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Blog-Texte 2015


  • Was Menschsein kostet...
  • Unser Körper als Tor...
  • Praxis im Alltag...
  • Authentische Spiritualität...

Was Menschsein kostet

Im Dezember 2015...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"..du kannst dich nicht drücken vor dem Wert für das Menschsein -
was soll das heißen? sagte ich
nur wenn du die ganze Bandbreite der Erfahrung zulässt,
bereit bist ganz menschlich zu sein, verwundbar, wild, zart und unsterblich,
ist es Erfüllung."


Es scheint in unsere heutige Zeit zu passen, diese Frage,
was denn Menschsein kostet.
Aber - ich muss Euch enttäuschen - diese Frage ist völlig unpassend!

Wie auch Ihr sicher wisst, ist unser Menschsein, unser Leben unbezahlbar, nicht zu verrechnen.
Es braucht allerlei, damit es gut und gelingend werden kann,
aber im Wesen ist es nicht zu vermarkten,
Menschlichkeit ist eine ganz andere Dimension von Wirklichkeit.
Das dürfte klar sein - ist es leider aber nicht.

Menschlichkeit kostet uns ein immer tieferes Öffnen für uns selbst
und für alle Gefühle, für alles Erleben, für unsere Leidenschaft und Liebe,
unsere Enttäuschung und Trauer, unsere Sehnsucht und unsere Unzähmbarkeit,
die darin besteht, dass wir "unheilbar" wir selbst werden wollen.

Menschsein kostet uns das volle Einlassen auf das, was menschlich und erfahrbar ist.
Das bedeutet nun nicht ein Hineinspringen in alle möglichen Abenteuer,
eher ist es ein waches, lauschendes, fühlendes, berührbares und oft auch schauendes Präsentsein
mit dem, was das Leben uns zeigt, wie es uns anruft, wie andere Menschen und die Natur oder Situationen uns begegnen.

Es ist nach außen hin vielleicht stiller,
nach innen hin breiter und mit immer weniger "Nein" zu den Angeboten des Daseins.

Macht das die zwar bisweilen verstaubt wirkende, aber doch sehr aktuelle
Kraft vieler religiöser Traditionen aus - dass in ihrem Ursprung da immer Menschen waren,
die radikal sich genau darauf einließen - vom Menschsein nichts auszuschließen?

Verbinden sich in dieser Geste des Daseins Gautama Buddha und Jesus von Nazareth,
und all die anderen Frauen und Männer der Religionen dieser Erde?
Ken Wilber nennt in seinem Buch "Integrale Spiritualität" die Religionen "das Förderband".
Förderband für die Bandbreite menschlicher Bewusstseins-Geschichte, menschlicher Fülle und Tiefe.

Ich mag bei diesem Förderband der großen Traditionen immer wieder Schüler sein!

Satnam Paulus-Thomas Weber

Unser Körper als Tor zum Unermesslichen

Im Oktober 2015...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:
"wohin aber führt mich die Suche,
die große Suche -
die Suche, die mein Herz nicht ruhen lässt..
wohin ruft mich mein Mut, mich tief zu erkennen
und den Nektar des Lebens selbst zu schmecken...
wo komme ich heim mit meiner Frage nach dem Ganzen, dem Unendlichen
in dieser zerbrechlichen Welt?
...und ich falle in das Nächste - meinen menschlichen Körper!"


Unser Körper als Tor zum Unermesslichen

Es klingt in einer materialistisch orientierten Gesellschaft sicher provokant - aber es ist eine sehr alte Einsicht, und eine moderne zugleich: Wenn wir tief eintauchen in unsere Erfahrung im Körper - kommen wir Schicht für Schicht durch physische Empfindungen, Emotionen, Erleben von somatischen Energien und Strömen etc. hin zu etwas, da fühlt es sich weit offen und unbegrenzt an in uns - sofern wir das zulassen und nicht mit Konzepten des Nicht-Verstehens wieder davonlaufen.

Seit alters her ist unser menschlicher Körper - gerade in all der physischen Zerbrechlichkeit, Sterblichkeit und Begrenzung, das Tor zur Erfahrung der ganzen Bandbreite und Fülle menschlichen Erlebens und in-der-Welt-Seins. Die alten Traditionen sprechen vom Mikrokosmos, der unser Körper ist, er bildet die Totalität ab, ist - so würden wir heute vielleicht eher sagen - Tor zur Erfahurng der Totalität des Lebens, gar des Universums.

Eine somatische Spiritualität, also ein Übungsweg, der im Körper zentriert ist und mit unserer Verkörperung beginnt, geht in das hinein, was da ist, anstatt etwas zu konstruieren, was wir uns wünschen, was wir uns vorstellen, was aber so erst mal nicht existiert. Dies ist der markante Unterschied zwischen allen somaitschen - also im Körper zentrierten - Wegen und den mentalen Methoden, die im Denken und Vorstellen ansetzen. Es ist so gesehen auch der Unterschied zwischen dem linkshemisphärischen Denken und dem eher rechtshemishärischischen und somatischen Erfahren. Denken distanziert uns von der direkten Erfahrung. So hilfreich es oft ist, das Denken.

Zugang zu dem, wer oder was wir sind, gibt uns diskursives Denken nur in nachträglicher Klärungsarbeit. Der direkte Zugang zu unserem eigentlichen Personsein, der Tiefe unseres Menschseins, der Weite und Leuchtkraft der Wirklichkeit selbst, zu dem, was wir auch das Unermessliche, Göttliche, Erwachte nennen können, dieser Zugang geht nur im Spüren und Erfahren unseres Köperseins.

Spiritualität ist eine somatische, so gesehen auch sinnliche Sache - ein Weg der Erfahrung. Wir kommen im Körper heim in das, was immer schon da ist, erfahren jene Totalität und Weite, Liebe und Offenheit, die viele Religionen des Westens gewagt haben "Gott" zu nennen. Die erwachte Weite des Seins, in der wir selbst unentrinnbar gründen - das ist unseren Zellen eingeschrieben.

Ach - welch gute Botschaft in einer Zeit, wo wir alles Sinnvolle erst machen und erarbeiten müssen!
Im Grunde unseres verkörperten Menschseins wartet das Absolute auf uns, dass wir die Demut finden, uns uns selbst hinzugeben im Körper als diese Menschen, in diesem konkreten Leben.

Satnam Paulus-Thomas Weber

Inspiration finden zur Praxis im Alltag

Im September 2015...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:

"was, wenn wir das Feuer nicht nähren?
wenn wir das innere Feuer nicht nähren -
die Flamme unseres Aufschlags, wozu wir hier sind,
die Flamme, die uns erinnert an unser wesentlichstes Geheimnis.
Wird es warten, das Feuer in uns,
wird es Glut sein, bis wir die Ablenkung zur Seite gelegt und ihrer Lüge müde geworden sind,
wird es warten, bis wir aufwachen zu uns selbst hin?"


Es ist wie ein Tor zu diesem tieferen inneren Raum von Genährtsein, es ist wie ein Weg,
der oft durch unwegsames Gelände führt, aber genau darin "führt" und geleitet. Es ist dann oft wie ein Warten - und nichts geschieht scheinbar. Und es ist wie ein Ernten, so eine Notwendigkeit, dass es eintritt, dass wir immer beschenkter erwachen.

Ich spreche von dem, was wir im Westen und in unserer zeitgedrängten Gesellschaft oft so garnicht mögen - und dann doch zutiefst lieben lernen können:

Die Spirituelle Praxis im Alltag, Tag für Tag, Jahr für Jahr, als Hingabe an die Strecke des eigenen Lebens.

Die Fallen, die wir in unserer Gesellschaft sehen müssen - das ist die Erwartung, dass es ganz schnell wirkt, dass wir die Früchte direkt bekommen, dass es nicht weh tut, dass wir es kaufen können oder gar jemand anders dafür zahlt. Dies sind Schwierigkeiten, die sich uns in den Weg stellen, wenn wir täglich meditieren wollen.

Aber es gibt auch das andere, die enormen Chancen, die wir gerade als moderne Menschen haben. Dass wir nämlich Zugang finden zu vielen großartigen Spirituellen Wegen und Praktiken, dass sie uns wirklich gelehrt werden, dass wir in der Regel unseren Alltag so ordnen können, dass zumindest 30 Minuten möglich sind uns ganz nur uns selbst zuzuwenden...

Nie und nimmer funktioniert es, wenn wir uns zu einer Spirituellen Praxis hinpuschen wollen. Wenn wir wirklich nicht wollen, sollten wir auch nicht meditieren!

Wie aber finden wir die Inspiration, wenn wir sehen, dass es uns hilft zu leben und immer mehr als wir selbst, genährt vom Leben, liebend und authentisch zu leben?

Es gilt aus meiner Sicht die Liebe zum Leben zu spüren, ihr Raum zu geben. Nur als "hoffnungslos" in das Leben Verliebte, und damit auch in unseren eigenen Reifungsweg, unsere Möglichkeiten, finden wir den Weg auf das Meditationskissen, ins Retreat, an uns zu arbeiten - wie auch immer. Regeln werden uns nicht lange tragen. Dann aber, wenn wir Feuer gefangen haben, wenn wir die grundlegende Angst, uns selbst in der Stille zu begegnen kleiner werden sehen, wenn wir entdecken, dass uns Meditation nährt, wie ein gutes Frühstück als Start in einen vielleicht herausfordernden Tag, dann braucht es die Ordnung, die dem, was wir lieben gelernt haben, Raum gibt:

Wir brauchen eine Zeit am Tag, wir brauchen einen Platz in unserer Wohnung, unserem Haus, der uns gleichsam ruft, wo wir gerne hingehen.

Wir brauchen auch Aus-Zeiten im Lauf des Jahres, wie Retreats oder Wochen der Einkehr, wo wir uns mit anderen unterstützen lassen zu uns selbst hin.

Diese Reise in die Wirklichkeit ist zu groß, zu weit, zu frei, die kann niemand allein gehen...

Das innere Feuer zu nähren mit dem Atem der Stille in der Meditations-Praxis ist das Herz-Stück, unsere Welt von innen her zu wandeln.

Satnam Paulus-Thomas Weber

Unsere tiefsten Wünsche verstehen

Im August 2015...

Das Leben schrieb mir ins Tagebuch:

"alles so heiß unter der Sonne zur Zeit
es wird heiß gekocht, wenn wir dicht dran sind im Leben
wir werden ernst genommen vom Leben mit unseren Wünschen
es könnte sich erfüllen, was wir zutiefst wollen...
mögen wir gesegnet sein mit kostbaren Wünschen und nicht mit Herzens-Enge
Das Leben ruft uns heraus aus dem existenziellen Versteck
wir sind sehr geliebt und herausgefordert !"


Echte Wege lebbarer Spiritualität haben mit einer Bejahung unseres Menschseins, unseres menschlichen Lebens zu tun.

All zu lange waren religiöse Pfade auch gepflastert mit Verneinungen und Verboten, mit Entsagungen und Askese. Das mag nun zu anderen Zeiten und in anderem kulturellem Kontext auch anders geklungen haben als für uns heute, da mag das Grundanliegen sogar seine Berechtigung haben im Sinne einer Entscheidung, was mir wirklich wichtig ist und wofür ich anderes loslassen muss - aber aus meiner Sicht ist eine menschliche Spiritualität heute, egal in welchem religiösen Kontext sie die Einzelnen leben, von einer tiefen Bejahung unserer Menschlichkeit geprägt.

Was sind unsere tiefsten und eigentlichen Wünsche, nicht die Surrogate, die Ablenkungen, die ach zu billigen Vertröstungen?

Unser Herz lässt sich nicht bestechen! Wenn wir tief reisen, den Mut haben, der ganzen Wucht und Schönheit unserer Seele zu begegnen - was entdecken wir dann? Was ist unser tiefes Verlangen, unsere Ausrichtung ? Und das muss ja nun nicht unbedingt etwas sein, dessen wir zu ermangeln glauben, das ein "Haben-wollen" initiiert. Es kann dies ja genau etwas sein, das wir im Modus der Sehnsucht, der Suche, der Leidenschaft für genau dies - schon in uns erfahren, das schon in der Tiefe unseres Wesens weilt und darauf wartet von uns vernommen, enthüllt und gelebt zu werden - genau in diesem unserem Leben, heute.

Das, was wir im Kern erwarten vom Leben, wonach wir uns ausrichten hat eine große Wirkung, eine besondere Macht.

Es ist wie eine Resonanz des großen Lebens in uns, das in uns zu einer Bitte wird.

Aus diesem lebendigen Wunsch des Lebens in uns, gebären wir dann, wenn wir dem Raum geben, es mehr und mehr sich entfalten lassen, konkrete Schritte, Handlungen, sicher auch Entscheidungen. Auf jeden Fall gibt der Kontakt mit unserer tiefsten Liebe zum Leben uns eine Klarheit, dass wir nicht für von außen kommende Versprechungen aller Art verfügbar sind, nicht manipulierbar für die Ideen anderer, der Gesellschaft, der Betriebe, der religiösen Institutionen etc.

Kommen wir in lebendigen Kontakt mit dem, was wir zutiefst in diesem Leben leben, verwirklichen wollen, dann spricht darin sich unser Wesen aus - und so steht dieser "Wunsch" auch immer im Dienste für andere, für das Leben, diese Welt. Er hat eine Verwandtschaft mit unserer tiefsten Begabung als genau diese Menschen, die wir sind.

Authentische Spiritualität hat stets mit dem Ja zum Leben zu tun, dem Ja zu uns Menschen, so wie wir sind. Erst dann ist Wandlung möglich.

Menschliche Spiritualität - das können wir lernen auch aus der Geschichte der Religionen, wo das nicht immer so gesehen wurde - hat ihre Wurzel in der Öffnung hin zur Ganzheit und nicht in der Ausgrenzung oder im Sich-Verschließen in eine Sonderwelt.

Spiritualität meint diese Öffnung für die Totalität des Daseins! -

Dies resoniert wie eine geheime innere Melodie in unseren Herzen als Wesens-Wunsch für genau dieses konkrete menschliche Leben, das wir heute gerade leben.

Satnam Paulus-Thomas Weber


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