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Blog-Texte 2017


  • Ur-Sprung...
  • Nie nur für uns...
  • Wohin die Zeit läuft...
  • Kultur des Nicht-Wissens
  • Vom Umgang mit Nachrichten
  • Von der Übung im Alltag...
  • Die radikal menschliche Übung...

Ur-Sprung ins Leben


Im Januar 2017...


Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...wenn die Dinge auseinanderfallen,
lass dich gelassen schauen.
Spüre das Zerlegtwerden - es ist eine Erfahrung.
Was glaubst du denn - dass hinter dem Schleier deiner kleinen Welt
nichts mehr kommt?
Dahinter - da fängt es erst an - das schöpferische Leben.
Nur was durch den Nullpunkt geht - kann wirklich neu werden!"


Wie geschieht wirkliche Veränderung?
Diese Frage kann einen schon beschäftigen - nicht nur angesichts des Jahreswechsels von Silvester und Neujahr,
sondern auch mit Blick auf unsere derzeitige globale Lage, die vielen Versuche von Neubeginn, gutem Wandel,
wie auch die Versuche das Alte zu restaurieren - koste es, was es wolle.

Wenn ich in die Geschichte schaue und mich belehren lasse aus der Geschichte von uns Menschen,
wenn ich mich nicht auf den hohen Thron des Wissenden setze,
sondern der Geschichte zuhöre, wie einer Lehrerin,
dann erkenne ich, dass diese nicht linear, sondern jäh, abbrüchig, epochal verläuft - neben den ruhigeren Phasen des Erhalts einer bestimmten Struktur von Menschsein.

Die Geschichtsforschung, Kulturanthropologie u.a. zeigen uns dies immer wieder.
Es ist der ähnliche Phasenverlauf.
Nach einer Hochphase - kommt ein Kippen der Grundwerte einer jeweiligen Kultur. Sie tritt in eine Art Übermaß und damit in eine innere Sinn-Entleerung ein.
Man "kopiert" die Dinge endlos - aber sie werden dadurch nicht sinnvoller. Eher ist es ein Zeichen des Gegenteils.
Gegen den Untergang einer menschlichen Gesamtstruktur, zu der unser Selbst- Welt- Menschen- Verständins gehört,
können wir eigentlich gar nichts tun.
Am ehesten sind wir geladen, dem Leben hier nichts entgegenzustellen.

So nimmt uns die Dynamik mit in einen Zerfall, einen Untergang - der keineswegs immer "schlimm" oder furchtbar sein muss.
Bisweilen - und auch das lehrt der Blick in die Geschichte - ist es wirklich eine Befreiung von alten Mustern, alten Lasten, die sinnlos und unmenschlich geworden sind.
Wir tauchen gleichsam mit dem Leben ein in einen Schwellenraum. Wie bei einer Initiation.
Erst aus dem "nicht", aus der Offenheit und Unverstelltheit des Ursprungs, das eine Art schöpferische Leere ist -
kann dann eine neue Art von Menschsein, von Geschichte, von Kulturen wieder entspringen.

Derzeit sträuben wir uns noch "gewaltig" und oft auch "gewalttätig" gegen diese Geste des Lebens selbst...

Mögen wir der Weisheit unserer eigenen Menschengeschichte mehr lauschen!

Satnam Paulus-Thomas Weber

Nicht nur für uns allein


Im Februar 2017...


Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...denk bloß nicht, dass dir alles nur für dich gegeben ist!
Dass du heute nicht fliehen musst, heute nicht Krieg ist in deinem Land,
dass du heute gesund bist - das ist ein großes Geschenk.
Es ist ein Privileg sozusagen.
Natürlich nicht, um dich deshalb schlecht zu fühlen - ganz und gar nicht.
Sondern um deine Erfahrung zu öffnen, deine menschliche Reise der Reifung auch mit allen anderen zu verbinden,
um zu schauen, wo andere nicht sehen wollen,
um mit offenem Herzen präsent zu sein, für alle Menschen, die ähnliches erleben wie du."


Was wir wirklich einander schulden...
Wir schulden einander nicht dauernd nett zu sein oder leicht zu händeln.
Wir schulden einander nicht stets emotional leidenschaftliche Zuwendung.
Was wir einander aber schulden - ist die erlebte und in uns verwurzelte Wirklichkeit unseres menschlichen Verbundenseins.
Und dies ist zunächst kein Anspruch - es ist eine große Entspannung.
Stell dir vor, du bist in einem ziemlich krassen und abgründigen Zustand, du kommst in Hass oder Wut oder tiefste Verzweiflung oder ähnliches.
Und ein Teil dieses Schmerzes darin, oder der Wucht der Emotion ist - dass wir uns damit so einsam erleben.
Wie wenn wir allein gegen den Rest der Welt kämpfen sollten - oder in der Verzweiflung niemand uns überhaupt nur wahrnimmt.

Im selben Augenblick - sind einige, vielleicht hunderte, möglicherweise tausende von Menschen auf dieser Erde im genau selben inneren Zustand - durchaus aufgrund verschiedener äußerer Anlässe.
Wir können dieses Verbundensein, selbst in abgründigsten Emotionen und Zuständen unseres menschlichen Geistes erleben!
Dies macht uns so menschlich und holt uns zurück in diese Menschheitsfamilie, die oft alles andere als vertraut wirkt. Und dennoch - wir gehören dazu.

Wir können es aber auch umkehren - wenn wir in einem Überfließen von Dank und Lebensfreude, Leidenschaft für das Dasein oder Offenheit und Weite sind,
dann laden wir alle anderen auch ein, öffnen unser Fühlen und Gewahrsein für viele und viele und noch mehr und für alle möglicherweise,
für die Menschen-Geschwister rund um den Globus - all ihre Not, ihre Suche, ihre Freude, unser aller "es gut machen wollen", unser aller Lieben des Lebens...

Das "schulden" wir einander - denn es entspricht der grundlegenden Wirklichkeit unseres Menschseins.
Wir gehen den Weg der Reifung, der Entwicklung,
schon gar des existenziellen Aufwachens - nie allein und nie nur für uns.
Ab einem bestimmten Punkt kommen wir nicht weiter - wenn wir nicht mit allen anderen gehen.

Ach - das wünsche ich uns allen, gerade in dieser Zeit!

Satnam Paulus-Thomas Weber

Von der Zeit, die im Jetzt ruht


Im März 2017...


Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...wenn du nicht präsent bist,
zerrinnen dir die Tage, wie Sand in den Händen.
Wenn du nicht wertschätzt den Moment, in dem du jetzt lebst,
atmest, diese Zeilen schreibst oder liest,
verkommen dir die Jahre deines Lebens wie ein Greifen nach Luft.
Wenn du gegenwärtig sein kannst, in diesem Augenblick -
erfährst du das Geheimnis der verrinnenden Zeit."


Wohin sind die Jahre veschwunden...?
Als wenn die Tage schnell dahin laufen, so empfinden wir es oft.
Werden wir älter, scheinen sie noch schneller zu rennen - zu vergehen - wie ein Windhauch.
Termine, die sich treiben, Kalender die uns zeigen Monat, Tag und Jahr, sie alle wirken noch verstärkend auf diesen Trend der Zeit.

Doch - halt, da war doch dieser schöne Moment, als gerade die Sonne unterging und ich den Gesang eines unbekannten Vogels hörte...
da war doch diese Stunde, wo ich der Frau, die ich liebe, in die Augen sah und das Leuchten ihrer Seele, ihrer Intelligenz, ihrer Empfindung für mich sich in ihrem Blick spiegelte...
da war doch diese besondere Stille, als ich tief in mich spürte und leise Traurigkeit vernahm, die mein Herz berührte, am Ende dieser Musik, die ich schon oft gehört hatte...

Solche Momente sind dann plötzlich weit, sind wie aus der Zeit herausgestellt, herausgenommen aus dem Vergehen.
Wenn wir das rennende Denken für ein paar Momente lassen können,
dann entdecken wir mitunter, dass unser körperlich und sinnlich verankertes Empfinden nicht diesen Rann der Zeit verspürt, dieses Muster von vergangen, jetzt und morgen.
Wir vernehmen in unserem direkten Erleben, dass die Zeit wie still zu stehen scheint,
aber das wirkt nicht angehalten, nicht gebremst,
eher wie ein großes Jetzt, ein weiter Raum, in dem Vergangenheit, Heute und Zukunft lediglich ein Echo sind.

Ja, da ist wirklich diese große Zeitlosigkeit, die wir wahrnehmen können, wenn wir in das Wissen unseres Körpers lauschen, in der alle Geschichte ruht.
Fließende Zeit, so real sie uns auch erscheint, ist sekundär, sie kommt aus dem, was ursprünglicher ist,
dem großen Nun, dem ruhenden Jetzt, das gemäß den meditativen Traditionen alle Zeiten umfasst.
Das ist das Geheimnis der verrinnenden Zeit - dass wir diesen Klang darunter vernehmen.

In unserem Getriebensein heute wünsche ich uns das sehr, damit wir uns nicht verlieren....!

Satnam Paulus-Thomas Weber

Vom Mut nicht zu wissen...


Im April 2017...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...du musst nicht immer wissen, was du willst.
Trau dem Nicht-Wissen in dir, trau der Offenheit in dir.
Der Wille ist ein blindes Pferd.
Dein Herz sieht und deine Seele weiß.
Dein Geist schaut und dein Körper weiß es immer schon...
Lass dir keinen Druck machen - in dieser (verrückten ?) Gesellschaft zu funktionieren!"

Es braucht Mut, nicht zu wissen, was ich will...
Wir haben so oft den Druck von außen, aber wir machen ihn uns auch selbst:
Ich muss mich entscheiden - muss wissen, wo es lang geht, sonst kann ich nicht mithalten.
Dies ist oft sehr unfruchtbar.
Wir gehen über etwas in uns hinweg, gehen über uns selbst hinweg.
Wir rumpeln über unser Zögern, unser Warten, über den uns eingeschriebenen Prozess des Spürens und Abklärens einfach hinweg.
Dies lässt sich nicht antreiben.
So bekommen wir das innere oft somatische (verkörperte) Wissen in uns nicht mit.
Wir entscheiden dann flach, unzufrieden, einfach nur, damit entschieden ist - aus dem Denken.

Gutes sich entscheiden braucht Raum - braucht Geduld. Wir können die Weg-Gesetze nicht überspringen.
Oft gilt es für eine Weile beide Strömungen, beide Wünsche, beide Möglichkeiten in uns wie in beiden Händen zu halten und zu wägen und zu fühlen.
Manchmal ist die tiefste erreichbare Klarheit eben diese, dass wir beides lieben, beides für möglich halten,
oder dass wir einfach noch Zeit brauchen.

Mut braucht es und hier auch die Kraft des Willens uns nicht überrumpeln zu lassen.
"Lass unsere Zeit ein Garten sein, in dem wir wachsen können." So sagt es ein alter Text.

Erlauben wir uns eine Kultur der reifenden Entscheidungen - des Abwägens - des heiligen Nicht-Wissens.
Könnte dann manches in uns und um uns und auch global besser aussehen, wenn wir das täten....?

Satnam Paulus-Thomas Weber

Zurücktreten können in das Größere...


Im Juni 2017...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...Du kannst nicht alles brandneu und heiß aufnehmen -
Dich mit der letzten Information vollstopfen!
Kein Wunder, dass Dir das zu viel wird,
dass Du einen Prass auf Gesellschaft, Politik, Globalisierung und Digitalisierung bekommst.
Nicht die Augen zu verschließen vor Zeitereignissen,
wohl aber zurücktreten zu können in das Größere und Weitere von Leben, Dasein, Sein, Dir-Selbst
das ist die Kunst.
Übe es!"

Die Kunst zurückzutreten und aus der weiteren Sicht schauen können...

Die Vielfalt, Brisanz und Menge an Infos - überflutet uns regelrecht heute, wenn wir nicht gut damit umgehen lernen.
Niemand hat uns vorbereitet auf solch eine Flut von Inhalten, wie sie uns seit nur wenigen Jahrzehnten auf einmal zugemutet wird!
Wir haben uns selbst zu trainieren!
Wir können nicht erwarten von Medien oder von Netzwerken, dass sie das tun. Wir selbst haben da eine große Verantwortung für uns selbst und unsere Weltsicht.
Es ist etwas wie mit dem Einkauf von Lebensmitteln - ich kann die Billigware kaufen, die mit Niedriglöhnen und fragwürdiger Tierhaltung bzw. Gentechnik einhergehen kann,
oder ich kann als "VerbraucherIn" Zeichen setzen, so dass Fair-Trade-Markt und ökologisch sinnvolle Nahrungsmittel-Herstellung entstehen.

Also - welche Nachrichten brauche ich um wach in dieser Welt mitzuleben,
und welche alle brauche ich genau nicht.
Ich brauche sie genau nicht - weil ich damit abstumpfe, mein Herz verschließe, nicht mehr hinhöre oder hinsehe, oder mich das ganze nur noch nervt, frustriert oder gar verzweifelt macht.
Mit diesen zum Teil selbstgestrickten inneren Zuständen diene ich niemandem,
weder den Leidenden auf dieser Erde, noch den Menschen um mich, noch und am allerwenigsten mir selbst - und eben nicht dem Leben.

Lasst uns wach sein und wach mit den vielen kognitiven Infos heute umgehen!
Damit wir auch noch offen bleiben für die tieferen und mindestens ebenso wichtigen Nachrichten aus unserem Körperwissen, unserem menschlichen Herzwissen,
aus dem Mund der nächsten Menschen um uns, den Nachrichten aus der Tiefe des Lebens, die uns buchstäblich auf der Spur des Lebens ermächtigen.

Lasst uns aufgeweckt mit den aufweckenden Nachrichten umgehen.

Satnam Paulus-Thomas Weber

Meditation - die uns durch den Alltag begleitet


Im September 2017...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...wenn Dir an Dir gelegen ist,
nimmst Du Dir Zeit das zu kultivieren.
Du kultivierst Deine Zuneigung und Wertschätzung für Dich selbst,
indem Du Dich spürst, indem Du dies spürst.
Wenn Du das willst, aber nicht umsetzt,
bist Du nicht wirklich in Kontakt mit Dir selbst.
Vergiss es nicht:
Du bist das wichtigste Wesen in Deinem Leben.
Das ist kein Egoismus!"


Die Spirituelle Übung im Alltag, ist wie ein gutes Frühstück oder eine erfrischende Dusche...

Dies ist alt wie die Religionen, alt wie unser Menschsein,
dass wir erkennen, was gut wäre zu tun,
dass wir lieben, was wir gerne tun möchten,
und dass wir uns entdecken, es genau nicht zu machen.
Woran liegt es - was passiert da mit uns?

Nun - aus meiner Sicht haben wir eben verschiedene Kräfte, Spuren und Aspekte in uns als Persönlichkeit,
das macht uns ja auch farbig und menschlich. Letztlich haben wir alles in uns, so auch das hin und her des Wollens und Verhinderns.
Es gilt im Kern - unsere Meditations-verhindernde Seite mit ins Boot zu nehmen und nicht frontal zu bekämpfen.

Einige Spuren dazu aus meiner Erfahrung mit mir selbst und in der Begleitung von Menschen:
Wenn wir erst mal merken, dass uns das gut tut, uns morgens für 30 Minuten hinzusetzen oder so ähnlich,
dann haben wir schon viel gewonnen.
Wenn wir spüren, wie gut uns das tut, wie sehr wir heimkommen in das Wesentlichste unseres Erlebens, wenn wir uns in die Stille setzen - dann ist ein erster Schritt getan.
Damit sollten wir uns immer wieder verbinden - wie mit dem Duft von gutem Kaffee oder Tee oder Brötchen am Morgen...
Nehmen wir unsere Sinnlichkeit mit ins Boot - unseren Meditationsplatz zu finden!

Dann haben wir bisweilen eine eigentümliche, oft nicht bewusst bemerkte Angst vor uns selbst.
Klingt verrückt - ist aber so, wenn wir tiefer hinschauen.
Es ist die "Angst" - wir könnten es auch Respekt nennen, das Erschrecken vor der Wucht unserer Selbstbegegnung -
es ist eben wie ein Buch, das wir nicht umblättern können.
Wenn wir hingegen Interesse an uns finden - uns selbst auch mit Humor sehen können, ohne über uns hinweg zu gehen,
wenn wir lernen alles in uns zuzulassen, was wir entdecken - und das wird vermutlich die ganze Bandbreite von Menschsein sein -
dann bekommen wir Geschmack an der Selbsterforschung und Einsicht in der Meditations-Praxis.
Das ist es nämlich, was es ist. Es ist keine "Stille-werd-Übung"! Es ist die aufregendste und herausforderndste Reise zu uns selbst,
die wir machen können. (Hier meine ich natürlich Meditation in der ganzen Breite möglicher Praktiken und Methoden.)

Und ein dritter praktischer Punkt kann noch helfen:
Wir bereiten uns einen schönen Platz in der Wohnung, im Haus, im Garten, wo auch immer, der uns gleichsam einlädt uns da niederzulassen.
Wir finden die Zeit am Tag, wo wir am fittesten sind dafür, kann ganz morgens sein, aber auch abends oder sonst wann.
Und wir meditieren am besten immer zur gleichen Zeit - meint nicht immer um 6.00 Uhr, sondern eher im Sinne von "vor dem Frühstück" oder "abends nach dem Duschen"...

Gehen wir lebendig und in diesem Sinne schon bewusst mit unseren Hindernissen zur Praxis um!
Das Hinfinden zur regelmäßigen Meditations-Praxis im Alltag ist Teil der Praxis.
Es ist eine radikale Begegnung mit Dir selbst.

Viel Mut und Humor, aber auch Freude und Entschlossenheit bei dieser Selbsterforschung!

Satnam Paulus-Thomas Weber

Von der Heimkehr in unser Körpersein


Im November 2017...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"...beginne da wo du bist,
beginne mit dem Tor, das dein Menschsein ist -
in diesem Körper mit diesem Atem jetzt in der Gegenwart.
Wenn du eintauchst in die Tiefe des scheinbar Begrenzten,
wenn du dich einlässt auf die Demut dieses kleinen Lebens,
erwacht in dir etwas, das größer ist, als du geahnt hast..."


Wir sind im Westen gewohnt unser Menschsein in dieser Triade zu buchstabieren,
von Körper - Seele (oder Psyche) und Geist zu sprechen.
Dabei geht uns oft verloren, wie sehr wir dreimal vom selben sprechen: Von unserem verkörperten Menschsein,
das sich nicht in Teile zerlegen lässt, das vielmehr immer etwas ist, das allem Denken voraus und davon nicht letztlich begreifbar ist.

Was geschähe, wenn wir nicht diskursiv-analytisch quasi von außen kommend unser Menschsein zu denken versuchen,
sondern statt dessen unser Menschsein von innen her erfahren, erforschen würden, wie es sich selbst wahrnimmt.
Dies wäre eine erfahrungsorientierte Fortsetzung und Vertiefung dessen, was die philosophische Sicht der Phänomenologie in die Welt gebracht hat.
Ihr Anliegen ist ja - vereinfacht gesagt - dass wir zurücktreten lernen von unserem Außenzugriff auf uns selbst und die Dinge....
dass wir vielmehr lernen, wie die Dinge, unser eigenes Menschsein (also die Phänomene) sich selbst schauen, sich selbst verstehen.

Diese Innenwahrnehmung führt uns unmittelbar in die somatische Erfahrung.
Die Innen- und damit Selbstwahrnehmung von uns Menschen als Menschen ist verkörperte Erfahrung, Wahrnehmung, Gewahrsein.
Das diskursive Denken ist dabei lediglich ein Aspekt - und hat nicht die Führung und nicht das letzte Wort.
Das Wesentliche lässt sich im Falle von lebenden Wesen die wir sind, von Menschsein, eben nur von innen, also aus dem Erleben selbst erforschen.

Diese tiefe Selbst-Erfahrung haben sich viele Wege der Körpertherapie, der Atemarbeit, der transpersonalen Psychotherapie und seit Jahrtausenden der Meditation und Kontemplation
zu eigen gemacht - ja lehren diesen Zugang zu uns selbst.
Die analytisch-diskursive Sicht hat ihr Recht, kommt danach, um Einsichten zu klären.
Neues aber erforschen wir nur in der Intro-Spektive in uns selbst.

Dies hat etwas enorm Befreiendes - hängen wir doch in den wesentlichen Fragen unseres Lebens eben nicht von Außeninstanzen ab,
sondern verfügen im tiefen Hineinschauen und uns von innen her selbst erfahren über den Zugang zu dem, was sich als nächster Lebensschritt uns zeigt.
Wir lernen in alter Sprache - die innere Lehrerin, den inneren Lehrer - zu entdecken und zu befreien.
Dies geschieht erst und in dem Maße, wie wir nicht mehr nur im Außen suchen nach den "neuesten Forschungen", nach dem "Mainstream", der uns vorgaukelt zu wissen, was sinnvoll für uns ist.

So wäre der Weg in unsere Verkörperung, der Mut uns selbst zuzuhören, das Vertrauen in unsere eigene innere Weisheit,
der Zugang zu unserer Selbst-Wahrnehmung im wahrsten Sinne des Wortes -
so wäre das ein riesiger Schritt in unser Geburtsrecht der Freiheit:
Eben die Wesen zu werden, die zutiefst in uns möglich sind.

Satnam Paulus-Thomas Weber


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