein zu halten,
die Freude die frei sein lässt in ihrer Menschlichkeit zu erfahren?
Wie viel Lebenszeit geht dahinein...

In Workshops erlebe ich Jugendliche, wo zu spüren ist, wie sie sich danach sehnen, endlich nichts leisten, denken, kontrollieren zu müssen.
Ihre Körper dürsten geradezu nach Stille, nach sich-Spüren, nach Selbst-Wahrnehmung, nach Loslassen.
Nur aus solch einem Freiwerden, aus diesem Loslassen kann ja in uns Menschen das Eigene geboren werden.
Nur wenn wir uns auch schützen können vor dem Zuviel der Außen-Einflüsse,
können wir nach innen Lauschen und uns selbst er-hören, unsere innere Stimme, unsere Weisheit finden und uns selbst vertrauen.

Von Herzen wünsche ich diesen Zugang den jungen Menschen von heute.
Dies ist ein zeitloser Wert - eine geschichtsübergreifende Weise von uns Menschen, Mensch zu sein und zu werden.

Wenn es schlimm kommt wird - bevor das Eigene in unseren Kindern geboren ist - das Fremde all der Infos und Meinungen
schon übergeschüttet - eingeflößt im wahrsten Sinne des Wortes.

Mögen die jungen Menschen heute aufwachen und dies nicht mit sich machen lassen,
mögen sie aufwachen für ihr eigenes Leben - anstatt der digitalen Verlängerung von unserem...

Mögen weise Eltern und BegleiterInnen heute dafür einstehen und Räume wirklichen Wachstums schaffen,
aus dem heraus dann erst ein reifer Umgang auch mit technischen Errungenschaften der modernen Welt möglich ist.


Satnam Paulus-Thomas Weber

Was ist Wesentlich?


Im Mai 2018...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...setz dich hin und wieder hin,
nimm dir die Zeit
und schau dein Leben an -
ob du noch auf Kurs bist.
Stell dir die richtigen Fragen,
dass du verstehst
deinen Weg zu korrigieren falls nötig
und nicht Jahre brauchst bis du merkst,
dass du garnicht dein Leben lebst,
sondern das
eines anderen,
der Wünsche der anderen,
der Ideen der Gesellschaft..."


Es ist eine alte Kunst durch die Menschengeschichte,
uns selbst oder anderen, oder in eine verzwickte Situation hinein, die richtige Frage zu stellen.

Ein Klassiker ist Parzifal, der als junger wacher "Krieger" des Herzens in den Palast des alten Königs kommt,
wo nur Schmerz und Verwirrung herrscht - und keiner es wagt die eine und wesentliche Frage zu stellen:
"König, was ist Dein Leiden?"
Dies bricht den Bann! Das ist eine beherzte Frage in Mitgefühl und in Unerschrockenheit gegenüber dem Tabu.

Wir könnnen uns selbst hin und wieder fragen:

"Lebst Du, was Du leben willst - oder gehen Deine Träume und Wünsche, Deine Sehnsüchte spazieren auf den Dächern
unter denen Du schuftest, um nur noch zu überleben - und Du weißt nicht wofür...?"

Wir können uns fragen wie Parzifal den König:
"Was ist wund in meinem Leben, in mir, was bedarf der Heilung?
Ist es Stolz oder ein überhöhtes Selbstbild, das mich davon abhält, mir in Respekt und Liebe zu mir selbst, Unterstützung zu suchen, oder eine Heilungs-Zeit zu gönnen?"

Wir können auch fragen:
"Was ist der Ort meiner Zuflucht, wo ist meine Quelle - wo schöpfe ich Kraft und bin ganz eins mit dem Strom des Lebens...?"
Wir alle brauchen dies im Inneren und auch in der äußeren Welt unserer Biographie.

Und wir können schließlich schauen und fragen:
"Wenn ich jetzt ganz alt wäre und bald sterben würde - schaue ich dankbar und berührt auf mein Leben, oder fehlt da noch etwas Wesentliches?
Das sollte ich versuchen zu leben - wenigstens als Ausrichtung, auch wenn ich es nicht erreiche, darum geht es vielleicht garnicht.
Die Ausrichtung auf das Wesentliche genügt oft schon.

Lasst uns unser Leben als kostbar erkennen!

Satnam Paulus-Thomas Weber

Einander Spiegel sein...


Im Juli 2018...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...nutze die kostbare Zeit,
wo du einem dir nahen Menschen begegnest.
Gebt einander Raum Euch Wesentliches zu sagen,
oder Seelen-tiefes auch wortlos zwischen Euch schwingen zu lassen.
Es ist ein Privileg solchen Menschen zu begegnen,
gar miteinander befreundet oder in einer Beziehung zu sein.
Lasst das Leben diese kostbaren Stunden füllen!..."


Wir haben die Fähigkeit
einander zu verwirren, abzulenken oder gar mit allem möglichen Unfug die Lebenszeit zu vergeuden.
Wir haben aber auch die Möglichkeit, ja Freiheit, Zeiten und Momente menschlicher Begegnung ernst zu nehmen,
Beziehungen in ihrem inneren Reichtum sich entfalten zu lassen und daran zu wachsen.

So ergeht die Einladung des Lebens an uns das zu erspüren, wo ein anderer Mensch uns Gegenüber sein kann,
uns ermutigen, ermächtigen, oder auch kritisch-unterstützend Spiegel zu sein.
Ein Alltag gelebter Partnerschaft, eine tiefe Freundschaft sind voll von solchen Chancen.

Bisweilen sprechen wir nicht die selbe "Sprache" - wir brauchen andere Worte um uns auszudrücken.
Es lohnt das Übersetzen...
Oder es braucht auch andere Ebenen, nicht immer ist das Wort die Sprache, es kann auch die Stille sein,
die körperliche Nähe, das Schauen, das Zuhören, das Hineinlauschen in des anderen Stille und Weite...

Finden wir Wege dieser wunderbaren Begegnungs-Fähigkeit von uns Menschen Raum zu geben.
Wir können in der Verbindung von Schauen und Lieben einander den bestmöglichen Raum geben uns zu entwickeln.
Denn immer ist es diese tiefe Wertschätzung, die wir brauchen, um dem anderen wirklich adäquat zu begegnen.
Und immer ist es zugleich, dass wir den anderen Menschen überhaupt zu sehen vermögen - anders wir ihm oder ihr garnichts Sinnvolles zu sagen vermögen.
Dann wäre auch ein "lieben" lediglich ein verzweifelter Versuch.

Lasst uns die Heiligkeit unserer wahren Begegnungen erkennen und kultivieren!

Satnam Paulus-Thomas Weber

Ein anderer Zugang zu unserer Biographie


Im September 2018...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...nimm das Leben wahr
nimm es als wahres, echtes, einmaliges,
gestrickt aus einzigartigen Momenten und Begegnungen.
Aber nimm es nicht als ernstes!
Es ist nicht Traum, nicht Spiel nur -
aber es tut gut, so damit umzugehen,
dass du hindurchschauen kannst,
dass es dir Sinnbild wird für Weisung, Weg und innere Führung.
Lerne das Spiel voll Liebe und Respekt, mit Weisheit und Humor
zu spielen!..."


Lege dein lauschendes Ohr an die innere Spur deines Lebens!

Wir können einen anderen Zugang zu unserem Leben finden - indem wir die Situationen und Erfahrungen entkoppeln von der fixen Bedeutung für uns Personsein.
Die Lebensspur kann etwas bekommen wie eine Reise durch Landschaften, die uns etwas zeigen, lehren, erfahren lassen, unser Menschsein reicher machen.
Wir verlieren nicht das Gesamt, den großen Bogen, die Sinnspur unseres Lebens aus dem Blick. Wir gehen durch viele Formen und Stunden,
durch Schweres und Schönes, durch Schmerz und durch Jubel.
Wir entdecken darin die ganze Bandbreite von Menschsein - von Menschlichkeit.
Willst Du nicht alles kennen lernen?
Hast Du Dich nicht aufgemacht ganz Mensch zu werden, zu sein, zu erfahren?

Jede Stufe der Reifung bekommt so etwas von einem Symbol, das aus dem Heute und Hier in ein Tieferes lotet.
Ja gerade die schwierigen Situationen können uns Arbeitsfeld werden, dass wir üben und arbeiten und uns oft auch mühen,
hindurchzusehen - in das tiefere Wissen unserer Lebens-Reise, die eingeborene Weisheit unserer Biographie.

Oft erst im Nachhinein erkennen wir Sinn und Stimmigkeit auch in verwundenen und verwundeten Wegen.
Aber es ist da und wartet immer auf uns entdeckt, erlauscht zu werden.

Kannst Du den Klang aus der Tiefe des Seins - Deines wahren Wesens hören
- der heraufklingt, gerade auch in den ungewöhnlichsten Stunden?

Lass Dich nicht bannen von der Wucht des Jetzt!
Lass Dein Leben das sein, was es ist - ein lebendiges Strömen durch viele Formen und Momente, Erlebnisse und Begegnungen,
die wir alle nicht festhalten können, die sich wandeln und wandeln und wandeln.

Nutze die Schönheit und Flüchtigkeit Deines Lebens,
den Tiefensinn zu er-hören und das eigentliche Geheimnis und die unverwundbare Kostbarkeit Deines Personseins reifen zu lassen.

Satnam Paulus-Thomas Weber

Wie wir uns beschützen...


Im November 2018...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...trügerisch sind Schutz und Grenze,
woher weißt du denn, dass innen das Kostbare
und draußen das andere wohnt?
Vielleicht seid ihr ja verwandt - du und das da draußen.
könntet ihr einander beraten?
Der Schutz steht dazwischen -
die Ausgeburt deiner Angst!
Schau genau hin, wo du Grenzen ziehst!..."



Es ist menschlich und dient unserem Leben, dass wir das Kostbare unseres Daseins beschützen und das der anderen ebenso.

Es ist wie eine Referenz an unser Endlichsein. Wir haben nicht grenzenlos Kraft, Zeit oder materielle Ressourcen, psychische Belastbarkeit und geistige Kapazität.
Zu realisieren, dass wir endliche Wesen sind als Menschen - ja das täte heute in diesem Sinne sehr Not und würde uns bescheidener und vor allem realistischer machen, als wir uns zur Zeit global und oft auch individuell aufführen.

Nur - wie geht es gut Grenzen zu setzen, ohne uns zu isolieren, ohne Kriege zu implizieren, ohne in einen Dualismus von wir-die-Guten und sie-die-Bösen zu geraten?
Es kommen mir 3 Aspekte von gutem Grenzensetzen, wenn wir das Kostbare behüten:

1 - Dieser Schutz ist raumgebend und ermöglicht Freisein.
Vielfach neigen wir als Menschen dazu uns anfangs zu behüten, dann aber wendet sich gleichsam die Härte (und Angst) des Schutzes gegen uns selbst, gegen die Angehörigen der eigenen Gruppe und die gleiche Spaltung, die jede Grenzsetzung in sich haben kann, setzt sich im Innern fort. Diktaturen zeigen uns das in brutaler Weise. Da mag etwas beginnen mit dem Aufkommen einer nationalen Identität, eines völkischen Bewusstseins, woran ein Regime anknüpft. Dann aber wendet sich die Schärfe nach innen und Menschen verschwinden in Lagern...
Schutzraum muss Leben in seiner auch unplanbaren Entfaltung wertschätzen und verehren - Freiheit unterstützen, sonst wendet es sich gegen das Leben!

2 - Dieses Beschützen muss "warm" sein, da braucht es eine Herzqualität darin.
Klingt erstaunlich aber ist ganz ganz wesentlich. Ohne die Weisheit des Herzens verkommt jede Grenzziehung zu einer egomanen Burg, zu einer Festung der Angst, oder gar zu einer Spaltung der Welt.
Es braucht ja den Blick des Herzens um überhaupt zu erkennen die Kostbarkeit des Lebens, der Menschen, der Erde, dessen, was wir beschützen wollen. Es braucht die Wurzel der Liebe - sonst ist Behüten unsinnig und von Anfang an nichts als eine Panik-Reaktion. Es braucht dann allerdings diesen Blick des Herzens nicht nur nach innen - sondern auch nach außen. Letztlich sind wir immer und immer mit allen und allem verwandt, wovor wir uns beschützen! Es gibt keine abgekoppelten Daseins-Wohnungen! Die Wirklichkeit ist ein Wirkgefüge von Ganzheit. Jede Grenze, zeitweiliges Beschützen, ist relativ, ist eine Übergangslösung für eine bestimmte Phase der Entwicklung.
So brauchen Menschen in besonderen inneren Prozessen einen behüteten und achtsam begleiteten Raum. So brauchen Kinder in jungen Jahren mehr Schutz als Erwachsene.
Nur mit dieser Wärme des Herzens, die eine tiefe grenzüberschreitende Liebe zum Leben in allen seinen Formen ist, macht das hier gesagte menschlich Sinn.

3 - Und, dieses sich und andere Hüten, es muss elastisch, antwortend sein.
Das ist gerade schon angeklungen. Wie oft erleben wir in der Welt im Großen oder auch im Kleinen von Familien und Gruppen, dass wir an einst sinnvollen Regelungen festhalten, und die Situation hat sich völlig geändert. Aber niemand kann daran rütteln. Da wo einst Schutz für Leben war, ist nun ein kratziges Hindernis...
Es braucht also dieses responsorische, dass jede Grenze, die wir setzen auch wieder lösbar ist, ein dialogisches Geschehen eigentlich ist. Grenzen, die wir als Menschen setzen werden so zu einem Ausdruck von Beziehungen. Nur dann kippen sie nicht in Diskriminierung. Wenn ich klar sage, dass ich diesen Nachmittag Zeit für mich und mein Spüren, Schreiben oder Lesen brauche, und damit eine zeitliche Grenze setze Freunden gegenüber, die mit mir etwas unternehmen wollen, dann ist dies ein Ausdruck von wacher Beziehung. Es ist weder ein Abbruch der Freundschaft, noch eine Kriegserklärung, aber auch nicht eine willenlose Anpassung und Verfügbarkeit, wo ich über mich und meine Sicht von Leben hinweggehen würde.

Lasst uns das konkret versuchen im alltäglichen Leben. Lasst uns eine Kultur von Form und Flow, von Schutz und Offenheit, von eigenem Freiraum und Raum der Begegnungen bilden!

Satnam Paulus-Thomas Weber